Kalziumsalz zur intravenösen Membranstabilisierung und KalziumsubstitutionMONITORING ERFORDERLICH

Calciumgluconat

Zeltacin · Calcium Gluconate B. Braun

Erstmaßnahme bei Hyperkaliämie mit EKG-Veränderungen: Kalzium stellt den Abstand zwischen Ruhemembranpotential und Schwellenpotential wieder her und schützt das Myokard innerhalb von Minuten vor Arrhythmie — senkt den Kaliumwert aber nicht um ein Zehntel mmol. Insulin-Glukose, Betastimulatoren und Dialyse müssen parallel begonnen werden, sonst kehrt das Arrhythmierisiko zurück wenn der Kalziumeffekt nach einer halben Stunde abklingt. Calciumgluconat enthält etwa ein Drittel so viel elementares Kalzium pro ml wie Calciumchlorid, und genau diese Verwechslung ist der häufigste Dosierungsfehler bei der akuten Kalziumbehandlung.

WARNHINWEIS

10 ml Calciumgluconat 100 mg/ml ergibt ca. 2,25 mmol Kalzium, während 10 ml Calciumchlorid 100 mg/ml ca. 6,8 mmol ergibt — gleiche Menge, dreifache Dosis. Niemals Kalzium im selben Zugang wie Natriumbikarbonat oder phosphathaltige Lösungen ohne Zwischenspülung geben; Ausfällung von Kalziumkarbonat bzw. Kalziumphosphat kann den Zugang blockieren und zur Embolie führen.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Hyperkaliämie mit EKG-Veränderungen10 ml Calciumgluconat 100 mg/ml (≈ 2,25 mmol) i.v. über 2–3 min; nach 5–10 min wiederholen wenn EKG sich nicht normalisiertsenkt nicht den Kaliumwert — gleichzeitig Insulin-Glukose starten
Symptomatische Hypokalzämie (Tetanie, Laryngospasmus, Krämpfe)10–20 ml 100 mg/ml verdünnt in 50–100 ml Glukose 50 mg/ml i.v. über 10 min, danach Infusion 0,5–1,5 mmol/h bis Symptomfreiheitgleichzeitig Magnesium korrigieren, sonst spricht die Hypokalzämie schlecht an
Kalziumantagonistintoxikation20–30 ml 100 mg/ml i.v. über 5–30 min, bei Bedarf wiederholen; ionisiertes Kalzium von ca. 1,5 mmol/l anstrebenKombination mit Hochdosis-Insulin-Euglykaemia; Vergiftungsinformationszentrum kontaktieren
Magnesiumintoxikation (Areflexie, Atemdepression)10 ml 100 mg/ml (≈ 2,25 mmol) i.v. über 2–3 min, bei anhaltenden Symptomen wiederholengleichzeitig Magnesiuminfusion stoppen
Citrat-induzierte Hypokalzämie bei Massivtransfusion10 ml 100 mg/ml i.v. pro 2–4 Erythrozytenkonzentrate, gesteuert nach ionisiertem Kalziumnicht im selben Infusionsschlauch wie Blutprodukt geben
Niereninsuffizienz

Keine Dosisreduktion bei akuter Indikation — Kalzium wird nach klinischer Wirkung und ionisiertem Kalzium gesteuert, nicht nach eGFR. Bei chronischer Niereninsuffizienz besteht jedoch das Risiko für Hyperkalzämie und Gefäßverkalkung bei wiederholter Zufuhr, besonders bei gleichzeitig erhöhtem Phosphat; Kalzium- und Phosphatspiegel vor weiterer Substitution kontrollieren.

Leberfunktionsstörung

Keine Dosisanpassung. Bei schwerer Leberinsuffizienz ist der Citratmetabolismus vermindert, was den Kalziumbedarf bei citratantikoagulierter Dialyse und Massivtransfusion erhöht.

Kinder

Hyperkaliämie und symptomatische Hypokalzämie: 0,5 ml/kg Calciumgluconat 100 mg/ml (≈ 0,11 mmol/kg) i.v. über 5–10 min, max. 20 ml pro Dosis. Verdünnt und langsam unter EKG-Überwachung geben.

Fallstrick

Nicht beim erhöhten Kalium bei Kalzium stehenzubleiben: die Membranstabilisierung erkauft 30–60 Minuten, und wird in diesem Zeitfenster keine kaliumsenkende Behandlung begonnen, kehrt das Arrhythmierisiko ohne Vorwarnung zurück. Auch Kalzium als Reflexbehandlung bei Digitalisintoxikation mit Hyperkaliämie vermeiden — dort ist das Kalium ein Marker für gehemmte Natrium-Kalium-Pumpe, und was gegeben werden soll, sind Digoxin-Antikörper.

Pharmakokinetik

WIRKUNGSEINTRITT
1–3 Minuten i.v.
WIRKUNGSDAUER
30–60 Minuten nach Bolus
KALZIUMGEHALT
100 mg/ml ≈ 0,225 mmol Ca/ml (≈ 9 mg/ml)
VERGLEICH
Calciumchlorid 100 mg/ml ≈ 0,68 mmol Ca/ml — dreimal mehr
PROTEINBINDUNG
ca. 45 % des Gesamtkalziums, hauptsächlich an Albumin
AUSSCHEIDUNG
Renal mit ausgeprägter tubulärer Reabsorption; Einlagerung im Skelett
NORMALWERT
ionisiertes Kalzium 1,15–1,35 mmol/l
UMRECHNUNG
1 mmol Ca = 40 mg = 2 mval

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Wärmegefühl und Flush, Metallgeschmack im Mund, Übelkeit, Unbehagen entlang der Infusionsvene
1–10 %
Bradykardie und Blutdruckabfall bei zu schneller Zufuhr, Schwitzen, Thrombophlebitis, Hyperkalzämie bei wiederholten Dosen
< 1 %
Gewebsnekrose bei Extravasation, Kalzinose, Asystolie bei schnellem Bolus, Arrhythmie bei digitalisiertem Patient