Definition, Iso-BMI und Wachstumskurven
Adipositas ist eine komplexe, chronische und häufig rezidivierende Erkrankung, bei der die Menge an Körperfett die körperliche oder psychische Gesundheit beeinträchtigen kann. Bei Kindern lässt sich das Gewicht nicht anhand fester BMI-Grenzwerte beurteilen, da sich der Normalwert mit Alter, Geschlecht und Pubertätsentwicklung verändert. Der BMI ist daher auf eine alters- und geschlechtsspezifische Referenzkurve zu beziehen [1].
Der BMI wird berechnet als Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körperlänge in Metern. In Schweden wird üblicherweise der Iso-BMI verwendet, bei dem der BMI des Kindes mit Kurven verglichen wird, die im Alter von 18 Jahren den Grenzwerten für Erwachsene entsprechen:
| Gewichtskategorie | Iso-BMI |
|---|---|
| Übergewicht | Iso-BMI 25 bis unter 30 |
| Adipositas | Iso-BMI 30 oder höher |
| Schwere Adipositas | Üblicherweise Iso-BMI 35 oder höher, alternativ Maße, die auf dem prozentualen Anteil am BMI-Grenzwert für Adipositas beruhen |
Exakte Grenzwerte und Bezeichnungen können zwischen Wachstumskurven und internationalen Leitlinien etwas abweichen. Für schwere Adipositas wird international häufig ein BMI von mindestens 120 Prozent der alters- und geschlechtsspezifischen 95. Perzentile oder ein BMI von mindestens 35 kg/m² verwendet. Sehr schwere Adipositas entspricht häufig mindestens 140 Prozent der 95. Perzentile oder einem BMI von mindestens 40 kg/m² [2].
Praktische Messung
Körperlänge und Gewicht sind zu messen und nicht lediglich nach Angaben des Kindes oder der Sorgeberechtigten zu übernehmen. Das Kind wird in leichter Kleidung ohne Schuhe gewogen. Die Körperlänge wird mit einem kalibrierten Stadiometer gemessen. BMI und Iso-BMI werden anschließend zusammen mit Länge und Gewicht in die Wachstumskurve eingetragen.
Die Beurteilung muss den gesamten Verlauf umfassen:
- aktuelles Iso-BMI-Niveau
- Veränderung über die Zeit
- Längenwachstum und Wachstumsgeschwindigkeit
- Zeitpunkt des Adiposity Rebound, also des Zeitpunkts, an dem der BMI nach dem Rückgang im Kleinkindalter wieder anzusteigen beginnt
- Pubertätsstadium
- bisherige Gewichtsentwicklung und Behandlung
- Vorliegen medizinischer, psychischer und sozialer Komplikationen
Eine einzelne Messung ist weniger aussagekräftig als ein deutliches Kreuzen von BMI-Perzentilenkanälen nach oben. Ein früher und rascher BMI-Anstieg, insbesondere vor dem Schulalter, sagt eine spätere Adipositas voraus. Der BMI der Eltern, der BMI des Kindes im Alter von etwa zwei Jahren und eine ausgeprägte Reaktion auf Nahrungsreize sind ebenfalls starke Prädiktoren einer Adipositas im späteren Kindesalter [3].
Bei Kindern unter zwei Jahren werden als diagnostisches Hauptmaß eher das Gewicht im Verhältnis zur Länge und die regulären Wachstumskurven als der BMI verwendet. Bei Kindern über zwei Jahren sollte der BMI regelmäßig beurteilt werden, jedoch stets zusammen mit dem Längenwachstum und dem klinischen Gesamtbild.
Der BMI ist ein indirektes Maß für die Adipositas. Er unterscheidet nicht zwischen Fettmasse und fettfreier Masse und kann die Adipositas bei sehr muskulösen Jugendlichen überschätzen. Bei ausgeprägter Adipositas werden BMI-SDS und BMI-Perzentile zudem weniger empfindlich für Veränderungen, da die Werte im oberen Kurvenbereich komprimiert werden. Der absolute BMI, die prozentuale BMI-Veränderung oder der BMI ausgedrückt als Anteil am Grenzwert für Adipositas können dann für die Verlaufskontrolle nützlicher sein [4].
Taillenumfang oder Taille-Größe-Verhältnis können zusätzliche Informationen über eine zentrale Adipositas liefern, ersetzen aber nicht BMI und Wachstumskurve. Ein Taillenumfang von mehr als der Hälfte der Körperlänge spricht für eine zentrale Fettverteilung, kinderspezifische Referenzen sind jedoch unvollständig und variieren zwischen Populationen [5].
Epidemiologie
Adipositas bei Kindern und Jugendlichen ist ein globales und zunehmendes Gesundheitsproblem. Eine systematische Übersichtsarbeit mit mehr als 45 Millionen Teilnehmenden aus 154 Ländern schätzte die Prävalenz der Adipositas auf 8,5 Prozent und die Prävalenz von Übergewicht ohne Adipositas auf 14,8 Prozent. Insgesamt wiesen etwa 22 Prozent Übergewicht oder Adipositas auf. Die Prävalenz war in Studien aus den Jahren 2012 bis 2023 etwa 1,5-mal höher als in Studien aus den Jahren 2000 bis 2011 [6].
Eine Analyse von 3 663 bevölkerungsrepräsentativen Studien zeigte, dass die Adipositas bei Kindern und Jugendlichen zwischen 1990 und 2022 in den meisten Ländern der Welt zugenommen hat. Die Zunahme tritt in mehreren Regionen gleichzeitig mit fortbestehender Unterernährung auf, sodass beide Formen der Malnutrition parallel verhütet und behandelt werden müssen [7].
Die Häufigkeit variiert mit Alter, Geschlecht, sozioökonomischem Status, Wohngegend, ethnischer Zugehörigkeit und der verwendeten BMI-Referenz. Internationale Prävalenzzahlen lassen sich daher nicht direkt auf schwedische Kinder übertragen. Die Verhältnisse in Schweden sollten anhand nationaler und regionaler Gesundheitsdaten beurteilt werden, die von den verwendeten Literaturdatenbanken nicht erfasst werden.
Adipositas neigt zur Persistenz. Gut die Hälfte der Kinder mit Adipositas im frühen Schulalter ist auch im Jugendalter noch adipös, und etwa 80 Prozent der Jugendlichen mit Adipositas bleiben auch im Erwachsenenalter adipös [1]. Das Risiko steigt mit höherem Iso-BMI, höherem Alter, elterlicher Adipositas und frühem Beginn.
Die Folgen reichen weit über die Kindheit hinaus. In einer Kohorte mit 2,3 Millionen Jugendlichen war Adipositas in der späten Adoleszenz mit einem 3,5-fach höheren Risiko für kardiovaskulären Tod im Erwachsenenalter assoziiert, verglichen mit dem unteren Bereich des Normalbereichs [8]. Das bedeutet nicht, dass sich das künftige Risiko eines einzelnen Kindes anhand des BMI exakt berechnen lässt, unterstreicht aber den Wert einer frühen Erkennung und einer langfristigen Behandlung.
Risikofaktoren und frühe Lebensbedingungen
Die häufige kindliche Adipositas ist polygen und multifaktoriell. Eine genetische Suszeptibilität wirkt mit biologischen, sozialen und umweltbedingten Faktoren zusammen, die Hunger, Sättigung, Energieverbrauch, Schlaf, Stress sowie den Zugang zu Nahrung und Bewegung beeinflussen [9]. Adipositas darf daher nicht als Charakterschwäche oder als Folge einer einzelnen falschen Entscheidung dargestellt werden.
Erblichkeit und Familie
Adipositas bei einem oder beiden Elternteilen ist ein starker Risikomarker. Der Zusammenhang beruht sowohl auf Genetik als auch auf gemeinsamer Umwelt. Appetitregulation, Sättigungsempfindlichkeit, Belohnungsreaktion und Ruheumsatz variieren biologisch zwischen Individuen.
Die Familienanamnese sollte Folgendes umfassen:
- Adipositas und frühe Gewichtszunahme
- Typ-2-Diabetes
- Hypertonie und Dyslipidämie
- frühe Herz-Kreislauf-Erkrankung
- steatotische Lebererkrankung
- Adipositaschirurgie
- Essstörungen und psychische Erkrankungen
- bekannte genetische Syndrome
Schwangerschaft und frühe Kindheit
Zu den mit einem höheren Risiko assoziierten Faktoren gehören ein hoher BMI der Mutter vor der Schwangerschaft, eine starke Gewichtszunahme während der Schwangerschaft, Gestationsdiabetes, Rauchen während der Schwangerschaft, ein hohes Geburtsgewicht und eine rasche Gewichtszunahme im Säuglingsalter. Die Assoziationen sind nicht immer kausal und werden durch Genetik und sozioökonomische Verhältnisse beeinflusst [3,6].
Ein früher Adiposity Rebound, ein rascher BMI-Anstieg im Vorschulalter und eine ausgeprägte Hyperphagie sind besonders wichtige Warnsignale. Stillen hat mehrere belegte gesundheitliche Vorteile und sollte unterstützt werden, eine Adipositas darf jedoch nicht nachträglich einzelnen Entscheidungen über Stillen oder Säuglingsanfangsnahrung zugeschrieben werden.
Soziale und umweltbedingte Faktoren
Sozioökonomische Benachteiligung, Ernährungsunsicherheit, ein unsicheres Wohnumfeld, eingeschränkter Zugang zu Grünflächen, geringe Möglichkeiten zu organisierter körperlicher Aktivität und eine hohe Exposition gegenüber energiedichten Lebensmitteln können das Risiko erhöhen. Systematische Daten zeigen, dass frühe Lebensbedingungen, elterliche Faktoren, das unmittelbare Wohnumfeld und der Zugang zu Grünflächen zu sozioökonomischen Unterschieden in der Gewichtsentwicklung von Kindern beitragen [10].
Ernährungsunsicherheit kann sowohl zu Unterernährung als auch zu Adipositas führen. Familien können die Ernährungsempfehlungen kennen, aber nicht über die finanziellen oder praktischen Möglichkeiten verfügen, sie umzusetzen. Die Behandlung muss daher Fragen zu Lebensmittelkosten, Wohnsituation, Arbeitszeiten, Transportmöglichkeiten, Freizeitaktivitäten und Unterstützung durch Schule oder Kommune einschließen.
Schlaf und Bildschirmnutzung
Kurzer Schlaf, späte Zubettgehzeiten und ein unregelmäßiger zirkadianer Rhythmus sind mit Adipositas assoziiert. In einer Metaanalyse war eine späte Zubettgehzeit mit einer um 27 Prozent höheren Odds für Adipositas verbunden, auch in Analysen mit Adjustierung für die Schlafdauer [11]. Eine hohe Bildschirmzeit ist mit stärkerer Adipositas, energiedichterer Ernährung, schlechterer Ernährungsqualität und depressiven Symptomen assoziiert, Beobachtungsdaten können jedoch nicht immer zwischen Ursache und Folge unterscheiden [12].
Befunde, die zur Abklärung einer sekundären Ursache führen sollten
Endokrine Ursachen einer Adipositas sind selten. Sie gehen in der Regel mit einem verminderten Längenwachstum bei gleichzeitiger Gewichtszunahme einher. Ein Kind, das normal oder beschleunigt in die Länge wächst, hat daher selten eine Hypothyreose, ein Cushing-Syndrom oder einen Wachstumshormonmangel als Erklärung für die Adipositas [9].
Eine routinemäßige breite hormonelle Labordiagnostik ist bei einem ansonsten gesunden Kind mit normalem Längenwachstum nicht gerechtfertigt. Die Abklärung ist an Anamnese, Untersuchungsbefund und Wachstumskurve auszurichten.
Warnbefunde
Folgende Befunde rechtfertigen eine gezielte Abklärung oder eine Überweisung an Kinderärztin oder Kinderarzt, Kinderendokrinologie oder Humangenetik:
- Beginn einer ausgeprägten Adipositas vor dem fünften Lebensjahr
- rasche und erhebliche Gewichtszunahme in den ersten Lebensjahren
- ausgeprägte, schwer kontrollierbare Hyperphagie
- abflachendes Längenwachstum oder Kleinwuchs
- Entwicklungsstörung oder Intelligenzminderung
- dysmorphe Merkmale, Sehstörung, Hörminderung oder Polydaktylie
- neonatale Hypotonie oder ausgeprägte Fütterungsschwierigkeiten, gefolgt von Hyperphagie
- Hypogonadismus, ausbleibende oder deutlich abweichende Pubertät
- neu aufgetretene Adipositas nach Hirntumor, kranieller Strahlentherapie, Trauma oder neurochirurgischem Eingriff
- proximale Muskelschwäche, breite rötlich-livide Striae, Neigung zu Hämatomen oder andere Zeichen eines Hyperkortisolismus
- Symptome einer Hypothyreose zusammen mit abflachendem Längenwachstum
- Exposition gegenüber Arzneimitteln, die eine Gewichtszunahme begünstigen können, beispielsweise Glukokortikoide, bestimmte Antipsychotika, Antiepileptika oder Antidepressiva
- Familienangehörige mit extremer und früh beginnender Adipositas
- plötzliche Veränderung von Appetit, Durst, Diurese oder neurologischer Funktion
Gezielte Labordiagnostik
TSH und freies T4 werden bei klinischem Verdacht auf eine Hypothyreose bestimmt, insbesondere wenn sich das Längenwachstum verlangsamt. Eine Kortisoldiagnostik ist nicht als allgemeines Screening, sondern bei passendem klinischem Bild durchzuführen. Eine hypothalamische oder hypophysäre Abklärung kann nach einer Erkrankung des zentralen Nervensystems oder bei einer Pubertätsstörung erforderlich sein.
Eine genetische Abklärung wird vor allem bei früher schwerer Adipositas, Hyperphagie, syndromalen Merkmalen oder deutlicher familiärer Häufung erwogen. Monogene Formen können unter anderem Leptin und das Melanocortinsystem betreffen. Die häufige polygene Adipositas wird dagegen nicht mit einem klinischen Genpanel diagnostiziert, und eine breite genetische Testung aller Kinder mit Adipositas wird nicht empfohlen [13].
Initiale klinische Beurteilung
Das Gespräch sollte mit der Bitte um Erlaubnis beginnen, beispielsweise: „Ist es in Ordnung, wenn wir über die Wachstumskurve sprechen und darüber, wie sich das Gewicht auf die Gesundheit auswirken kann?“ Verwenden Sie neutrale Begriffe wie Wachstum, Gewichtsentwicklung und BMI. Fragen Sie das Kind und die Familie, wofür sie sich selbst Unterstützung wünschen.
Anamnese
Folgende Bereiche sind zu erfassen:
- Entwicklung von Gewicht und Körperlänge
- Alter bei Beginn und Phasen rascher Veränderung
- Hunger, Sättigung, Essanfälle und nächtliches Essen
- Mahlzeitenstruktur, Getränke, Portionsgrößen und Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln
- körperliche Aktivität, sitzendes Verhalten und Bewegungseinschränkung
- Schlafdauer, Schnarchen und Tagesmüdigkeit
- Menstruation, Pubertät und hyperandrogene Symptome
- Kopfschmerzen, Sehstörungen und Zeichen einer intrakraniellen Hypertension
- Bauchschmerzen, Reflux und Obstipation
- Schmerzen in Rücken, Hüften, Knien oder Füßen
- Medikation
- psychische Gesundheit, neuropsychiatrische Schwierigkeiten und Schulabsentismus
- Mobbing, Gewichtsstigma, Symptome einer Essstörung und Suizidgedanken
- Ziele, Ressourcen und bisherige Behandlungserfahrungen der Familie
Untersuchungsbefund
Die Untersuchung sollte Folgendes umfassen:
- Körperlänge, Gewicht, BMI und Iso-BMI
- Blutdruck mit korrekter Manschettengröße
- Bestimmung des Pubertätsstadiums, wenn klinisch relevant
- Acanthosis nigricans
- Hepatomegalie
- Zeichen eines Hyperandrogenismus
- Striae cutis und andere endokrine Zeichen
- Schilddrüse
- Hüften, Knie, Füße und Beweglichkeit
- neurologischer Status bei Kopfschmerzen, Sehstörungen oder neu aufgetretener schwerer Adipositas
Komorbiditäten im Kindes- und Jugendalter
Komplikationen können bereits im Vorschulalter auftreten und werden mit zunehmendem Alter und schwererer Adipositas häufiger. Die Beurteilung sollte metabolische, mechanische, psychische und soziale Folgen umfassen, nicht nur den BMI [1,5].
Metabolische Komplikationen
Hypertonie
Der Blutdruck wird ab dem Schulalter bei jedem relevanten Arztkontakt gemessen, bei Vorliegen von Risikofaktoren auch früher. Erhöhte Werte sind durch wiederholte Messungen zu bestätigen. Für jüngere Kinder werden kinderspezifische Perzentilen auf Basis von Alter, Geschlecht und Körperlänge verwendet. Eine ambulante Blutdruckmessung kann bei Verdacht auf Weißkittelhypertonie, maskierte Hypertonie oder persistierende Auffälligkeit erforderlich sein [5].
Dyslipidämie
Adipositas führt häufig zu erhöhten Triglyzeriden, niedrigem HDL-Cholesterin und mitunter erhöhtem Non-HDL- oder LDL-Cholesterin. Ein Lipidstatus sollte bei Adipositas ab dem Schulalter erwogen werden, bei starker familiärer Belastung oder anderen Risikofaktoren auch früher. Ein deutlich erhöhtes LDL-Cholesterin darf nicht automatisch der Adipositas zugeschrieben werden, da gleichzeitig eine familiäre Hypercholesterinämie vorliegen kann.
Prädiabetes und Typ-2-Diabetes
Das Risiko steigt nach Pubertätsbeginn, insbesondere bei schwerer Adipositas, familiärer Belastung, mütterlichem Gestationsdiabetes, Acanthosis nigricans, Hypertonie, Dyslipidämie oder polyzystischem Ovarsyndrom. HbA1c und Nüchternglukose werden häufig als initiales Screening verwendet. Ein oraler Glukosetoleranztest wird bei starkem klinischem Verdacht trotz normaler Screeningwerte oder bei Grenzwerten erwogen. Internationale Leitlinien empfehlen ein gezieltes Screening spätestens ab dem zehnten Lebensjahr oder ab Pubertätsbeginn [14].
Symptome wie Polyurie, Polydipsie, Gewichtsverlust, Müdigkeit oder rezidivierende Infektionen erfordern eine rasche Abklärung. Ein Diabetesverdacht bei Kindern ist umgehend abzuklären und darf nicht als bloße Folge der Adipositas abgetan werden.
Metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung
Die metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung, MASLD, ist bei Adipositas häufig und oft asymptomatisch. Die Prävalenz in Studien an Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht oder Adipositas wurde auf etwa 41 Prozent geschätzt, variiert jedoch stark je nach Population und diagnostischer Methode [15].
Die ALT (ALAT) ist bei Adipositas ab einem Alter von etwa neun bis elf Jahren der Test der ersten Wahl, bei schwerer Adipositas oder mehreren metabolischen Risikofaktoren auch früher. Eine normale ALT schließt eine Steatose nicht vollständig aus, während ein erhöhter Wert die Abklärung anderer Lebererkrankungen erfordert. Die Sonographie ist als alleinige Screeningmethode nicht ausreichend sensitiv. Eine ausgeprägt oder persistierend erhöhte ALT, eine Hepatomegalie oder Zeichen einer Fibrose rechtfertigen eine fachärztliche Beurteilung [16].
Mechanische und hormonelle Komplikationen
Obstruktive Schlafapnoe
Fragen Sie nach Schnarchen, Atempausen, unruhigem Schlaf, Enuresis, morgendlichen Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten und Tagesmüdigkeit. Bei Verdacht sollte das Kind hinsichtlich einer Schlafregistrierung und gegebenenfalls einer HNO-ärztlichen Abklärung beurteilt werden. Tonsillenhyperplasie und Adipositas können gleichzeitig vorliegen.
Muskuloskelettale Probleme
Häufige Beschwerden sind Rückenschmerzen, Knieschmerzen, Fußprobleme und eingeschränkte Beweglichkeit. Hüftschmerzen, Knieschmerzen mit Hinken oder eine Außenrotation des Beins können Zeichen einer Epiphyseolysis capitis femoris sein und erfordern eine notfallmäßige orthopädische Beurteilung.
Polyzystisches Ovarsyndrom
Unregelmäßige Menstruationen sind in der frühen Zeit nach der Menarche häufig. Eine persistierende ausgeprägte Zyklusstörung zusammen mit klinischem oder biochemischem Hyperandrogenismus spricht für ein polyzystisches Ovarsyndrom. Normale pubertäre Variationen dürfen nicht überdiagnostiziert werden. Schwangerschaft, Schilddrüsenerkrankung, Hyperprolaktinämie und andere Ursachen eines Hyperandrogenismus müssen bei Bedarf ausgeschlossen werden.
Idiopathische intrakranielle Hypertension
Rezidivierende oder zunehmende Kopfschmerzen, pulssynchroner Tinnitus, Diplopie oder vorübergehende Sehverluste erfordern eine rasche augenärztliche und neurologische Abklärung.
Vorschlag für die Basisdiagnostik
Die Labordiagnostik wird nach Alter, Schweregrad der Adipositas, familiärer Belastung und klinischen Befunden individualisiert. Bei Schulkindern und Jugendlichen mit Adipositas ist häufig Folgendes sinnvoll:
| Bereich | Untersuchung |
|---|---|
| Blutdruck | Standardisierte Messung mit korrekter Manschette |
| Glukosestoffwechsel | HbA1c und Nüchternglukose |
| Lipide | Gesamtcholesterin, LDL, HDL und Triglyzeride |
| Leber | ALT, bei Auffälligkeit ergänzende Leberabklärung |
| Endokrine Ursache | Nur gezielte Tests, beispielsweise TSH und freies T4 bei klinischem Verdacht |
| Psychische Gesundheit | Strukturierte Fragen zu Depression, Angst, Essstörung, Mobbing und Suizidrisiko |
Das metabolische Syndrom sollte nicht als übergeordnete pädiatrische Diagnose verwendet werden. Die Definitionen variieren und werden durch die Pubertät beeinflusst. Klinisch nützlicher ist es, jeden einzelnen Risikofaktor zu identifizieren und zu behandeln [5].
Familienbasierte Behandlung
Die familienbasierte, multimodale Behandlung ist die Therapie der ersten Wahl und sollte frühzeitig angeboten werden. Abzuwarten, bis das Kind älter ist, birgt das Risiko, Gewichtsentwicklung, Komplikationen und Stigma zu verfestigen. Aktuelle Empfehlungen beschreiben Arzneimittel oder Chirurgie nicht als Strafe nach „gescheiterter Lebensstilintervention“, sondern als mögliche Bestandteile einer kohärenten Behandlung [1].
Die Behandlung sollte mindestens zwei der folgenden Elemente kombinieren:
- Ernährung und Mahlzeitenstruktur
- körperliche Aktivität und Reduktion sitzenden Verhaltens
- Schlaf und zirkadianer Rhythmus
- verhaltensändernde oder psychologische Methoden
- medizinische Behandlung, wenn indiziert
Vorgehensweise
Wirksame Programme nutzen häufig:
- gemeinsam formulierte Ziele
- Selbstbeobachtung ausgewählter Verhaltensweisen
- Problemlösen
- positive Verstärkung
- Veränderung der häuslichen Umgebung
- Planung für Hochrisikosituationen
- motivierende Gesprächsführung
- Rückfallprävention
Die Eltern sind für die Struktur im Haushalt und die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln verantwortlich, das Kind ist jedoch entsprechend Alter und Reife einzubeziehen. Kleine Kinder werden in erster Linie über Veränderungen bei Eltern und Betreuungspersonen behandelt. Jugendliche benötigen mehr Autonomie, Privatsphäre und die Möglichkeit zu Einzelgesprächen.
Die Intervention sollte ausreichend intensiv sein. Programme mit mindestens 26 Kontaktstunden über sechs bis zwölf Monate sind im Allgemeinen besser belegt als einzelne Beratungstermine [4]. Einzelne kurze Ratschläge sind dennoch besser als keine Behandlung, sollten aber nicht als vollwertige intensive Adipositastherapie bezeichnet werden.
In einer Metaanalyse multimodaler Programme zeigten sich geringe durchschnittliche Verbesserungen des BMI-SDS, aber auch Verbesserungen von Blutdruck, Lipiden, Insulinresistenz, Depression und Angst. Ein geringes BMI-Ansprechen kann daher klinisch bedeutsam sein [1]. Ein aktueller Cochrane-Review zu Kindern unter zehn Jahren zeigte zugleich, dass der Langzeiteffekt häufig gering und unsicher ist, insbesondere bei niedrigintensiven gemeindebasierten Programmen [17].
Erfolg ist nicht ausschließlich als Gewichtsabnahme zu definieren. Relevante Ziele sind auch:
- stabilisiertes Gewicht bei fortgesetztem Längenwachstum
- niedrigerer Iso-BMI oder langsamerer Anstieg
- besserer Schlaf und mehr Energie
- bessere Blutdruck-, Glukose- oder Leberwerte
- weniger Schmerzen
- höhere Schulpräsenz und bessere Teilhabe
- bessere Lebensqualität
- weniger Essanfälle oder gewichtsbezogener Leidensdruck
Eine integrierte Versorgung in Zusammenarbeit von Primärversorgung, Kinder- und Jugendmedizin, Ernährungsberatung, Physiotherapie, Psychologie, Schule und Kommune kann Zugänglichkeit und Kontinuität verbessern [4]. Digitale Kontakte können Präsenztermine ergänzen, sind als alleinige Behandlung jedoch nicht gesichert wirksamer.
Ernährung und körperliche Aktivität
Ernährung
Für keine einzelne Diät wurde eine Überlegenheit für alle Kinder nachgewiesen. Für eine individualisierte Präzisionsernährung fehlt bislang eine ausreichende klinische Evidenz [18]. Die Ernährung muss genügend Energie und Nährstoffe für ein normales Wachstum und eine normale Pubertät liefern und zugleich energiedichte, nährstoffarme Lebensmittel begrenzen.
Praktische Ziele können sein:
- regelmäßige Hauptmahlzeiten und geplante Zwischenmahlzeiten
- Wasser als hauptsächlicher Durstlöscher
- verringerte Aufnahme zuckergesüßter Getränke
- mehr Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte
- ausreichend Protein und eisenreiche Lebensmittel
- weniger Fast Food, Süßigkeiten, Snacks und große Portionen
- Mahlzeiten am Tisch ohne gleichzeitige Bildschirmnutzung
- gemeinsame Familienmahlzeiten, wenn praktisch möglich
- Verfügbarkeit gesunder Alternativen zu Hause
Rigides Kalorienzählen, moralisierende Sprache und absolute Verbote können Konflikte und die gedankliche Fixierung auf Essen verstärken. Bei Essanfällen, kompensatorischem Verhalten, ausgeprägter Angst vor Gewichtszunahme oder raschem Gewichtsverlust ist eine Essstörung abzuklären, bevor eine weitere Energierestriktion empfohlen wird.
Eine Ernährungstherapie als alleinige Maßnahme ist in der Regel weniger wirksam als eine multimodale Behandlung. In randomisierten Studien führten Ernährungsinterventionen im Mittel zu geringen Reduktionen von BMI und Gewicht, ohne Belege dafür, dass ein bestimmtes Ernährungsmodell generell am besten ist [1].
Körperliche Aktivität
Ziel ist tägliche Bewegung, die für das Kind möglich, sicher und sinnvoll ist. Internationale Leitlinien geben für Kinder im Schulalter in der Regel durchschnittlich mindestens 60 Minuten moderate bis intensive körperliche Aktivität pro Tag an, mit muskel- und knochenstärkenden Aktivitäten an mehreren Tagen pro Woche. Ein inaktives Kind sollte die Aktivität schrittweise steigern.
Aktivitäten können über den Tag verteilt werden. Spaziergänge, Radfahren, Schwimmen, Tanzen, Spielen, Krafttraining und aktive Mobilität können ebenso relevant sein wie organisierter Sport. Kinder mit Schmerzen, Atemnot, Bewegungsangst oder früheren Mobbingerfahrungen im Sport benötigen Anpassungen und mitunter physiotherapeutische Unterstützung.
Körperliche Aktivität kann Ausdauerleistungsfähigkeit, Blutdruck, Lipide, Insulinsensitivität, psychisches Wohlbefinden und Schlaf verbessern, auch wenn sich der BMI kaum verändert. Kombiniertes Ausdauer- und Krafttraining kann einen besseren metabolischen Effekt erzielen als Beratung allein [1]. Familienbasierte Aktivität kann die Teilnahme erleichtern, Studien zeigen jedoch größere und gesichertere Effekte auf körperliche Leistungsfähigkeit und Verhaltensweisen als auf den BMI [19].
Schlaf und sitzendes Verhalten
Die Behandlung sollte regelmäßige Zubettgehzeiten, ausreichende Schlafdauer und die Abklärung von Schnarchen oder Schlafapnoe umfassen. Die Bildschirmnutzung sollte begrenzt werden, wenn sie Schlaf, körperliche Aktivität, Schularbeit oder die Teilnahme an Mahlzeiten verdrängt. Für eine universelle exakte Bildschirmzeitgrenze als alleinige Behandlung gibt es keine ausreichende Evidenz, ein konkreter Familienplan ist jedoch häufig hilfreich [12].
Pharmakotherapie bei Jugendlichen
Arzneimittel können ab einem Alter von etwa zwölf Jahren bei Adipositas erwogen werden, insbesondere bei schwerer Adipositas, rascher Progression oder Komplikationen. Die Behandlung muss im Rahmen eines strukturierten Programms mit fortgesetzter Ernährungs-, Bewegungs- und psychologischer Unterstützung erfolgen. Die Entscheidung wird gemeinsam mit den Jugendlichen und den Sorgeberechtigten getroffen, nach Aufklärung über erwartete Wirkung, Nebenwirkungen, Injektionstherapie, Kosten und die Notwendigkeit einer Langzeitbehandlung [1].
Zulassung, Kostenerstattung und tatsächliche Verfügbarkeit unterscheiden sich zwischen den Ländern. Verordnung und Kostenerstattung in Schweden können von internationalen Leitlinien abweichen und müssen anhand der aktuellen Produktinformation und der regionalen Praxis überprüft werden.
GLP-1-Rezeptoragonisten
Liraglutid wird täglich als subkutane Injektion verabreicht und in Adipositasstudien von 0,6 mg auf höchstens 3,0 mg täglich auftitriert. Semaglutid wird einmal wöchentlich verabreicht und wurde in STEP TEENS von 0,25 mg auf höchstens 2,4 mg pro Woche auftitriert [2,20].
In STEP TEENS mit 201 Jugendlichen nahm der BMI nach 68 Wochen unter Semaglutid im Mittel um 16,1 Prozent ab und unter Placebo um 0,6 Prozent zu. Eine Gewichtsabnahme von mindestens fünf Prozent erreichten 73 Prozent bzw. 18 Prozent. Gastrointestinale Nebenwirkungen traten bei 62 Prozent unter Semaglutid und 42 Prozent unter Placebo auf. Gallensteine wurden bei 4 Prozent in der Semaglutidgruppe berichtet [20].
Eine Netzwerk-Metaanalyse von elf randomisierten Studien ergab, dass Semaglutid eine stärkere durchschnittliche Reduktion von Gewicht und BMI bewirkte als Liraglutid, Exenatid und Dulaglutid, die Vergleiche waren jedoch überwiegend indirekt, und Langzeitdaten für Kinder sind begrenzt [21].
Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Obstipation und Bauchschmerzen. Die Dosis muss langsam auftitriert werden. Eine frühere Pankreatitis, Gallenblasenerkrankungen, schwere gastrointestinale Beschwerden und relevante Kontraindikationen sind gemäß Fachinformation zu prüfen. Eine Schwangerschaft ist zu vermeiden. Wirkung und Nebenwirkungen werden regelmäßig überprüft, und die Behandlung wird bei ausbleibender klinisch relevanter Wirkung neu bewertet.
Eine Gewichtszunahme nach Therapieende ist häufig. Antiadiposita sollten daher als mögliche Langzeitbehandlung und nicht als kurze Kur dargestellt werden.
Weitere Arzneimittel
Orlistat vermindert die Fettresorption, verursacht aber häufig Steatorrhö, imperativen Stuhldrang und Flatulenz. Der Effekt auf den BMI ist in der Regel begrenzt. Die fettlöslichen Vitamine müssen gegebenenfalls kontrolliert werden.
Die Kombination aus Phentermin und Topiramat führte in einer 56-wöchigen Studie mit zwei unterschiedlichen Dosisstufen zu placebobereinigten BMI-Reduktionen von 8,1 bzw. 10,4 Prozentpunkten. Triglyzeride und HDL verbesserten sich, die Behandlung erfordert jedoch besondere Aufmerksamkeit für psychische Symptome, Kognition, Puls, Blutdruck, Wachstum und Schwangerschaftsrisiko, da Topiramat teratogen ist [22]. Das Präparat ist in Schweden keine etablierte Standardtherapie für Jugendliche.
Metformin ist kein Antiadipositum. Es wird bei Typ-2-Diabetes und mitunter bei anderen spezifischen metabolischen Indikationen eingesetzt, hat aber in der Regel nur einen geringen Gewichtseffekt und darf eine evidenzbasierte Adipositastherapie nicht ersetzen.
Arzneimittel für seltene genetische Formen der Adipositas können nach molekularer Diagnose und fachärztlicher Beurteilung in Betracht kommen. Bei der häufigen polygenen Adipositas sind sie nicht anzuwenden.
Adipositaschirurgie bei Jugendlichen
Eine metabolische und bariatrische Chirurgie kann bei sorgfältig ausgewählten Jugendlichen mit schwerer Adipositas erwogen werden. Gängige internationale Kriterien sind:
- BMI mindestens 35 kg/m² oder mindestens 120 Prozent der 95. Perzentile, zusammen mit einer bedeutsamen Komplikation
- BMI mindestens 40 kg/m² oder mindestens 140 Prozent der 95. Perzentile, auch ohne eine ebenso ausgeprägte Komplikation
Beispiele für schwerwiegende Komplikationen sind Typ-2-Diabetes, mittelschwere oder schwere Schlafapnoe, ausgeprägte MASLD, schwere Hypertonie, idiopathische intrakranielle Hypertension und eine erhebliche Funktionseinschränkung [2].
Eine Überweisung darf nicht allein deshalb verzögert werden, weil die Jugendlichen ein bestimmtes chronologisches Alter oder die vollständige Skelettreife noch nicht erreicht haben. Bei der Beurteilung sind hingegen Reife, die Fähigkeit, den Eingriff zu verstehen, psychische Gesundheit, familiäre Unterstützung, Schwangerschaftspläne und die Möglichkeit einer lebenslangen Nachsorge zu berücksichtigen.
Präoperative Abklärung
Ein multidisziplinäres Team sollte Folgendes beurteilen:
- Schweregrad der Adipositas und Komplikationen
- bisherige und laufende Behandlung
- Essverhalten und eventuelle Essstörung
- Depression, Angst, Suizidrisiko und Substanzkonsum
- kognitive Fähigkeiten und Therapieadhärenz
- Unterstützung durch die Familie und realistische Erwartungen
- Vitamin- und Mineralstoffstatus
- Fertilität, Kontrazeption und Schwangerschaftsplanung
Eine aktive unbehandelte Essstörung, eine unkontrollierte schwere psychische Erkrankung, eine bestehende Substanzabhängigkeit oder die Unfähigkeit, an der Nachsorge teilzunehmen, können Hindernisse darstellen, bis sich die Situation stabilisiert hat. Eine behandelte psychische Komorbidität ist nicht automatisch eine Kontraindikation.
Wirksamkeit und Risiken
Die randomisierte Evidenz ist begrenzt. Ein Cochrane-Review fand lediglich eine kleine Studie zum adjustierbaren Magenband, mit starker Gewichtsabnahme, aber hohem Verzerrungsrisiko und Reoperationen bei 28 Prozent. Das Verfahren wird bei Jugendlichen heute nur noch selten empfohlen [23].
Beobachtungsstudien zur Sleeve-Gastrektomie und zum Magenbypass zeigen dagegen eine erhebliche und häufig anhaltende BMI-Reduktion sowie eine hohe Rate an Besserung oder Remission von Typ-2-Diabetes, Hypertonie und Dyslipidämie. Eine systematische Langzeitübersicht ergab einen durchschnittlichen BMI von etwa 47 kg/m² vor der Operation und 32,4 kg/m² nach mindestens fünf Jahren. Eine erneute Gewichtszunahme kam vor, eine Remission wurde jedoch bei etwa 75 Prozent der Personen mit Dyslipidämie und 85 Prozent der Personen mit Hypertonie oder Typ-2-Diabetes berichtet. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz war niedrig bis moderat [24].
Die Chirurgie verbessert häufig auch die Mobilität und muskuloskelettale Schmerzen. In Teen-LABS verbesserte sich die Gehfähigkeit, und der Anteil der Personen mit muskuloskelettalen Schmerzen sank während sechs Jahren Nachbeobachtung von etwa 37 auf 11 Prozent [25].
Zu den Risiken gehören perioperative Komplikationen, Gallensteine, Reflux, Reoperationsbedarf, erneute Gewichtszunahme und Nährstoffmängel. Nach fünf Jahren hatten in Teen-LABS 71 Prozent nach Magenbypass und 45 Prozent nach Sleeve-Gastrektomie ein niedriges Ferritin. Zwei oder mehr Nährstoffmängel traten bei 59 bzw. 27 Prozent auf [26]. Eine lebenslange Nachsorge, Nahrungsergänzung und regelmäßige Kontrollen unter anderem von Blutbild, Eisen, Vitamin B12, Folsäure, Vitamin D, Kalzium und Parathormon sind unerlässlich.
Eine Schwangerschaft sollte während der Phase des raschen Gewichtsverlusts nach der Operation vermieden werden. Die Fertilität kann zunehmen, und eine Kontrazeptionsberatung muss Bestandteil der Betreuung sein.
Psychische Gesundheit, Mobbing und Stigma
Kinder mit Adipositas weisen häufiger Depression, Angst, geringes Selbstwertgefühl, Körperunzufriedenheit, Mobbingerfahrungen und eine verminderte Lebensqualität auf. Die Zusammenhänge sind bidirektional und werden durch Stigma, soziale Bedingungen, Schlaf, körperliche Einschränkungen und neuropsychiatrische Komorbidität beeinflusst [27].
Fragen Sie regelmäßig nach:
- Niedergeschlagenheit und Angst
- Schulabsentismus und sozialer Isolation
- Mobbing in der Schule, zu Hause, im Sport oder im Internet
- Selbstverletzung und Suizidgedanken
- Essanfällen, nächtlichem Essen und Kontrollverlust
- Erbrechen, Fasten, übermäßigem Training oder anderem kompensatorischem Verhalten
- Körperunzufriedenheit und ausgeprägter Angst vor Gewichtszunahme
- ADHS, Autismus und exekutiven Schwierigkeiten
- Alkohol, Nikotin und anderen Substanzen
Eine Gewichtsabnahme behandelt Depression oder Angst nicht automatisch. In einer schwedischen Registerstudie war eine gute Adipositasbehandlung mit einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes, Dyslipidämie, Hypertonie und vorzeitigen Tod im Erwachsenenalter assoziiert, nicht jedoch mit einem geringeren Risiko für Depression oder Angst. Psychische Erkrankungen erfordern daher eine eigene Diagnostik und Behandlung [28].
Beschämung und Schuldzuweisung verbessern die Therapieadhärenz nicht. Sie sind vielmehr mit emotionalem Essen, Essanfällen, Essstörungsrisiko, Depression, Angst, geringerem Selbstwertgefühl und einer geringeren Bereitschaft, Hilfe zu suchen, assoziiert [29].
Verwenden Sie eine personenzentrierte Sprache und fragen Sie, welche Begriffe das Kind bevorzugt. Vermeiden Sie Kommentare zum Aussehen und wertende Etikettierungen. Konzentrieren Sie sich auf Gesundheit, Funktion und die eigenen Ziele des Kindes. Das Wiegen sollte in einem geschützten Rahmen erfolgen, und das Ergebnis sollte ohne Einwilligung nicht vor anderen ausgesprochen werden.
Soziale Medien können durch idealisierte Bilder, Gewichtsvergleiche und algorithmisch gesteuerte Inhalte Körperunzufriedenheit und gestörtes Essverhalten verstärken. Das Gespräch sollte daher die digitale Umgebung des Kindes einbeziehen, ohne jedoch davon auszugehen, dass jede Nutzung sozialer Medien schädlich ist [30].
Verlaufskontrolle
Adipositas erfordert eine langfristige und wiederkehrende Nachbetreuung. Die Besuchsfrequenz wird an den Schweregrad der Erkrankung und die Behandlung angepasst. Intensive Programme können anfangs Kontakte jede Woche oder jede zweite Woche erfordern, gefolgt von monatlichen Terminen und anschließend Erhaltungskontakten.
Zu verfolgen sind:
- Körperlänge, Gewicht, BMI und Iso-BMI
- Pubertät und Längenwachstum
- Blutdruck
- metabolische und leberbezogene Laborwerte
- Schlaf und Symptome einer Schlafapnoe
- Schmerzen und körperliche Funktion
- psychische Gesundheit und Essverhalten
- Arzneimittelwirkung, Nebenwirkungen und Adhärenz
- Ziele der Familie und Behandlungslast
- Schulbesuch und soziale Situation
Ein ausbleibendes BMI-Ansprechen soll zu einer Neubeurteilung führen, nicht zu Schuldzuweisungen. Prüfen Sie, ob die Behandlung ausreichend intensiv war, ob das Kind eine nicht diagnostizierte Komorbidität hat, ob die Familie auf finanzielle oder praktische Hindernisse stößt und ob Arzneimittel oder Chirurgie besprochen werden sollten.
Ein günstiges Therapieansprechen im Kindes- und Jugendalter kann einen anhaltenden gesundheitlichen Nutzen bringen. In der schwedischen BORIS-Kohorte war ein gutes Ansprechen mit einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes, Dyslipidämie, spätere Adipositaschirurgie und vorzeitigen Tod im jungen Erwachsenenalter assoziiert [28].
Übergang in die Erwachsenenmedizin
Die Transition ist als Prozess zu planen, nicht als einmalige Überweisung. Sie ist besonders wichtig für Jugendliche mit:
- schwerer Adipositas
- Typ-2-Diabetes, Hypertonie, Dyslipidämie oder MASLD
- laufender Therapie mit Antiadiposita
- erfolgter oder geplanter Adipositaschirurgie
- genetischer oder hypothalamischer Adipositas
- erheblicher psychischer oder neuropsychiatrischer Komorbidität
Die Planung sollte ein bis zwei Jahre vor der Übergabe beginnen. Die Jugendlichen müssen schrittweise mehr Verantwortung für Arzneimittel, Termine, Laborkontrollen und das Wissen über Komplikationen übernehmen. Gleichzeitig sollten die Eltern sie entsprechend ihrer Reife weiterhin unterstützen.
Die Übergabe sollte Folgendes enthalten:
- Gewichts- und Längenverlauf
- durchgeführte Abklärung sekundärer Ursachen
- aktuelle Komplikationen
- bisherige Behandlung und Therapieansprechen
- Arzneimittel, Dosierungen und Nebenwirkungen
- chirurgische Informationen und ernährungsmedizinische Nachsorge
- psychische Gesundheit und Beurteilung hinsichtlich Essstörungen
- reproduktive Gesundheit und Kontrazeptionsbedarf
- klare Verantwortlichkeit für den nächsten Termin und die nächste Laborkontrolle
Randomisierte Studien zu Transitionsprogrammen speziell für Jugendliche mit Adipositas fehlen. Indirekte Evidenz aus anderen chronischen Erkrankungen deutet darauf hin, dass vor der Übergabe vereinbarte Termine, Erinnerungen, Schulungen zum Selbstmanagement und Kontinuität zwischen Kinder- und Erwachsenenmedizin die Übergaberate und die Transitionsbereitschaft verbessern können, die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist jedoch sehr niedrig [31].
Die Behandlung sollte ohne Unterbrechung fortgesetzt werden. Dies ist besonders wichtig bei einer GLP-1-Therapie, bei der Therapiepausen von einer Gewichtszunahme gefolgt sein können, und nach Adipositaschirurgie, bei der eine ausbleibende Nachsorge zu schweren Nährstoffmängeln führen kann.
Quellen
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