Zeltacin · Calcium Gluconate B. Braun
Erstmaßnahme bei Hyperkaliämie mit EKG-Veränderungen: Kalzium stellt den Abstand zwischen Ruhemembranpotential und Schwellenpotential wieder her und schützt das Myokard innerhalb von Minuten vor Arrhythmie — senkt den Kaliumwert aber nicht um ein Zehntel mmol. Insulin-Glukose, Betastimulatoren und Dialyse müssen parallel begonnen werden, sonst kehrt das Arrhythmierisiko zurück wenn der Kalziumeffekt nach einer halben Stunde abklingt. Calciumgluconat enthält etwa ein Drittel so viel elementares Kalzium pro ml wie Calciumchlorid, und genau diese Verwechslung ist der häufigste Dosierungsfehler bei der akuten Kalziumbehandlung.
10 ml Calciumgluconat 100 mg/ml ergibt ca. 2,25 mmol Kalzium, während 10 ml Calciumchlorid 100 mg/ml ca. 6,8 mmol ergibt — gleiche Menge, dreifache Dosis. Niemals Kalzium im selben Zugang wie Natriumbikarbonat oder phosphathaltige Lösungen ohne Zwischenspülung geben; Ausfällung von Kalziumkarbonat bzw. Kalziumphosphat kann den Zugang blockieren und zur Embolie führen.
| Indikation | Dosierung | Hinweis |
|---|---|---|
| Hyperkaliämie mit EKG-Veränderungen | 10 ml Calciumgluconat 100 mg/ml (≈ 2,25 mmol) i.v. über 2–3 min; nach 5–10 min wiederholen wenn EKG sich nicht normalisiert | senkt nicht den Kaliumwert — gleichzeitig Insulin-Glukose starten |
| Symptomatische Hypokalzämie (Tetanie, Laryngospasmus, Krämpfe) | 10–20 ml 100 mg/ml verdünnt in 50–100 ml Glukose 50 mg/ml i.v. über 10 min, danach Infusion 0,5–1,5 mmol/h bis Symptomfreiheit | gleichzeitig Magnesium korrigieren, sonst spricht die Hypokalzämie schlecht an |
| Kalziumantagonistintoxikation | 20–30 ml 100 mg/ml i.v. über 5–30 min, bei Bedarf wiederholen; ionisiertes Kalzium von ca. 1,5 mmol/l anstreben | Kombination mit Hochdosis-Insulin-Euglykaemia; Vergiftungsinformationszentrum kontaktieren |
| Magnesiumintoxikation (Areflexie, Atemdepression) | 10 ml 100 mg/ml (≈ 2,25 mmol) i.v. über 2–3 min, bei anhaltenden Symptomen wiederholen | gleichzeitig Magnesiuminfusion stoppen |
| Citrat-induzierte Hypokalzämie bei Massivtransfusion | 10 ml 100 mg/ml i.v. pro 2–4 Erythrozytenkonzentrate, gesteuert nach ionisiertem Kalzium | nicht im selben Infusionsschlauch wie Blutprodukt geben |
Keine Dosisreduktion bei akuter Indikation — Kalzium wird nach klinischer Wirkung und ionisiertem Kalzium gesteuert, nicht nach eGFR. Bei chronischer Niereninsuffizienz besteht jedoch das Risiko für Hyperkalzämie und Gefäßverkalkung bei wiederholter Zufuhr, besonders bei gleichzeitig erhöhtem Phosphat; Kalzium- und Phosphatspiegel vor weiterer Substitution kontrollieren.
Keine Dosisanpassung. Bei schwerer Leberinsuffizienz ist der Citratmetabolismus vermindert, was den Kalziumbedarf bei citratantikoagulierter Dialyse und Massivtransfusion erhöht.
Hyperkaliämie und symptomatische Hypokalzämie: 0,5 ml/kg Calciumgluconat 100 mg/ml (≈ 0,11 mmol/kg) i.v. über 5–10 min, max. 20 ml pro Dosis. Verdünnt und langsam unter EKG-Überwachung geben.
Nicht beim erhöhten Kalium bei Kalzium stehenzubleiben: die Membranstabilisierung erkauft 30–60 Minuten, und wird in diesem Zeitfenster keine kaliumsenkende Behandlung begonnen, kehrt das Arrhythmierisiko ohne Vorwarnung zurück. Auch Kalzium als Reflexbehandlung bei Digitalisintoxikation mit Hyperkaliämie vermeiden — dort ist das Kalium ein Marker für gehemmte Natrium-Kalium-Pumpe, und was gegeben werden soll, sind Digoxin-Antikörper.