Zusammenfassung
Jede klinisch relevante Gewichtsabnahme verringert sowohl die Fettmasse als auch die fettfreie Masse. Mit GLP-1-basierten Arzneimitteln ist der Verlust in Kilogramm groß, weil die Gewichtsabnahme groß ist. In den Substudien mit Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA) machte die Magermasse (Lean Soft Tissue, also fettfreie Masse abzüglich Knochenmineral) etwa 26 Prozent des Gewichtsverlusts unter Tirzepatid aus (SURMOUNT-1, 160 Teilnehmende, 72 Wochen) und etwa 38-40 Prozent unter Semaglutid 2,4 mg (STEP 1, 140 Teilnehmende, 68 Wochen, wobei die Zusammenstellungen Magermasse oder fettfreie Masse angeben) [2, 3, 14]. Die Placebogruppe in SURMOUNT-1 hatte mit 25 Prozent denselben Anteil wie die Tirzepatid-Gruppe [2]. Der Unterschied zwischen den Arzneimitteln beruht auf Vergleichen zwischen verschiedenen Studien und ist nicht belegt. Metaanalysen ergeben im Mittel 33 Prozent fettfreie Masse am Gewichtsverlust für inkretinbasierte Arzneimittel, 15 Prozent für Diät mit oder ohne Training und 34 Prozent nach bariatrischer Chirurgie [6].
Fettfreie Masse ist nicht gleichbedeutend mit Skelettmuskulatur. Sie umfasst Wasser, Organe, Knochen und den fettfreien Anteil des Fettgewebes. In der Magnetresonanztomografie (MRT) folgte das Muskelvolumen im Wesentlichen der Gewichtsabnahme, doch die Abnahme des Z-Scores des Muskelvolumens war unter Tirzepatid 15 mg größer als erwartet [5, 8, 9]. Die patientenberichtete körperliche Funktion verbessert sich unter der Behandlung. Für zugelassene Arzneimittel fehlen randomisierte Daten zu Kraft, Gehfähigkeit und Stürzen, und in der Phase-2-Studie BELIEVE war die Handgriffkraft einer der Endpunkte [1, 3, 10, 24].
Entscheidungsregeln, die durch Leitlinien und Übersichtsarbeiten gestützt sind:
- Funktion messen, nicht nur das Gewicht. Die Grenzwerte der European Working Group on Sarcopenia in Older People (EWGSOP2) gelten für Sarkopenie bei älteren Menschen und sind bei sarkopener Adipositas oder bei jüngeren Personen nicht validiert: Handgriffkraft unter 27 kg bei Männern und unter 16 kg bei Frauen sowie Aufstehen vom Stuhl über 15 Sekunden für fünf Wiederholungen. Eine Ganggeschwindigkeit von höchstens 0,8 m/s entspricht einer schweren Sarkopenie [1, 13].
- Protein: mindestens 60 g pro Tag, meist 1,2-1,6 g/kg und Tag während der Gewichtsabnahme. Die Ziele gelten nicht ohne Beurteilung der Nierenfunktion. Bei chronischer Nierenerkrankung ohne Dialyse liegt der Richtwert bei etwa 0,8 g/kg, bei Leberzirrhose ist der Bedarf höher [1, 14, 28, 29].
- Krafttraining an mindestens 2-3 Tagen pro Woche, ergänzt durch aerobe Aktivität. Protein allein genügt wahrscheinlich nicht [1, 14, 20].
- Höheres Risiko für sarkopene Adipositas: ältere Menschen, Personen mit schwerer Erkrankung und eine Behandlung, die mindestens 15 Prozent Gewichtsabnahme bewirkt [1, 12, 21].
- Arzneimittel, die Muskulatur erhalten (Bimagrumab und andere), werden geprüft und sind nicht zugelassen [22, 24].
Hintergrund
Warum die Frage aktuell geworden ist
Semaglutid, Tirzepatid und Liraglutid bewirken in randomisierten Studien eine mittlere Gewichtsabnahme von etwa 8 bis gut 20 Prozent, und die Gewichtsabnahme nähert sich derjenigen der bariatrischen Chirurgie an [4, 8, 22]. Eine Energierestriktion führt immer zu einem Verlust sowohl von Fett als auch von fettfreier Masse, doch eine größere Gewichtsabnahme bedeutet einen größeren absoluten Verlust, und das ist wichtig für Personen mit geringen Reserven: ältere Menschen, Personen mit niedrigerem BMI und Personen, die bereits eine niedrige Muskelmasse haben [22, 26]. Der Verlust an Muskel- und Knochenmasse beschleunigt sich nach dem 60. Lebensjahr, und die behandelte Patientengruppe wird älter, da die Arzneimittel unter anderem bei Herzinsuffizienz, Nierenerkrankung und Schlafapnoe zum Einsatz kommen [22].
Die Frage hat deshalb zwei Teile. Der erste betrifft die Größe des Verlusts und seine Zusammensetzung. Der zweite betrifft die Frage, ob der Verlust klinische Bedeutung hat, also ob er zu geringerer Kraft, Beweglichkeit, Sturzrisiko oder Gewichtswiederzunahme führt. Die Evidenz ist für den ersten Teil deutlich stärker als für den zweiten.
Begriffe: fettfreie Masse, Magermasse und Muskulatur
In den Studien werden mehrere Begriffe vermischt, und die nachstehende Abgrenzung folgt Tinsley und Heymsfield [5].
| Begriff | Was gemeint ist | Übliche Messmethode | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Fettmasse | Alle Fettmoleküle (vor allem Triglyceride), unabhängig von ihrer Lokalisation im Körper | DXA, Bioimpedanz (BIA) | Fettgewebe enthält außerdem etwa 15-20% Wasser und Protein |
| Fettfreie Masse (FFM) | Alle Nicht-Fett-Moleküle: Wasser (etwa 74%), Protein (etwa 19%), Mineralien (etwa 6,5%) | DXA, BIA | Beim Referenzmann ist etwa die Hälfte der FFM (28 von 56,5 kg) Skelettmuskulatur |
| Magere Weichgewebemasse (Lean Soft Tissue) | FFM abzüglich Knochenmineral | DXA | Das, was in DXA-Studien meist als Lean Mass bezeichnet wird, unter anderem in SURMOUNT-1 [2] |
| Skelettmuskelmasse | Summe der anatomisch definierten Skelettmuskeln | MRT, Computertomografie (CT; regional), Schätzung aus der Extremitätenmasse | Erfordert Bildgebung oder validierte Gleichungen |
| Muskelqualität | Fetteinlagerung und Funktion pro Volumeneinheit | MRT, Funktionstests | Die Qualität wurde in Übersichtsarbeiten stärker mit den Outcomes verknüpft als die Menge [6] |
Die Begriffe werden nicht einheitlich verwendet: In 16 von 21 Studien einer kürzlich veröffentlichten Metaanalyse wurde der Begriff Lean Mass nicht definiert, und in der Analyse wurden Lean Body Mass, Lean Soft Tissue und FFM als gleichwertig behandelt [6]. Zahlen aus verschiedenen Studien sind daher nicht immer direkt vergleichbar. Look et al. definieren Lean Mass als FFM abzüglich Knochenmineral und werteten die fettfreie Masse nicht aus [2]. Die Zahlen für SURMOUNT-1 beziehen sich also auf die Magermasse, während Busk-Cirera et al. und Mozaffarian et al. die FFM angeben [6, 14].
Die Viertelregel und ihre Grenzen
Die Faustregel, dass etwa ein Viertel des Gewichtsverlusts auf fettfreie Masse entfällt, ist eine Näherung, die in der Praxis eine Spanne von 14-34 Prozent umfasst. Vor der GLP-1-Ära lag der Median bei 14 Prozent unter einer Niedrigenergiediät und bei etwa 23 Prozent unter einer sehr niedrigenergetischen Diät, in zusammengefassten Ernährungs- und Verhaltensstudien bei 27 Prozent bei Männern und 20 Prozent bei Frauen und nach bariatrischer Chirurgie je nach Eingriff bei 18-31 Prozent [5]. Der Anteil wird von Ernährung, Aktivität, Alter, Geschlecht und Ausgangsgewicht bestimmt [5, 6], und die Regel sollte als Richtungsangabe und nicht als Grenzwert gelesen werden.
Ein FFM-Verlust überschätzt den Muskelverlust aus zwei Gründen. Das Fettgewebe enthält eine fettfreie Komponente, die zwangsläufig verloren geht, wenn die Fettmasse abnimmt [5]. Außerdem besteht ein großer Teil des FFM-Verlusts aus Wasser: In einem MRT-basierten Beispiel (Niedrigenergiediät, 9,5 kg Gewichtsverlust) entfielen 60 Prozent des FFM-Verlusts von 1,5 kg auf Skelettmuskulatur, und in der Muskulatur handelte es sich überwiegend um Wasser (0,7 von 0,9 kg) und nur um 0,15 kg Protein [5]. Das bedeutet nicht, dass Muskelverlust unbedeutend wäre. Klinisch sollte ein DXA-Wert als obere Grenze dessen interpretiert werden, was an Muskulatur verloren gegangen ist.
Was kontrollierte Studien zeigen
DXA-Substudien: Semaglutid und Tirzepatid
STEP 1 randomisierte 1961 Erwachsene ohne Diabetes (BMI mindestens 30 oder mindestens 27 mit Begleiterkrankung) auf Semaglutid 2,4 mg oder Placebo über 68 Wochen, mit Beratung zu einem Energiedefizit von 500 kcal pro Tag und 150 Minuten Aktivität pro Woche. Die Körperzusammensetzung wurde mittels DXA in einer Teilgruppe mit BMI höchstens 40 (140 Teilnehmende) als stützender sekundärer Endpunkt ohne Korrektur für multiple Vergleiche gemessen [3]. Die Studie berichtet, dass die gesamte Magermasse in absoluten Zahlen abnahm, ihr Anteil an der Körpermasse jedoch zunahm [3]. Die absoluten Zahlen unterscheiden sich zwischen den Zusammenstellungen: In der einen nahm die Fettmasse um 8,4 kg und die FFM um 5,3 kg ab bei 95 behandelten Personen (placebokorrigiert 7,0 bzw. 3,4 kg gegenüber 45 Placebopatienten), in der anderen um 8,3 und 5,3 kg bei einem Gesamtgewichtsverlust von 13,6 kg [6, 14]. Look et al. geben 10,4 und 6,9 kg an [2]. Die Zahlen unterscheiden sich, doch alle ergeben einen Anteil fettfreier oder magerer Masse von etwa 38-40 Prozent.
SURMOUNT-1 randomisierte 2539 Erwachsene ohne Diabetes auf Tirzepatid 5, 10 oder 15 mg oder Placebo über 72 Wochen [4]. Die DXA-Substudie umfasste 160 Teilnehmende mit vorliegenden Daten (124 Tirzepatid, 36 Placebo; 73 Prozent Frauen, mittleres Alter 46 Jahre, BMI 38,0). Die Beratung hatte dasselbe Energiedefizit und dasselbe Aktivitätsziel wie in STEP 1, aber kein spezifisches Krafttrainingsprogramm [2]. Unterschiede werden mit 95-%-Konfidenzintervall (KI) angegeben.
| Outcome (Woche 72) | Tirzepatid (zusammengefasste Dosen) | Placebo | Unterschied (95% KI) |
|---|---|---|---|
| Körpergewicht | -21,3% | -5,3% | -16,0% (-19,4 bis -12,6) |
| Fettmasse | -33,9% (-15,9 kg) | -8,2% (-3,6 kg) | -25,7% (-31,4 bis -20,0) |
| Magermasse | -10,9% (-5,6 kg) | -2,6% (-1,2 kg) | -8,3% (-10,6 bis -6,1) |
| Viszerales Fett | -40,1% | -7,3% | -32,8% (-42,8 bis -22,8) |
| Anteil des Gewichtsverlusts als Fettmasse | 74% | 75% | |
| Anteil als Magermasse | 26% | 25% |
Quelle: Look et al., Post-hoc-Analyse der DXA-Substudie von SURMOUNT-1 [2].
Die Anteile waren zwischen den Geschlechtern, Altersgruppen und Terzilen der Gewichtsabnahme weitgehend konstant. Ausnahmen waren Placebo bei Personen ab 65 Jahren (63 Prozent Fettmasse) und das niedrigste Terzil der Gewichtsabnahme unter Tirzepatid (70 Prozent), jeweils in kleinen Untergruppen [2]. Einschränkungen: Die Substudie war für die Untergruppen post hoc, ohne Multiplizitätsanpassung, mit drei Teilnehmenden, bei denen die letzte Beobachtung fortgeschrieben wurde, und mit Autoren und Finanzierung seitens des Herstellers [2]. Sie erfasste keine Funktion.
Dass Tirzepatid in dieser Substudie einen geringeren Anteil an Magermasse hatte als Semaglutid in STEP 1, wurde als möglicher Arzneimittelunterschied gedeutet. Ryan gibt etwa 45 Prozent für Semaglutid und 25,7 Prozent für Tirzepatid an und schlägt vor, dass eine gesteigerte Fettoxidation eine Erklärung sein könnte, gestützt auf einen niedrigeren respiratorischen Quotienten unter Tirzepatid [22]. Es gibt keinen direkten Vergleich. Die Populationen (die DXA-Gruppe in STEP 1 hatte einen BMI von höchstens 40), die Behandlungsdauern, die Berechnungsweisen und die Analysen unterscheiden sich, und die Metaanalyse von Karakasis et al. stellte fest, dass Tirzepatid 15 mg und Semaglutid 2,4 mg zwar beide die größte Gewichtsabnahme bewirkten, aber zu den Arzneimitteln gehörten, die die Magermasse am wenigsten erhielten [7]. Die vertretbare Schlussfolgerung lautet, dass beide Präparate um die Viertelregel oder etwas darüber liegen und dass der Unterschied zwischen ihnen die Wahl nicht steuern sollte [2, 7, 22]. Siehe Auswahl des GLP-1-Arzneimittels bei Adipositas.
In derselben Zusammenstellung randomisierter DXA-Daten [6] lässt sich der Anteil aus der Tabelle auch für zwei neuere Substanzen berechnen. Für CagriSema 2,4/2,4 mg betrug die Fettmasse -14,1 kg und die magere Weichgewebemasse -7,0 kg (33 Prozent), und für Retatrutid 8 mg in einer 36 Wochen langen Phase-2-Studie -10,9 bzw. -6,5 kg (37 Prozent). Die Prozentwerte sind eigene Berechnungen aus der Tabelle der Quelle. Weiteres im Artikel über neue Arzneimittel gegen Adipositas.
Metaanalysen
Karakasis et al. (22 randomisierte Studien, 2258 Teilnehmende). GLP-1-Rezeptoragonisten ergaben einen Gewichtsunterschied gegenüber der Kontrolle von -3,55 kg (95-%-KI -4,81 bis -2,29), Fettmasse -2,95 kg und Magermasse -0,86 kg (-1,30 bis -0,42), also etwa 25 Prozent des Gewichtsverlusts. Die relative Magermasse, ausgedrückt als prozentuale Veränderung gegenüber dem Ausgangswert, wurde nicht beeinflusst. Liraglutid war die einzige Substanz, die eine Gewichtsabnahme ohne statistisch gesicherte Abnahme der Magermasse bewirkte [7]. Die Studien umfassten auch Personen mit Diabetes und eine deutlich geringere Gewichtsabnahme als STEP 1 und SURMOUNT-1.
Busk-Cirera et al. (21 randomisierte Studien, 1334 Teilnehmende, mindestens 10 Prozent Gewichtsabnahme). Die Analyse verglich drei Wege zur selben Gewichtsabnahme [6].
| Intervention | Anzahl Studien | Gepoolte FFM-Veränderung (95% KI) | FFM als Anteil des Gewichtsverlusts |
|---|---|---|---|
| Diät mit oder ohne Training | 12 | -1,8 kg (-2,6 bis -1,0) | 14,9% (Diät ohne Training 22,3%, Diät mit Training 7,7%) |
| Inkretinbasierte Arzneimittel gegenüber Placebo | 5 | -4,8 kg (-5,6 bis -3,9) | 33,3% |
| Bariatrische Chirurgie | 4 | -9,1 kg (-12,3 bis -6,0) | 34,2% |
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}Abbildung: Fettfreie Masse als Anteil des Gewichtsverlusts je Interventionstyp bei mindestens 10 Prozent Gewichtsabnahme [6]. Die Abbildung ist eine deskriptive Synthese, kein direkter statistischer Vergleich.
Die Autoren betonen mehrere Einschränkungen. Ein direkter statistischer Vergleich zwischen den Interventionen wurde nicht durchgeführt, da die Streuungsmaße nicht vergleichbar waren. Die Heterogenität war groß (I² 95,7 Prozent für Diät und Training, 98,1 Prozent für Chirurgie, 44,8 Prozent für Arzneimittel). Die Patientinnen und Patienten der Chirurgie hatten ein höheres Ausgangsgewicht und damit mehr FFM, die verloren gehen konnte. Die Arzneimitteldaten stammten aus Substudien mit kleinen Gruppen, und elf der Studien waren Per-Protocol-Analysen. Die Schlussfolgerung der Autoren lautet, dass Training unabhängig von der Methode der Gewichtsabnahme dazugehören sollte und dass der Anteil des FFM-Verlusts unter inkretinbasierten Arzneimitteln demjenigen nach Chirurgie ähnelt [6]. Siehe bariatrische Chirurgie und Nachsorge nach bariatrischer Chirurgie für entsprechende Überlegungen nach einer Operation.
Beaudart et al. (60 Studien, davon 46 randomisiert). Im globalen Modell nahm die Lean Body Mass/FFM unter GLP-1-Rezeptoragonisten durchgehend ab (28 Studien, standardisierte Mittelwertdifferenz -0,52; 95-%-KI -0,80 bis -0,23; I² 88 Prozent), vor allem getrieben von Liraglutid und Semaglutid gegenüber Placebo. Die Sicherheit der Evidenz wurde als niedrig eingestuft, die Veränderungen schienen in hohem Maß von der Gewichtsabnahme abzuhängen, und Knochenmineraldichte und Frakturen wurden im am stärksten adjustierten Modell nicht beeinflusst. Die Autoren stellen fest, dass unklar ist, ob die Veränderungen zu einer verschlechterten Muskelfunktion oder körperlichen Leistungsfähigkeit führen [10].
MRT und Muskelqualität
Die MRT-Substudie von SURPASS-3 betrifft Personen mit Typ-2-Diabetes (246 mit gültiger MRT in Woche 52). Tirzepatid verringerte das Muskelvolumen des Oberschenkels um 0,64 L (95-%-KI -0,74 bis -0,54) und die Fetteinlagerung in die Muskulatur um 0,36 Prozentpunkte, während Insulin degludec Gewicht und Muskelvolumen erhöhte. Der Muskelvolumenverlust lag nahe an dem, was aufgrund der Gewichtsveränderung nach UK-Biobank-Daten zu erwarten war (Unterschied -0,04 L; KI -0,11 bis 0,03), während die Abnahme der Muskelfetteinlagerung größer war als erwartet (-0,42 Prozentpunkte). Unter Tirzepatid 15 mg war dagegen die Abnahme des Z-Scores des Muskelvolumens (invariant gegenüber Geschlecht, Größe, Gewicht und BMI) größer als erwartet (Unterschied -0,18; 95-%-KI -0,29 bis -0,07), während die Autoren die Veränderung insgesamt als weitgehend im Einklang mit dem Zusammenhang zwischen Muskelvolumen und Körpergewicht zusammenfassen. Die Studie war offen, post hoc und vom Hersteller finanziert [9]. Neeland et al. folgern, dass die Muskelveränderung, die unter GLP-1-Therapie in der MRT zu sehen ist, anpassungsfähig zu sein scheint, mit verbesserter Insulinsensitivität und Muskelqualität, die das Risiko eines Kraftverlusts verringern können, dass bei älteren und kranken Personen jedoch eine Auswahl erforderlich ist [8]. Das ist eine Interpretation begrenzten Materials und kein randomisiertes Funktionsergebnis.
Funktion und patientenberichtete Outcomes
- STEP 1: Die körperliche Funktion nach SF-36 (Short Form 36, Fragebogen zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität) stieg unter Semaglutid um 2,21 Punkte gegenüber 0,41 unter Placebo (Unterschied 1,80; 95-%-KI 1,18-2,42) [3].
- SURMOUNT-1: Die körperliche Funktion nach SF-36 verbesserte sich unter Tirzepatid im Vergleich zu Placebo, laut Verweis in der DXA-Substudie [2].
- SEMALEAN (Beobachtungsstudie, 106 Patientinnen und Patienten, die abschlossen, BMI 46,3, Semaglutid 2,4 mg, keine Kontrollgruppe): Die Fettmasse nahm nach 7 Monaten um 14 Prozent und nach 12 Monaten um 18 Prozent ab, die Magermasse nahm nach 7 Monaten um etwa 3 kg ab und stabilisierte sich danach, die Handgriffkraft stieg nach 12 Monaten um 4,5 kg, und der Anteil mit sarkopener Adipositas sank von 49 auf 33 Prozent [11].
- BELIEVE (Phase 2, siehe unten): Die Handgriffkraft stieg in der Placebogruppe um 1,7 kg und in der Gruppe Bimagrumab 30 mg/kg plus Semaglutid 1,0 mg um 4,8 kg (Unterschied gegenüber Placebo p unter 0,05); die übrigen Gruppen ähnelten Placebo [24].
SF-36 ist eine Selbsteinschätzung und misst keine Kraft. Handgriffkraft ohne Kontrollgruppe ist schwer zu interpretieren, unter anderem wegen Lerneffekten (Expertenmeinung). Die American Diabetes Association (ADA) stellt fest, dass Fragebögen durchgehend eine verbesserte körperliche Funktion und Lebensqualität trotz Verlust an Magermasse zeigen [1]. Für zugelassene Arzneimittel fehlen in den herangezogenen Übersichtsarbeiten randomisierte Studien mit Kraft, Ganggeschwindigkeit, Stürzen oder Frakturen als primärem Endpunkt [6, 10]. BELIEVE (Phase 2) berichtete die Handgriffkraft als Endpunkt [24].
Gesamtbild der Evidenz
| Aussage | Evidenzlage | Kommentar |
|---|---|---|
| Die FFM nimmt unter GLP-1-basierten Arzneimitteln ab | Gut (randomisierte DXA-Daten, Metaanalysen) | Absoluter Verlust 4-6 kg in den großen Studien [2, 6] |
| Der FFM-Anteil am Gewichtsverlust beträgt etwa 25-40% | Gut für die Größenordnung | Unterscheidet sich zwischen Studien, Berechnungsweisen und Arzneimitteln [2, 7, 8, 14] |
| Unterschied zwischen Semaglutid und Tirzepatid | Schwach | Vergleiche zwischen verschiedenen Studien, keine direkte Prüfung [7, 22] |
| FFM-Verlust entspricht Muskelverlust | Fehlerhafte Vereinfachung | Etwa die Hälfte der FFM ist Muskulatur; ein großer Teil ist Wasser und Organe [5] |
| Das Muskelvolumen nimmt proportional zum Gewicht ab | Mäßig (eine MRT-Studie bei Typ-2-Diabetes) | Zusätzlich verringerte Muskelfetteinlagerung; Z-Score größer als erwartet unter Tirzepatid 15 mg [8, 9] |
| Funktionsverlust als Folge des FFM-Verlusts | Unbekannt | Keine randomisierten Kraft- oder Sturz-Outcomes [10] |
| Krafttraining und Protein erhalten die FFM bei Gewichtsabnahme | Gute Extrapolation aus Diät, Liraglutid und Chirurgie | Keine randomisierten Studien mit Semaglutid oder Tirzepatid und Muskel-Outcomes [5, 6] |
Sarkopene Adipositas
Definition und Diagnostik
Sarkopene Adipositas ist das gemeinsame Auftreten von Adipositas und Sarkopenie. ESPEN (European Society for Clinical Nutrition and Metabolism) und EASO (European Association for the Study of Obesity) haben eine Konsensusdefinition in drei Schritten erarbeitet: Screening, Diagnose und Graduierung [12].
- Screening. Erhöhter BMI oder Taillenumfang (ethnizitätsspezifische Grenzwerte) zusammen mit klinischen Zeichen oder Risikofaktoren für Sarkopenie oder ein positiver SARC-F (Fragebogen zu Kraft, Gehen, Aufstehen vom Stuhl, Treppensteigen und Stürzen) bei älteren Menschen. SARC-F wird bei älteren Menschen verwendet, und der Konsensus hebt besonders das Screening von Personen über 70 Jahre mit Übergewicht oder Adipositas hervor [12].
- Diagnose, Schritt 1: Muskelfunktion. Handgriffkraft, Stuhlaufstehtest und Kniestreckkraft. Bei eingeschränkter Funktion wird weiter untersucht [12].
- Diagnose, Schritt 2: Körperzusammensetzung. DXA ist die erste Wahl, BIA und CT sind Alternativen. Die Muskelmasse wird in Relation zum Körpergewicht ausgedrückt (ALM/Gewicht, appendikuläre Magermasse, oder SMM/Gewicht, Skelettmuskelmasse) statt zur Körpergröße im Quadrat, um dem Unterschied zwischen Normalgewichtigen und Personen mit Adipositas Rechnung zu tragen, und ein erhöhter Fettanteil ist erforderlich [12].
- Graduierung. Stadium I: keine Komplikationen der veränderten Körperzusammensetzung oder Muskelfunktion. Stadium II: mindestens eine Komplikation, zum Beispiel metabolische Erkrankung, Funktionseinschränkung, kardiovaskuläre oder pulmonale Erkrankung [12].
Die genauen Grenzwerte sind im Konsensusdokument nach Geschlecht, Alter und Ethnizität angegeben und werden hier nicht wiedergegeben. EWGSOP2 gilt für Sarkopenie bei älteren Menschen und ist bei Adipositas nicht validiert. Die Grenzwerte für eine wahrscheinliche Sarkopenie sind eine Handgriffkraft unter 27 kg (Männer) und unter 16 kg (Frauen) sowie ein Aufstehen vom Stuhl über 15 Sekunden für fünf Wiederholungen, und für eine schwere Sarkopenie eine Ganggeschwindigkeit von höchstens 0,8 m/s und eine SPPB (Short Physical Performance Battery) von höchstens 8 Punkten. Sarkopene Adipositas liegt außerhalb des Rahmens von EWGSOP2 [13].
Wer ist am vulnerabelsten?
Die ADA nennt ältere Menschen mit Adipositas und Personen mit schwerer adipositasbedingter Erkrankung als vulnerabel für sarkopene Adipositas, und die Sorge gilt insbesondere einer Behandlung, die mindestens 15 Prozent Gewichtsabnahme bewirkt [1]. Mozaffarian et al. ergänzen niedrige Proteinaufnahme aufgrund verminderten Appetits, Perimenopause oder Menopause, niedrigen Testosteronspiegel, sitzende Lebensweise und fehlendes Krafttraining [14].
| Faktor | Warum | Maßnahme |
|---|---|---|
| Alter über 65-70 Jahre | Verlorene Muskelmasse und verminderte anabole Reaktion auf Protein; geringere Reserve [15, 22] | Screening mit SARC-F und Funktionstest; höhere Proteinaufnahme; Krafttraining |
| Eingeschränkte Funktion oder Gebrechlichkeit vor Beginn | Geringere Reserve | Handgriffkraft und Aufstehen vom Stuhl vor Beginn messen; langsame Titration erwägen. Siehe Gebrechlichkeit, Sturzrisiko und Polypharmazie bei älteren Menschen und die Skala CSHA Clinical Frailty Scale |
| Schnelle oder starke Gewichtsabnahme (mindestens 15%) | Größerer absoluter Verlust, mehr Knochenverlust | Engere Nachsorge, aktives Training [1, 14] |
| Niedrige Proteinaufnahme | Appetitminderung und Geschmacksveränderung | Ernährungsberatung, proteinreiche Nahrung zuerst in der Mahlzeit [14] |
| Chronische Nierenerkrankung, Herzinsuffizienz | Das Proteinziel muss angepasst werden | Siehe chronische Nierenerkrankung und Mangelernährung bei Erwachsenen |
| Bekannte Osteoporose oder frühere Fraktur | Gewichtsabnahme verringert die Knochenmasse | Siehe Osteoporose und Prävention von Fragilitätsfrakturen |
| Postmenopause | Größerer Knochenverlust bei Gewichtsabnahme [14] | Krafttraining, Beurteilung der Knochengesundheit |
| Mangelernährung oder Risiko für Mangelernährung | Geringe Reserve für weiteren Verlust | Ernährungsbeurteilung vor Beginn (Expertenmeinung) |
Ältere Menschen
Die Teilnehmenden in STEP 1 und in der DXA-Substudie von SURMOUNT-1 waren im Mittel etwa 46 Jahre alt [2, 3]. Henney et al. stellen fest, dass Lebensstilmaßnahmen mit Betonung auf Krafttraining bei älteren Menschen mit Adipositas die Grundlage sind, dass Arzneimittel eine Ergänzung sein können, dass die klinische Studienevidenz für ältere Menschen begrenzt ist und dass künftige Studien Körperzusammensetzung und Funktion bewerten sollten [21]. In SURMOUNT-1 betrug der Anteil der Fettmasse am Gewichtsverlust bei den 65-Jährigen und Älteren 76 Prozent unter Tirzepatid (also kein größerer proportionaler Muskelverlust), doch die Gruppe war klein [2].
Zwei Beobachtungen sprechen für Zurückhaltung. In Look AHEAD, einer Studie mit intensiver Lebensstilintervention bei Typ-2-Diabetes, führte die Gewichtsabnahme zu einem Verlust an Magermasse, der bei der Gewichtswiederzunahme nicht wiedererlangt wurde, und das Risiko einer Fragilitätsfraktur war um 39 Prozent höher (Hazard Ratio, HR, 1,39; 95-%-KI 1,02-1,89) [22]. In SELECT wurden numerisch mehr Hüftfrakturen unter Semaglutid bei Frauen (0,3 Prozent gegenüber 0 Prozent) und bei Personen über 75 Jahren (1,3 Prozent gegenüber 0,15 Prozent) beobachtet. Insgesamt gab es kein Ungleichgewicht bei Frakturen, und Ryan beschreibt die Befunde als nicht schlüssig [22]. Beide betreffen kleine Zahlen und können nicht als kausaler Zusammenhang gelesen werden. Sie knüpfen dennoch an die Wissenslücke zu Knochen und Muskulatur bei älteren Menschen an. Siehe auch Diabetes bei älteren und gebrechlichen Menschen und Kontraindikationen, Vorsichtsmaßnahmen und übrige Nebenwirkungen von GLP-1-Arzneimitteln.
Messung und Verlaufskontrolle
Was gemessen werden kann
Keine einzelne Methode misst die Muskelgesundheit. Mozaffarian et al. weisen darauf hin, dass DXA, BIA und ähnliche Methoden Masse messen, aber nicht Muskelqualität oder Funktion [14]. EWGSOP2 legt den Schwerpunkt auf Kraft: Geringe Muskelkraft identifiziert eine wahrscheinliche Sarkopenie, geringe Muskelmasse oder -qualität bestätigt sie, und geringe körperliche Leistungsfähigkeit zeigt eine schwere Sarkopenie an [13].
| Methode | Was sie misst | Vorteile | Einschränkungen | Grenzwert oder Kommentar |
|---|---|---|---|---|
| SARC-F (5 Fragen) | Selbsteingeschätztes Risiko | Günstig, schnell | Niedrige bis mäßige Sensitivität, hohe Spezifität | Erkennt vor allem schwere Fälle [13] |
| Handgriffkraft (Dynamometer) | Muskelkraft | Einfach, prognostisch | Erfordert kalibrierte Ausrüstung; laut Mozaffarian et al. weniger veränderungssensitiv | Unter 27 kg Männer, unter 16 kg Frauen [13, 14] |
| Aufstehen vom Stuhl, 5 Wiederholungen | Beinkraft | Erfordert keine Ausrüstung | Misst auch Ausdauer | Über 15 s ist eingeschränkt [13] |
| Ganggeschwindigkeit, 4 m | Körperliche Leistungsfähigkeit | Schnell, prognostisch | Beeinflusst von Gelenkbeschwerden und Gleichgewicht | Höchstens 0,8 m/s: schwere Sarkopenie [13] |
| SPPB, TUG (Timed Up and Go) | Zusammengesetzte Leistung | Prognostisch | SPPB dauert mindestens 10 min | SPPB höchstens 8 Punkte, TUG mindestens 20 s [13] |
| Wadenumfang | Surrogat für Muskelmasse bei älteren Menschen | Keine Apparatur | Grob | Unter 31 cm, wenn nichts anderes verfügbar ist [13] |
| BIA | Geschätzte Muskelmasse | Günstig, tragbar, wiederholbar | Beeinflusst vom Flüssigkeitsstatus; die Gleichungen sind populationsspezifisch | Praktisch für wiederholte Messungen [13, 14] |
| DXA mit Körperzusammensetzung | FFM, Fettmasse, Knochenmineral, regionale Magermasse | Etablierte Referenz | Verschiedene Hersteller liefern unterschiedliche Werte; beeinflusst vom Flüssigkeitsstatus; erfordert Software, die nicht immer verwendet wird; kann Muskel nicht von Organen unterscheiden | Mozaffarian: kann alle 1-2 Jahre erwogen werden, was zu später Entdeckung führt [13, 14] |
| MRT, CT | Muskelvolumen und Fetteinlagerung | Am genauesten | Teuer, begrenzte Verfügbarkeit | Forschung und besondere Fragestellungen [5, 13] |
Mit derselben Methode, derselben Ausrüstung und ähnlichen Voraussetzungen (Tageszeit, Flüssigkeitsstatus) messen. Die DXA-Substudie in SURMOUNT-1 verlangte genau dies [2]. Die übrige Erfassung von Körpermaßen wird in Abklärung bei Adipositas: Anamnese, Status und Körpermaße beschrieben. Werkzeuge: BMI und Körperoberfläche und Taille-Hüft-Quotient.
Vorschlag zur Verlaufskontrolle
Die ADA empfiehlt, eine regelmäßige Beurteilung von Muskelkraft und Funktion mit einem oder mehreren klinisch praktikablen Tests (Aufstehen vom Stuhl, Handgriffkraft, Kniestreckkraft, Gehtest) sowie SARC-F zu erwägen [1]. Mozaffarian et al. schlagen eine umfassende Untersuchung vor Beginn mit Muskelkraft, Funktion und Körperzusammensetzung vor [14]. Im Übrigen sind die nachstehenden Intervalle Expertenmeinung, da Studien dazu fehlen, welches Schema die Outcomes verbessert.
| Zeitpunkt | Maßnahme |
|---|---|
| Vor Beginn | Gewicht, Taille, SARC-F, Handgriffkraft und Aufstehen vom Stuhl; Proteinaufnahme und Trainingsgewohnheiten; Alter, Gebrechlichkeit, Nierenfunktion; gegebenenfalls BIA |
| Während der Dosissteigerung | Nahrungsaufnahme, Übelkeit, Erbrechen kontrollieren; Protein und Flüssigkeit; langsamere Titration oder Dosisreduktion erwägen, wenn die Aufnahme unzureichend ist [1] |
| 3-6 Monate | Gewicht, Taille, subjektive Funktion; Handgriffkraft und Aufstehen vom Stuhl bei Risiko; Training und Protein |
| 6-12 Monate | Funktionstest wiederholen; BIA oder DXA bei Anlass; Erhaltungsdosis erwägen |
| Jährlich | Funktion, Knochengesundheit bei Risikogruppen, Körperzusammensetzung bei ausgewählten Personen |
Siehe auch Verlaufskontrolle der GLP-1-Therapie bei Adipositas und unzureichende Wirkung.
Protein
Empfehlungen aus verschiedenen Quellen
Es gibt keine einheitliche Proteinempfehlung für Personen, die mit GLP-1-basierten Arzneimitteln behandelt werden. Die Werte in der Tabelle stammen aus Leitlinien, Konsensus und Übersichtsarbeiten und unterscheiden sich.
| Quelle | Population | Empfehlung |
|---|---|---|
| Referenzaufnahme (USA) | Gesunde Erwachsene | 0,8 g/kg und Tag, gilt nicht bei aktiver Gewichtsabnahme [5, 14] |
| ADA 2026 [1] | Erwachsene, die mit Adipositas-Arzneimitteln behandelt werden | Mindestens 60 g pro Tag, oft 1,2-1,6 g/kg und Tag während der Gewichtsabnahme; Anpassung bei chronischer Nierenerkrankung und Herzinsuffizienz |
| Metaanalyse von 47 randomisierten Studien, von der ADA referiert [1] | Erwachsene mit Adipositas während der Gewichtsabnahme | Über 1,3 g/kg und Tag ist günstig für den Erhalt der Muskelmasse |
| Tinsley und Heymsfield [5] | Gewichtsabnahme | Mindestens 1,2 g/kg oder mindestens 20% der Energie; 20-40 g pro Mahlzeit, mindestens dreimal pro Tag; bei Schwierigkeiten kann das Zielgewicht als Berechnungsgrundlage verwendet werden |
| Mozaffarian et al. [14] | GLP-1-Therapie | 1,2-1,6 g/kg; alternativ 1,5 g pro kg fettfreie Masse oder ein absolutes Ziel von 80-120 g pro Tag; nicht unter 0,4-0,5 g/kg; eine langfristige Aufnahme von mindestens 2 g/kg sollte vermieden werden |
| PROT-AGE [15] | Personen über 65 Jahre | Mindestens 1,0-1,2 g/kg; mindestens 1,2 g/kg bei Training; 1,2-1,5 g/kg bei akuter oder chronischer Erkrankung; Ausnahme bei eGFR unter 30 mL/min/1,73 m² ohne Dialyse |
| Region Örebro [27] | Erwachsene, die Adipositas-Arzneimittel erhalten | Über 0,8 g/kg zusammen mit regelmäßigem Krafttraining kann möglicherweise den Muskelverlust verringern |
| KDIGO 2024, wiedergegeben von Kovesdy et al. [28] | Chronische Nierenerkrankung G3-G5 ohne Dialyse | Etwa 0,8 g/kg und Tag; über 1,3 g/kg vermeiden. Die obigen Ziele von 1,2-1,6 g/kg gelten nicht ohne Beurteilung der Nierenfunktion |
| EASL 2019 [29] | Leberzirrhose | 1,2-1,5 g/kg und Tag zur Vorbeugung und Behebung von Muskelverlust |
Die Unterschiede sind real: Der schwedische regionale Text ist zurückhaltender als die amerikanischen Dokumente. Es gibt keine randomisierten Studien, in denen die Proteinaufnahme an sich unter Behandlung mit Semaglutid oder Tirzepatid geprüft wurde. Die Empfehlungen beruhen daher auf Studien zu Energierestriktion, Chirurgie und Liraglutid [5, 6]. Die ADA weist zudem darauf hin, dass die Wirkung zusätzlichen Proteins auf die Kraft in mehreren Studien nur zusammen mit Krafttraining beobachtet wurde [1].
Die Proteinziele von 1,2-1,6 g/kg gelten nicht ohne eine Beurteilung der Nierenfunktion. Bei Patientinnen und Patienten mit eGFR unter 30 mL/min/1,73 m² sollte eine Erhöhung der Proteinaufnahme gemeinsam mit der Nephrologie oder Ernährungsberatung entschieden werden, und bei Dialyse gelten andere Werte, die individuell festgelegt werden (Expertenmeinung). Bei hoher Proteinaufnahme ist die Flüssigkeitszufuhr sicherzustellen, besonders bei Erbrechen oder Durchfall, da ein Flüssigkeitsmangel die Nierenfunktion beeinträchtigen kann (Expertenmeinung).
Berechnung bei Adipositas
Das tatsächliche Körpergewicht überschätzt den Proteinbedarf [14]. Tinsley und Heymsfield schlagen vor, dass das Zielgewicht verwendet werden kann, wenn eine Aufnahme auf Grundlage des aktuellen Gewichts nicht umsetzbar ist [5]. Rechenbeispiel (eigene Veranschaulichung): Eine Person mit 105 kg und 1,70 m hat einen BMI von 36 und ein Gewicht bei BMI 25 von etwa 72 kg. Mit 1,2-1,6 g/kg Zielgewicht ergibt sich eine Aufnahme von 86-115 g pro Tag. Mit 1,2 g/kg tatsächlichem Gewicht sind es 126 g, was bei vermindertem Appetit kaum umsetzbar ist. Das absolute Ziel von 80-120 g pro Tag nach Mozaffarian et al. liegt nahe an demselben Intervall und ist im Gespräch leichter zu verwenden [14].
Praktische Ratschläge bei vermindertem Appetit
- Die Mahlzeit mit der Proteinquelle beginnen, da sie sonst wegen früher Sättigung auf dem Teller zurückbleibt [14].
- Proteinreiche Lebensmittel wählen, die wenig Platz einnehmen: Fisch, Eier, griechischer Joghurt, Hüttenkäse, Nüsse, Nussmus und Hülsenfrüchte [14]. Ungefähre Mengen (Expertenmeinung): ein Ei liefert 6-7 g Protein, 150 g Hüttenkäse etwa 18 g und 150 g Fisch oder Hähnchen etwa 30-35 g.
- Proteinshakes oder angereicherte Produkte können Personen helfen, die das Ziel mit normaler Nahrung nicht erreichen [14]. Die Auswahl den Ernährungsgewohnheiten der Patientin oder des Patienten anpassen, zum Beispiel Linsen, Kichererbsen, Tofu und Milchprodukte bei vegetarischer Kost (Expertenmeinung).
- Die Aufnahme auf mindestens drei Gelegenheiten mit 20-40 g pro Gelegenheit verteilen [5].
- Protein allein genügt wahrscheinlich nicht ohne strukturiertes Krafttraining [1, 14].
- Bei chronischer Nierenerkrankung G3-G5 ohne Dialyse liegt der Richtwert bei etwa 0,8 g/kg [28], bei Leberzirrhose bei 1,2-1,5 g/kg [29]. Bei Herzinsuffizienz und Dialyse wird das Ziel individuell gemeinsam mit der Nephrologie oder Ernährungsberatung angepasst. Die Nierenfunktion mit der eGFR nach CKD-EPI 2021 beurteilen und zur chronischen Nierenerkrankung nachlesen.
Die gesamten Ernährungsratschläge von Ärztin oder Arzt und Ernährungsberatung während der Behandlung sind in Ernährungsempfehlungen unter GLP-1-Therapie beschrieben. Allgemeine Prinzipien energiereduzierter Kost finden sich unter Lebensstilbehandlung bei Adipositas.
Krafttraining und andere körperliche Aktivität
Was belegt ist
- Diät und Training. In einer systematischen Übersichtsarbeit lag der Anteil der Studien zur Energierestriktion, in denen mindestens 15 Prozent des Gewichtsverlusts auf FFM entfielen, bei 81 Prozent ohne Training und bei 39 Prozent mit Training. MRT-Studien zeigen, dass sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining das Muskelvolumen während der Energierestriktion schützen, und Programme mit Krafttraining scheinen besonders wirksam zu sein [5].
- Liraglutid und Training. In einer randomisierten Studie erhielten 195 Erwachsene zunächst eine 8 Wochen lange Niedrigenergiediät (13,1 kg Gewichtsverlust) und wurden danach für ein Jahr auf Training, Liraglutid 3,0 mg, beides oder Placebo randomisiert. Die Kombination senkte den Körperfettanteil um 3,9 Prozentpunkte, etwa doppelt so stark wie Training oder Liraglutid allein, und nur die Kombination verbesserte HbA1c, Insulinsensitivität und Kondition [17]. Die fettfreie Masse blieb in der Liraglutid- und der Kombinationsgruppe unverändert, nahm aber in der Trainingsgruppe um 2,1 kg zu [5]. Das Trainingsprogramm bestand aus zwei Gruppen- und zwei Einzeleinheiten pro Woche, vor allem Radfahren, Laufen, Gehen und Zirkeltraining, und war also kein reines Krafttraining [5].
- Nach Beendigung der Behandlung. Im Jahr nach Behandlungsende nahm die Liraglutid-Gruppe 6,0 kg mehr an Gewicht zu als die frühere Trainingsgruppe [18]. Von der Randomisierung bis ein Jahr nach Behandlungsende hatte die Kombinationsgruppe eine um 5,1 kg größere Gewichtsabnahme (95-%-KI 0,2-10,0) und eine um 2,3 Prozentpunkte größere Abnahme des Körperfettanteils als die Liraglutid-Gruppe [18].
- Krafttraining als einziger Faktor. Angeleitetes Krafttraining über mehr als 10 Wochen kann laut einer Übersichtsarbeit eine Zunahme der Magermasse um etwa 3 kg und der Kraft um etwa 25 Prozent bewirken [16]. Bei Kaloriendefizit ist die Wirkung auf das Wachstum gedämpft, doch der Schutzeffekt bleibt bestehen [5].
- Metaanalyse der ADA. In einer Metaanalyse von 114 randomisierten Studien blieb die Magermasse in Interventionen mit Krafttraining und Energierestriktion erhalten [1].
Die Evidenz für Semaglutid und Tirzepatid in Kombination mit Krafttraining ist extrapoliert. Tinsley und Heymsfield stellten 2024 fest, dass Studien zu Krafttraining parallel zur GLP-1-Therapie fehlten, und eine Metaanalyse mit Suche bis Oktober 2025 mahnt weiterhin randomisierte Vergleiche an [5, 6]. Es ist daher unbekannt, wie groß der Effekt ist, welches Programm am besten ist und ob Training bei einer so großen Gewichtsabnahme wie 20 Prozent Muskulatur erhält.
Vorschlag für ein Trainingsprogramm
Die Empfehlungen stammen aus allgemeinen Leitlinien für Erwachsene. Das Positionspapier des ACSM von 2026 beruht auf Studien an gesunden Erwachsenen und schloss Personen mit Adipositas, Sarkopenie und Gebrechlichkeit aus [19]. Für Patientinnen und Patienten unter GLP-1-Therapie sind sie somit ein vernünftiger Ausgangspunkt, kein bewiesenes Programm.
| Komponente | Vorschlag | Quelle |
|---|---|---|
| Häufigkeit, Krafttraining | Mindestens 2 Tage pro Woche (WHO, ACSM 2026); 2-3 Tage (ACSM 2009, wiedergegeben in [5]); mindestens 3-mal pro Woche unter GLP-1-Therapie (Mozaffarian) | [5, 14, 19, 20] |
| Muskelgruppen | Alle großen: Beine, Rücken, Brust, Schultern, Arme, Rumpf | [5, 20] |
| Übungen | Mehrgelenkübungen vor Eingelenkübungen; große vor kleinen Muskelgruppen; Maschinen oder freie Gewichte, kein systematischer Unterschied in der Kraftzunahme | [5, 19] |
| Belastung und Wiederholungen | Das schwerste Gewicht, das sicher für 8-12 Wiederholungen bewältigt wird; schwerere Belastung (mindestens 80% des Einwiederholungsmaximums, 1RM) steigerte die Kraft, während das ACSM 2026 Volumen und exzentrische Überlastung, nicht die Belastung, für den Muskelaufbau hervorhebt | [5, 19] |
| Sätze | 1-3 Sätze pro Übung; mindestens 10 Sätze pro Muskelgruppe und Woche für mehr Muskelaufbau | [5, 19] |
| Pause | 1-2 Minuten zwischen den Sätzen | [5] |
| Progression | Die Belastung erhöhen, wenn der Zielbereich zu leicht wird; Dauer und Intensität langsam steigern, um Verletzungen und Schmerzen zu vermeiden | [5, 27] |
| Aerobe Aktivität | 150-300 min mäßige Intensität pro Woche (WHO); Region Örebro gibt bei Adipositas mindestens 300 min mäßige oder mindestens 150 min hohe Intensität an | [20, 27] |
| Ältere Menschen | Abwechslungsreiches Multikomponententraining (Gleichgewicht, Kraft, Ausdauer) mit mäßiger oder hoher Intensität an mindestens 3 Tagen pro Woche | [20] |
| Anleitung | Physiotherapeutin oder Physiotherapeut bzw. Trainer bei geringer Funktion, Schmerzen oder Unsicherheit; in den Studien, die eine Wirkung gezeigt haben, war das Training angeleitet | [16] |
Region Örebro stellt fest, dass muskelstärkende Aktivität in erster Linie die fettfreie Masse beeinflusst und damit dem Muskelverlust bei Gewichtsabnahme entgegenwirkt und dass körperliche Aktivität als alleinige Maßnahme nur eine sehr geringe Gewichtsabnahme bewirkt [27]. Bei Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder schlechtem Flüssigkeitshaushalt während der Aufdosierung sollte die Trainingsintensität gesenkt werden (Expertenmeinung). Mehr zu Motivation, Aktivitätszielen und Hindernissen findet sich in Lebensstilbehandlung bei Adipositas und körperliche Inaktivität und sitzende Lebensweise als Risikofaktor. Die Physiologie der Trainingsanpassung ist in Muskelermüdung und Trainingsanpassung beschrieben.
Sicherheit beim Beginn des Krafttrainings
Die nachstehenden Punkte sind Expertenmeinung ohne randomisierte Grundlage. Ausgangspunkt sind das Gesundheitsscreening vor dem Training nach ACSM und die Empfehlungen der FYSS (Fysisk aktivitet i sjukdomsprevention och sjukdomsbehandling).
- Herz-Kreislauf-Erkrankung und Blutdruck. Bekannte oder vermutete Herz-Kreislauf-Erkrankung und unkontrollierte Hypertonie sollten vor schwerem Krafttraining beurteilt werden. Schwere Hebungen mit Pressatmung vermeiden.
- Augen. Bei proliferativer diabetischer Retinopathie sollte die Augenärztin oder der Augenarzt vor schwerer Belastung die Freigabe erteilen. Siehe diabetische Retinopathie.
- Skelett. Bei Osteoporose mit Wirbelkompressionen werden starke Vorwärtsbeugung und Rotation der Wirbelsäule unter Belastung vermieden.
- Hypoglykämie. Gesteigerte Aktivität, verminderte Nahrungsaufnahme und Gewichtsabnahme zusammen mit Insulin oder Sulfonylharnstoff bergen das Risiko einer Hypoglykämie. Die Dosis von Insulin und Sulfonylharnstoff muss oft schon bei Beginn der Kombination überprüft werden.
- Flüssigkeitshaushalt und Blutdruck. Erbrechen, Durchfall und schlechter Flüssigkeitshaushalt bergen das Risiko einer orthostatischen Hypotonie, besonders unter blutdrucksenkenden Arzneimitteln. Das Training wird dann pausiert oder erleichtert, und die blutdrucksenkende Behandlung muss gegebenenfalls überprüft werden.
Das Skelett
Muskel und Knochen gehen oft gleichzeitig verloren. Mozaffarian et al. geben an, dass eine Gewichtsabnahme von mindestens 14 Prozent innerhalb von 3-4 Monaten mit einem erheblichen Knochenverlust verbunden ist, mit dem größten Risiko bei älteren Menschen und Frauen, und dass der Verlust durch fehlende strukturierte Ernährung und fehlendes Training sowie durch wiederholte Perioden von Gewichtsabnahme und Gewichtszunahme verschärft werden kann [14]. In BELIEVE nahm die Knochenmineraldichte der gesamten Hüfte unter Semaglutid 2,4 mg (-2,1 Prozent) stärker ab als unter Placebo (-0,8 Prozent) in Woche 48, während die Veränderungen am Gesamtkörper und an der Lendenwirbelsäule in allen Gruppen höchstens 1,1 Prozent betrugen und der Schenkelhals sich nicht von Placebo unterschied [24]. Die Metaanalyse von Beaudart et al. fand keinen Effekt auf Knochenmineraldichte oder Frakturen [10]. Busk-Cirera et al. referieren, dass Liraglutid in einer einjährigen Studie die Knochenmineraldichte an Hüfte und Lendenwirbelsäule verringerte und dass dies nicht beobachtet wurde, wenn Liraglutid mit Training kombiniert wurde [6]. Die ADA gibt an, dass ältere Menschen mit Adipositas bei starker Gewichtsabnahme für eine niedrigere Knochenmineraldichte vulnerabel sein können [1].
Maßnahmen (Expertenmeinung): die Aufnahme von Kalzium und Vitamin D kontrollieren und bei unzureichender Aufnahme oder nachgewiesenem Mangel supplementieren. Eine Knochendichtemessung mit DXA und eine Frakturrisikobeurteilung mit FRAX (Fracture Risk Assessment Tool) bei postmenopausalen Frauen, Männern über 70 Jahre und Personen mit früherer Fragilitätsfraktur oder langfristiger Glukokortikoidbehandlung erwägen, am besten vor oder früh während einer starken Gewichtsabnahme. Eine etablierte Osteoporose wird unabhängig von der Gewichtsbehandlung wie gewohnt behandelt. Siehe Osteoporose und Prävention von Fragilitätsfrakturen und sekundäre Osteoporose für Beurteilung und Behandlung.
Die Arzneimittel: Auswahl, Dosierung und Muskelaspekte
| Arzneimittel | Datengrundlage zur Körperzusammensetzung | Praktische Bedeutung |
|---|---|---|
| Semaglutid (Wegovy, Ozempic) | STEP-1-DXA-Substudie: Magere oder fettfreie Masse etwa 38-40% des Gewichtsverlusts [2, 6, 14]; Semaglutid 2,4 mg in BELIEVE: Magermasse -7,4% nach 72 Wochen [24]; Metaanalyse: gehörte zu denen, die die Magermasse am wenigsten erhielten [7] | Funktion und Protein verfolgen; keine eigene Dosisregel für den Muskelerhalt |
| Tirzepatid (Mounjaro) | SURMOUNT-1-DXA-Substudie: Magermasse etwa 26%, wie bei Placebo [2]; SURPASS-3-MRT bei Typ-2-Diabetes: Muskelvolumen im Wesentlichen proportional zum Gewichtsverlust, Z-Score größer als erwartet bei 15 mg [9] | Gleiche Ratschläge; Unterschied zu Semaglutid unsicher |
| Liraglutid (Saxenda, Victoza) | Metaanalyse: einziger GLP-1-Rezeptoragonist ohne signifikante Abnahme der Magermasse, aber mit geringerer Gewichtsabnahme [7]; mit Training blieb die FFM erhalten [5, 17] | Geringere Gewichtsabnahme, andere Abwägung |
Die ADA gibt an, dass eine Dosisreduktion des Adipositas-Arzneimittels erwogen werden sollte, wenn die Nährstoffaufnahme unzureichend bleibt [1]. Dies ist die einzige dosisbezogene Maßnahme im ADA-Text, die den Ernährungsstatus betrifft. Titration, Dosisreduktion und Wechsel werden in Titration und Dosisanpassung von GLP-1-Arzneimitteln und Beginn der GLP-1-Therapie bei Adipositas in der Praxis behandelt. Zum Zusammenhang zwischen Nahrungsaufnahme, Übelkeit und Ernährungsratschlägen siehe gastrointestinale Nebenwirkungen von GLP-1-Arzneimitteln.
Nach Beendigung der Behandlung
Mozaffarian et al. geben an, dass der Verlust von Muskel und Knochen durch intermittierende Anwendung und Gewichtszunahme (Weight Cycling) verschärft werden kann, wenn strukturierte Ernährung und Training fehlen, was das Risiko für sarkopene Adipositas erhöht [14]. In Look AHEAD kehrte das Fett zurück, nicht aber die verlorene Magermasse [22]. Die Studie zu Liraglutid und Training liefert ein Beispiel dafür, wie Training sowohl Gewicht als auch Körperzusammensetzung nach Behandlungsende schützen kann [18]. Für Semaglutid oder Tirzepatid gibt es keine entsprechenden Daten. Siehe Beendigung und Pause der GLP-1-Therapie und Gewichtswiederzunahme und Erhaltungstherapie bei Adipositas.
Arzneimittel in Prüfung zum Erhalt der Muskelmasse
Es sind keine Arzneimittel für den Erhalt der Muskelmasse während der Gewichtsabnahme zugelassen. Ryan fasst die untersuchten Substanzen zusammen, und Aimelet und Holst haben eine Literaturübersicht erstellt [22, 25].
| Gruppe und Substanz | Mechanismus | Studienstatus |
|---|---|---|
| Bimagrumab | Antikörper gegen Aktivin-Typ-II-Rezeptoren; hemmt die Myostatin- und Aktivin-Signalübertragung | Phase 2: 2021 bei Typ-2-Diabetes (75 Patientinnen und Patienten) und BELIEVE 2026 bei 507 Erwachsenen mit Adipositas [23, 24] |
| Trevogrumab, Garetosmab, Apitegromab, SRK-439 | Antikörper gegen Myostatin oder Aktivin A | Phase 2 bei Adipositas (registrierte Studien) [22] |
| Enobosarm | Selektiver Androgenrezeptormodulator | Phase 2b mit Semaglutid: Topline-Ergebnisse des Sponsors, in einer Übersichtsarbeit referiert, aber nicht in begutachteter Form veröffentlicht [22] |
| Amylin- und Glukagonkombinationen | Zusätzliche Rezeptoren neben GLP-1 | Muskeleffekte beim Menschen unsicher; Daten zur Körperzusammensetzung liegen für CagriSema und Retatrutid vor (siehe oben) [6, 22] |
Bimagrumab, 2021 (Phase 2, Typ-2-Diabetes). Nach 48 Wochen mit intravenöser Infusion betrug die Fettmasse -20,5 Prozent (-7,5 kg) gegenüber -0,5 Prozent unter Placebo, die Magermasse +3,6 Prozent (+1,70 kg) gegenüber -0,8 Prozent, das Körpergewicht -6,5 Prozent gegenüber -0,8 Prozent und HbA1c -0,76 gegenüber -0,04 Prozentpunkten. Von 75 Randomisierten schlossen 58 ab, und die Konfidenzintervalle wurden als 80-%-Intervalle angegeben [23].
BELIEVE, 2026 (Phase 2, 507 Erwachsene mit Adipositas ohne Diabetes, 48 Wochen und Verlängerung auf 72 Wochen). Die Studie war für Bimagrumab doppelblind, für Semaglutid jedoch offen [24].
| Gruppe (Woche 72, Effektschätzer) | Gewichtsveränderung | Fettmasse | Magermasse | Fett am Gewichtsverlust |
|---|---|---|---|---|
| Bimagrumab 30 mg/kg | -12,0 kg (-10,8%) | -28,5% | +2,5% | 100% |
| Semaglutid 2,4 mg | -16,5 kg (-15,7%) | -27,8% | -7,4% | 75,6% |
| Bimagrumab 30 mg/kg plus Semaglutid 2,4 mg | -24,2 kg (-22,1%) | -45,7% | -2,9% | 92,2% |
Quelle: Heymsfield et al., Tabellen- und Textwerte aus [24].
Muskelkrämpfe, Durchfall und Akne waren unter Bimagrumab häufig. Abbrüche aufgrund von Nebenwirkungen waren in den Bimagrumab-Gruppen häufiger (14,0-21,4 Prozent) als unter Semaglutid (3,6-8,8 Prozent) oder Placebo (3,6 Prozent). Das LDL-Cholesterin stieg in den Bimagrumab-Gruppen (+17,6 Prozent mit 30 mg/kg in Woche 72, ohne Semaglutid) und kehrte mit Semaglutid 2,4 mg zum Ausgangswert zurück. Die Knochenmineraldichte der gesamten Hüfte nahm in Woche 48 in den Kombinationsgruppen mit Bimagrumab 30 mg/kg stärker ab als unter Placebo (-2,2 bis -2,3 Prozent gegenüber -0,8 Prozent) [24]. Eine erhöhte Handgriffkraft wurde nur in einer Kombinationsgruppe beobachtet [24]. Die Autoren geben an, dass die intravenöse Dosierung mit Aufsättigungsdosen zu frühen Laborabweichungen und Nebenwirkungen beigetragen haben kann und dass eine subkutane Dosierung diese dämpfen kann; primärer Endpunkt war das Körpergewicht [24]. Bimagrumab ist eine Prüfsubstanz [22, 24]. Die Ergebnisse zeigen, dass Fett- und Muskelverlust entkoppelt werden können, doch sie können nicht die Grundlage einer Therapieentscheidung sein.
Siehe neue Arzneimittel gegen Adipositas und medikamentöse Behandlung der Adipositas.
Vorgehen in der Praxis
flowchart TD
A["Geplante oder laufende<br>GLP-1-Therapie<br>bei Adipositas"] --> B["Vor Beginn beurteilen<br>SARC-F, Handgriffkraft,<br>Aufstehen vom Stuhl, Proteinaufnahme"]
B --> C["Eingeschränkte Funktion,<br>Alter über 65-70 Jahre,<br>Gebrechlichkeit oder<br>schwere Erkrankung?"]
C -->|Ja| D["Erhöhtes Risiko für<br>sarkopene Adipositas"]
C -->|Nein| E["Standardmaßnahmen"]
D --> F["Ernährungsberatung<br>Proteinziel<br>1,2-1,6 g pro kg<br>an Nierenfunktion angepasst"]
E --> G["Protein mindestens 60 g<br>pro Tag, Krafttraining<br>2-3 Tage pro Woche"]
F --> H["Angeleitetes Krafttraining<br>3 Tage pro Woche<br>und aerobe Aktivität"]
G --> I["Nachsorge nach<br>3 und 6-12 Monaten"]
H --> I
I --> J["Verschlechterte Funktion oder<br>unzureichende Nahrungsaufnahme?"]
J -->|Ja| K["Dosisreduktion bei<br>unzureichender<br>Nahrungsaufnahme sowie<br>Ernährungs- und<br>physiotherapeutische Beurteilung erwägen"]
J -->|Nein| L["Therapie und Training<br>fortsetzen<br>jährlich evaluieren"]Abbildung: Vorschlag zur Beurteilung und zu Maßnahmen für die Muskelgesundheit unter GLP-1-Therapie. Die Dosisreduktion bei unzureichender Nährstoffaufnahme wird von der ADA gestützt [1]; die übrigen Schritte sind Expertenmeinung, und das Schema ist kein validierter Algorithmus [1, 13, 14].
Gesprächspunkte mit der Patientin oder dem Patienten
- Die Gewichtsabnahme enthält einen Anteil fettfreier Masse, doch ein großer Teil ist Wasser und Organgewicht, und das Muskelvolumen scheint der Gewichtsabnahme zu folgen [5, 8, 9].
- Training und Protein sind von der ersten Woche an Teil der Behandlung, keine nachträgliche Ergänzung [1, 14].
- Muskelkraft, Müdigkeit, Treppensteigen und Aufstehen vom Stuhl sind neben der Waage wichtige Signale [1, 13].
- Die Patientin oder der Patient sollte klar informiert werden, wer die Verlaufskontrolle übernimmt. Die Patienteninformation Leben mit GLP-1-Therapie: Ernährung, Nebenwirkungen und wann Sie sich an die Gesundheitsversorgung wenden sollten kann ausgehändigt werden.
Umstrittene Punkte und Wissenslücken
- Klinische Bedeutung. Es ist unklar, ob ein FFM-Verlust von 25-40 Prozent des Gewichtsverlusts bei jüngeren und mittelalten Personen für Funktion, Stürze und Frakturen von Bedeutung ist. Beaudart et al. halten die Sicherheit der Evidenz für niedrig [10].
- Unterschied zwischen Arzneimitteln. Der geringere FFM-Anteil unter Tirzepatid als unter Semaglutid in den Substudien wurde nicht direkt geprüft [7, 22].
- Messgrößen. DXA misst keine Muskulatur, und MRT-Daten liegen nur aus wenigen Studien vor [5, 9].
- Optimale Proteinaufnahme. Die Spannweite zwischen 0,8 und 1,6 g/kg spiegelt das Fehlen von Studien unter GLP-1-Therapie wider [1, 14, 27].
- Trainingsdosis. Welche Art, Menge und Intensität bei einer Gewichtsabnahme von 15-20 Prozent die beste Wirkung haben, ist nicht geprüft [5, 6].
- Ältere Menschen. Randomisierte Studien an älteren Menschen mit Funktionsmaßen fehlen [21, 22].
- Nach Beendigung der Behandlung. Was mit Muskelmasse und Funktion geschieht, wenn die Behandlung abgebrochen wird, ist für Semaglutid und Tirzepatid schlecht bekannt [14, 18].
- Arzneimittelentwicklung. Bimagrumab zeigt, dass Fett- und Muskelverlust voneinander getrennt werden können, jedoch mit intravenöser Dosierung, mehr Abbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen und verringerter Knochenmineraldichte der Hüfte in den Kombinationsgruppen [24].
Verfügbarkeit und Leitlinien in Schweden
Die Empfehlungen der Region Örebro län für Arzneimittel bei Adipositas geben an, dass ein Muskelverlust von bis zu einem Drittel der verlorenen Kilogramm erwartet und normal ist und dass er meist mit einer verbesserten körperlichen Funktion einhergeht. Eine ausreichend hohe Proteinaufnahme (über 0,8 g/kg) zusammen mit regelmäßigem Krafttraining kann möglicherweise das Ausmaß des Muskelverlusts verringern. Der Text empfiehlt sowohl aerobe als auch muskelstärkende Aktivität bei Übergewicht und Adipositas und verweist auf ein nationales klinisches Wissensunterstützungssystem für Adipositas bei Erwachsenen [27]. Die Nordic Nutrition Recommendations (nordische Nährstoffempfehlungen) und FYSS sind die nordischen bzw. schwedischen Referenzwerke für Protein und körperliche Aktivität bei Gesunden. Die obigen Proteinziele stammen aus internationalem Konsensus und sollten von der Ernährungsberatung gegen diese abgewogen werden (Expertenmeinung). Die Ernährungsberatung ist die naheliegende Ressource für die individuelle Proteinplanung. Verordnung, Subvention und Verfügbarkeit ändern sich häufig; den aktuellen Status bei TLV und Läkemedelsverket prüfen. Siehe GLP-1-Arzneimittel in Schweden: Verordnung, Subvention, Verfügbarkeit und Online-Apotheken und Adipositas und medizinische Gewichtsbehandlung.
Quellen
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- Wilding JPH, Batterham RL, Calanna S et al. Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity. New England Journal of Medicine 2021. PMID: 33567185
- Jastreboff AM, Aronne LJ, Ahmad NN et al. Tirzepatide Once Weekly for the Treatment of Obesity. New England Journal of Medicine 2022. PMID: 35658024
- Tinsley GM, Heymsfield SB. Fundamental Body Composition Principles Provide Context for Fat-Free and Skeletal Muscle Loss With GLP-1 RA Treatments. Journal of the Endocrine Society 2024. PMID: 39372917
- Busk-Cirera L, Carlsen IØ, Madsen LB et al. Effects of Incretin-Based Therapies, Diet and Exercise Interventions, and Bariatric Surgery on Fat-Free Mass in Adults With Overweight or Obesity: A Systematic Review and Meta-Analysis. Diabetes, Obesity and Metabolism 2026. PMID: 42324178
- Karakasis P, Patoulias D, Fragakis N, Mantzoros CS. Effect of glucagon-like peptide-1 receptor agonists and co-agonists on body composition: Systematic review and network meta-analysis. Metabolism 2025. PMID: 39719170
- Neeland IJ, Linge J, Birkenfeld AL. Changes in lean body mass with glucagon-like peptide-1-based therapies and mitigation strategies. Diabetes, Obesity and Metabolism 2024. PMID: 38937282
- Sattar N, Neeland IJ, Dahlqvist Leinhard O et al. Tirzepatide and muscle composition changes in people with type 2 diabetes (SURPASS-3 MRI): a post-hoc analysis of a randomised, open-label, parallel-group, phase 3 trial. Lancet Diabetes and Endocrinology 2025. PMID: 40318682
- Beaudart C, Malréchauffé Y, van Heden S et al. GLP-1 Receptor Agonists and Musculoskeletal Outcomes: A Systematic Literature Review and Meta-Analysis. Drugs 2026. PMID: 42730869
- Alissou M, Demangeat T, Folope V et al. Impact of Semaglutide on fat mass, lean mass and muscle function in patients with obesity: The SEMALEAN study. Diabetes, Obesity and Metabolism 2026. PMID: 41068996
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