Postreanimationsbehandlung nach ROSC

Mit dem Wiedereinsetzen des Spontankreislaufs (ROSC) ist die Behandlung nicht beendet. In vieler Hinsicht beginnt sie erst. Die Postreanimationsbehandlung ist ein eigenständiges Glied der Überlebenskette. Sie entscheidet wesentlich darüber, ob ein Patient nach erfolgreicher Reanimation lebend und neurologisch intakt nach Hause geht. Dieser Beitrag beschreibt, wohin der Patient gehört, was im Körper nach ROSC passiert, welche Diagnostik nötig ist und welche Zielwerte gelten.

Wohin der Patient nach ROSC gehört

Patienten nach außerklinischem Herz-Kreislauf-Stillstand (OHCA) mit ROSC werden aus der Notaufnahme auf die Intensivstation, die Chest Pain Unit bzw. kardiologische Überwachungsstation oder direkt ins Herzkatheterlabor verlegt. Unmittelbar nach ROSC wird ein 12-Kanal-EKG abgeleitet. Es identifiziert Patienten mit ST-Hebungen, die eine dringliche Koronarangiographie mit Option zur PCI benötigen (siehe EKG-Interpretation nach ROSC).

Die weit überwiegende Mehrzahl der Patienten gehört auf die Intensivstation. Dort stehen Expertise und Ressourcen bereit, um neurologische Schäden, hämodynamische und respiratorische Instabilität, Multiorganversagen, Infektionen und Krampfanfälle zu erkennen und zu behandeln und die Temperatur zu kontrollieren. Eine kardiologische Überwachungsstation kommt nur für hämodynamisch und respiratorisch stabile, wache Patienten nach kurzem Stillstand in Frage.

Die Versorgung nach Herz-Kreislauf-Stillstand ist anspruchsvoll und gehört vorzugsweise in spezialisierte Zentren (Cardiac Arrest Center). Wer nicht primär in einem solchen Zentrum aufgenommen wird, sollte nach Möglichkeit dorthin verlegt werden.

Zum Behandlungspaket gehören die Diagnose des Postreanimationssyndroms, die Optimierung von Beatmung, Oxygenierung und Hämodynamik, die antiischämische Therapie, die Temperaturkontrolle sowie die Behandlung von Krampfanfällen und Infektionen. Die Evidenz dafür ist begrenzt. Für viele Empfehlungen gibt es nur wenige randomisierte Studien, deren Ergebnisse sich teilweise widersprechen. Zahlreiche Empfehlungen beruhen deshalb auf Beobachtungsdaten, Expertenkonsens, Extrapolation aus anderen Gebieten (z. B. der Sepsisforschung) oder pathophysiologischen Überlegungen.

Die erste Stunde nach ROSC

Maßnahme Ziel
Atemweg und Beatmung sichern SpO2 94 bis 98%, Normokapnie
12-Kanal-EKG STEMI erkennen
Blutdruck und Perfusion stabilisieren MAP >65 mmHg
Blutzucker, Elektrolyte, Blutgasanalyse Hypoglykämie, Hypokaliämie und Azidose erkennen
Ursache suchen (4 H und HITS) Reversible Ursachen behandeln
Neurologischen Ausgangsbefund erheben Verlaufsbeurteilung und spätere Prognoseabschätzung
Verlegung in geeignetes Zentrum Katheterlabor, Intensivstation

In der Praxis laufen diese Schritte parallel. Ein häufiger Fehler ist, nach ROSC zuerst den Transport zu organisieren und die Sauerstoff- und Blutdruckziele aus den Augen zu verlieren. Gerade in dieser Phase drohen Hypotonie, Hypoxie und Rezidiv des Stillstands.

Postreanimationssyndrom (PCAS)

Das Postreanimationssyndrom (Post-Cardiac-Arrest-Syndrom, PCAS) entsteht nach ROSC oder nach Beginn einer ECMO-Therapie. Negovsky beschrieb erstmals eine eigenständige Erkrankung nach Reanimation. Heute werden vier Komponenten unterschieden, die den Verlauf bestimmen:

Komponente Klinische Folgen Therapeutischer Ansatz
Neurologische Schädigung Koma, Krampfanfälle, Myoklonien, kognitive Defizite, Wachkoma, Hirntod Oxygenierung und Perfusion sichern, Temperaturkontrolle, Anfallsbehandlung
Myokardiale Dysfunktion Niedriges Herzzeitvolumen, Hypotonie, kardiogener Schock Echokardiographie, Vasopressoren, Inotropika, ggf. mechanische Unterstützung
Systemische Ischämie-Reperfusions-Reaktion SIRS-ähnliches Bild, Vasoplegie, Gerinnungsstörung, Multiorganversagen Volumen- und Vasopressortherapie, Organersatz
Persistierende Ursache des Stillstands Rezidiv des Stillstands Ursache gezielt behandeln, z. B. Koronarintervention

Neurologische Schädigung. Sie reicht von Koma, Krampfanfällen und Myoklonien über Schlaganfall, kognitive Dysfunktion und Parkinsonismus bis zum Syndrom reaktionsloser Wachheit (Wachkoma) und zum Hirntod. Ursachen sind der anoxische Zelltod, die gestörte zerebrale Autoregulation nach ROSC und die anhaltende zerebrale Hypoperfusion. Weil die Autoregulation gestört ist, folgt die Hirndurchblutung dem Blutdruck. Jede Hypotonie trifft das Gehirn deshalb unmittelbar.

Myokardiale Dysfunktion. Typisch ist ein Stunning: Die Kontraktion ist aufgehoben (Akinesie) oder stark vermindert (Hypokinesie). Nach prolongierter Ischämie tritt dieses Stunning regelhaft auf. Es schützt die Zelle vor weiterer ischämischer Schädigung, indem Stoffwechsel und Kontraktilität herunterreguliert werden. Das Stunning kann Stunden bis Wochen anhalten. Es senkt Herzzeitvolumen und Blutdruck und kann in einen kardiogenen Schock münden. Eine früh gemessene, stark eingeschränkte Ejektionsfraktion ist deshalb kein endgültiger Befund und sollte im Verlauf kontrolliert werden.

Systemische Reaktion auf Ischämie und Reperfusion. Sie führt zu einem SIRS-ähnlichen Zustand (Systemic Inflammatory Response Syndrome) mit Hypotonie, gestörter Vasoregulation und dem Risiko einer disseminierten intravasalen Gerinnung. Das Bild ähnelt einem septischen Schock, was die Abgrenzung zu einer echten Infektion erschwert.

Ursache des Herz-Kreislauf-Stillstands. Die zentrale Aufgabe besteht darin, reversible Ursachen zu erkennen und zu behandeln, allen voran die Myokardischämie.

Warum so viele Patienten nach ROSC noch sterben

Nach Yan et al. liegt die ROSC-Rate beim OHCA weltweit bei rund 30%, das Überleben bis zur Krankenhausaufnahme bei 22%, bis zur Entlassung aber nur bei 8,8%. Von denjenigen, die das Krankenhaus lebend erreichen, stirbt also mehr als die Hälfte vor der Entlassung. Die Todesursachen sind Komplikationen des PCAS:

Todesursache Anteil
Neurologische Schädigung 60%
Hämodynamisches Versagen und Multiorgandysfunktion 30%
Rezidivierende Arrhythmien 10%

Diagnostik und Monitoring nach ROSC

Bereich Verfahren
Bildgebung CT von Schädel, Thorax und Abdomen; MRT des Gehirns im Verlauf
Kardial 12-Kanal-EKG, Echokardiographie, Koronarangiographie, PCI
Hämodynamik und Atmung Invasive Blutdruckmessung, Herzzeitvolumen, Pulsoxymetrie, Kapnographie
Neurologie Klinische Untersuchung, EEG
Labor Nierenfunktion, Leberfunktion, Elektrolyte, Blutbild, CRP, Procalcitonin, Glukose, Laktat, Blutgase

Atemweg, Beatmung und Sauerstoff

War der Stillstand kurz und erwacht der Patient unmittelbar nach ROSC mit normaler Atmung, kann auf eine weitere Beatmung verzichtet werden. In allen anderen Fällen bleibt der Patient intubiert und beatmet.

Bei Spontanatmung erhält der Patient Sauerstoff über eine Gesichtsmaske. Solange die Sättigung nicht zuverlässig gemessen werden kann, ist eine hohe inspiratorische Sauerstoffkonzentration angemessen. Sobald eine verlässliche Pulsoxymetrie oder Blutgasanalyse vorliegt, wird die Sauerstoffzufuhr auf eine Sättigung von 94 bis 98% titriert.

Zielgröße Zielwert
Sauerstoffsättigung (Pulsoxymetrie) 94 bis 98%
PaO2 75 bis 100 mmHg (10 bis 13 kPa)
PaCO2 35 bis 45 mmHg (4,5 bis 6,0 kPa)
Tidalvolumen 6 bis 8 ml/kg idealem Körpergewicht

Typische Fehler. Eine Hyperoxie durch unreflektiert hohe Sauerstoffgabe ist ebenso zu vermeiden wie Hypoxie. Gleiches gilt für Hypo- und Hyperkapnie. Eine Hypokapnie, oft durch zu forsche Beutelbeatmung oder unkorrigierte Respiratoreinstellungen, verengt die Hirngefäße und verschlechtert die zerebrale Perfusion. Unter Temperaturkontrolle sinkt die CO2-Produktion, sodass der PaCO2 engmaschig kontrolliert werden muss.

Kreislauf

Zielgröße Zielwert
Mittlerer arterieller Druck >65 mmHg
Systolischer Blutdruck >90 mmHg
Diurese >0,5 ml/kg/h

Koronarangiographie und perkutane Koronarintervention (PCI)

Bei allen Patienten wird nach ROSC ein standardisiertes 12-Kanal-EKG abgeleitet. Gesucht werden ST-Hebungen und andere Befunde, die auf einen akuten epikardialen Koronarverschluss hinweisen. Bei persistierender ST-Hebung nach ROSC empfehlen die Leitlinien eine dringliche Koronarangiographie mit Option zur PCI (Klasse-I-Empfehlung).

Patienten mit ST-Hebungen nach ROSC haben eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass ein akuter Koronarverschluss den Stillstand verursacht hat. Die Reperfusion durch PCI verbessert die elektrische Stabilität und rettet ischämisches Myokard. Der Komazustand allein ist kein Grund, die Angiographie aufzuschieben.

Für Patienten ohne ST-Hebung nach ROSC liegen die randomisierten Studien COACT, PEARL und TOMAHAWK vor. Eine Metaanalyse dieser Studien zeigte, dass eine dringliche Koronarangiographie das Überleben in dieser Gruppe nicht verbessert. Sie berichtete für die dringliche Strategie zudem häufiger schwere Blutungen, neurologische Schäden und Dialysepflichtigkeit (Bhuta et al.). Auch die später veröffentlichten Studien ARREST, COUPE und DISCO zeigten keinen klaren Überlebensvorteil einer sofortigen invasiven Strategie.

Für die Praxis ergibt sich daraus:

Situation Vorgehen
ST-Hebung vor dem Kollaps oder nach ROSC Dringliche Koronarangiographie
Keine ST-Hebung, aber hohe Wahrscheinlichkeit eines akuten Koronarverschlusses (elektrische oder hämodynamische Instabilität, typische Anamnese) Dringliche Angiographie erwägen
Keine ST-Hebung, stabil, kein starker Ischämieverdacht Verzögerte bzw. selektive Angiographie
Anschluss an die ECMO im Herzkatheterlabor Angiographie häufig nach ECMO-Beginn (siehe Extrakorporale kardiopulmonale Reanimation (eCPR))

Ursachensuche mit EKG und Bildgebung

Bereits bei Aufnahme werden häufig eine Computertomographie (CT) und eine Koronarangiographie durchgeführt. Welche Untersuchung zuerst kommt, hängt davon ab, wo die Ursache am wahrscheinlichsten liegt. Die Anamnese vor dem Kollaps gibt dafür die besten Hinweise:

Symptome vor dem Kollaps Wahrscheinliche Ursache Erste Diagnostik
Kopfschmerzen, Krampfanfälle, neurologische Ausfälle Zerebrovaskulär (z. B. Subarachnoidalblutung) CT des Schädels
Thoraxschmerz, Palpitationen Kardial, auch ohne ischämische EKG-Veränderungen nach ROSC Koronarangiographie
Dyspnoe, Hypoxie, Zeichen einer tiefen Venenthrombose Pulmonal (z. B. Lungenembolie) CT-Angiographie des Thorax, Echokardiographie

Eine CT des Schädels unmittelbar nach ROSC erkennt zerebrovaskuläre Ursachen. Eine frühe CT von Thorax und Abdomen deckt behandelbare Ursachen auf, etwa Lungenembolie, Aortendissektion, Blutung oder Pneumothorax. Sie zeigt außerdem Reanimationsverletzungen wie Rippenserienfrakturen oder Leberverletzungen.

Sensitivität und Spezifität ischämischer EKG-Veränderungen (ST-Senkung, ST-Hebung) sind nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand geringer als in anderen Situationen. Unspezifische ST-T-Veränderungen und Aufzeichnungsartefakte sind nach ROSC häufig. Oft braucht es wiederholte Ableitungen, um ein repräsentatives EKG zu erhalten.

Temperaturkontrolle

Die Körperkerntemperatur lässt sich mit verschiedenen Methoden steuern, die sich in Aufwand, Kosten und Präzision unterscheiden: Eispackungen, kalte Infusionen, intranasale Verdunstungskühlung, Oberflächensysteme mit zirkulierendem Wasser oder zirkulierender Luft, intravasale Katheter und die ECMO. Die ECMO ist am effizientesten und präzisesten, erfordert aber erhebliche Ressourcen. Die gebräuchlichsten Strategien sind:

Strategie Zieltemperatur
Zielgerichtete Normothermie (Fieberprävention) <37,6 °C
Kontrollierte Temperatur bei 36 °C 36 °C
Zielgerichtete Hypothermie 32 bis 34 °C

Pathophysiologische Begründung

Theoretische und experimentelle Daten sprechen für einen neuroprotektiven Effekt der Hypothermie. Sie senkt den neuronalen Stoffwechsel, vermindert die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies (ROS), stabilisiert die Blut-Hirn-Schranke und dämpft die intrazerebrale Entzündung. Dadurch wird der neuronale Zelluntergang begrenzt (Tahsili-Fahadan et al.).

Was die Studien zeigen

Die AHA-Leitlinien 2020 gaben dem zielgerichteten Temperaturmanagement noch starke Empfehlungen. Nach Veröffentlichung der TTM2-Studie (Dankiewicz et al.) fielen spätere Empfehlungen zurückhaltender aus. Die ERC-/ESICM-Leitlinien 2021 hatten noch eine konstante Zieltemperatur zwischen 32 und 36 °C empfohlen. Die Aktualisierung von ERC und ESICM nach TTM2 legt den Schwerpunkt auf die aktive Fiebervermeidung bei weiterhin komatösen Patienten für mindestens 72 Stunden. Praktische Aspekte wie Kühlverfahren, Sedierung und Wiedererwärmung behandelt der Beitrag Temperaturkontrolle nach Herzstillstand.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben mehrere große randomisierte Studien die Wirkung auf Mortalität und neurologische Funktion untersucht, einschließlich sorgfältiger Analysen der kognitiven Funktion der Überlebenden (Lilja et al., Cronberg et al., Lüsebrink et al.). TTM2, die größte und wohl am besten verallgemeinerbare Studie, zeigte keinen Vorteil der Hypothermie gegenüber zielgerichteter Normothermie. Tabelle 1 fasst fünf randomisierte Studien zusammen.

Studie Einschluss Fallzahl Strategie Endpunkt Ergebnis (TTM vs. Kontrollgruppe) Schlussfolgerung
Bernard et al. OHCA mit VF 77 33 °C für 12 Stunden vs. Normothermie Entlassung mit gutem neurologischem Ergebnis 49% vs. 26% (p=0,046) TTM vorteilhaft
HACA (Hypothermia After Cardiac Arrest) OHCA mit VF/VT 275 32 bis 34 °C für 24 Stunden vs. Normothermie Günstiges neurologisches Ergebnis nach 6 Monaten 55% vs. 39% (p=0,009) TTM vorteilhaft
TTM1 OHCA, jeder Rhythmus 939 33 °C vs. 36 °C Mortalität bis Ende der Nachbeobachtung 50% vs. 48% (p=0,51) TTM nicht vorteilhaft
TTM2 OHCA vermutlich kardialer oder unbekannter Ursache, jeder Rhythmus 1861 33 °C vs. Normothermie Mortalität nach 6 Monaten 50% vs. 48% (p=0,37) TTM nicht vorteilhaft
HYPERION Nicht defibrillierbare Rhythmen 581 33 °C vs. Normothermie Günstiges neurologisches Ergebnis nach 90 Tagen 10,2% vs. 5,7% (p=0,04) TTM vorteilhaft

Tabelle 1. Randomisierte Studien zur Wirkung des zielgerichteten Temperaturmanagements. VF (Kammerflimmern) und VT (Kammertachykardie) bezeichnen den Erstrhythmus.

Nachuntersuchungen des TTM1-Kollektivs fanden keine Unterschiede bei kognitiver Funktion, Gedächtnis, Angst oder Depression zwischen 33 °C und 36 °C (Lilja et al.). TTM1 und TTM2 werden wegen ihrer Größe, ihrer Power für die Mortalität, ihrer internationalen Beteiligung und ihrer standardisierten Protokolle generell stärker gewichtet.

Die frühen Studien (Bernard et al., HACA) waren nicht auf die Mortalität gepowert, berichteten aber einen Überlebensvorteil bei defibrillierbarem Rhythmus. TTM1 und TTM2 waren für die Mortalität gepowert und fanden keinen Vorteil gegenüber Normothermie. HYPERION zeigte dagegen bei nicht defibrillierbaren Rhythmen einen Vorteil für die neurologische Funktion. Der routinemäßige Einsatz der Hypothermie bleibt daher umstritten. AHA, ERC und die European Society of Intensive Care Medicine bewerten die Evidenz als sehr niedrig bis moderat. Unstrittig ist dagegen, dass Fieber bei komatösen Patienten vermieden werden soll.

Kontraindikationen und Einschränkungen der Hypothermie

Situation Grund
Wache Patienten, die Aufforderungen befolgen Kein Koma, kein belegter Nutzen
Aktive Blutung Kälte beeinträchtigt die Gerinnung und verstärkt die Blutung
Stillstand durch Trauma, Blutung oder Sepsis In den randomisierten Studien nicht untersucht
Therapie mit Antikoagulanzien Relative Kontraindikation wegen Blutungsrisiko
Hypotonie, hämodynamische Instabilität Hypothermie senkt den Blutdruck

Bei 33 °C tritt häufig eine Bradykardie auf. Sie muss behandelt werden, wenn das Herzzeitvolumen nicht mehr ausreicht, das Laktat ansteigt oder die gemischtvenöse Sättigung (SvO2) abfällt. In diesen Situationen wird die Zieltemperatur angehoben.

Neurologischer Status und Magnetresonanztomographie

Neurologische Untersuchung und MRT des Gehirns schätzen das Ausmaß der Hirnschädigung ab und verbessern die Prognoseabschätzung (siehe Kurz- und langfristige Prognoseabschätzung nach Herzstillstand und Beurteilung der Pupillen und des Pupillenreflexes beim Herzstillstand). Eine Prognose sollte nicht vorschnell gestellt werden. Sedierung und Temperaturkontrolle verfälschen die frühe neurologische Untersuchung.

Krampfanfälle

Krampfanfälle werden mit den üblichen Medikamenten und Dosierungen behandelt (siehe Status epilepticus: Kurzübersicht zur Akuttherapie). Bei Verdacht auf Krampfanfälle wird rasch ein EEG abgeleitet. Unter Sedierung und Muskelrelaxation kann ein nichtkonvulsiver Status nur im EEG erkannt werden.

Allgemeine intensivmedizinische Maßnahmen

Bereich Vorgehen
Kalium Hypokaliämie vermeiden, da sie das Arrhythmierisiko erhöht
Steroide Nicht routinemäßig
Sedierung Kurz wirksame Substanzen, damit die neurologische Beurteilung möglich bleibt
Stressulkusprophylaxe Protonenpumpenhemmer (PPI) routinemäßig
Thromboseprophylaxe Routinemäßig
Blutzucker Hypoglykämien vermeiden; Zielbereich nach ERC/ESICM 2021 7,8 bis 10 mmol/l (140 bis 180 mg/dl)
Infektionen Breitspektrumantibiotika bei klinischen und/oder laborchemischen Infektionszeichen
Ernährung Unter Temperaturkontrolle niedrig dosierte enterale Ernährung, Steigerung nach der Wiedererwärmung

Elektrolytstörungen

Hypokaliämie, Hypomagnesiämie und Hypokalzämie können beim Herz-Kreislauf-Stillstand auftreten und begünstigen erneute Arrhythmien. Eine Azidose erhöht ebenfalls das Risiko ventrikulärer Arrhythmien und wird behandelt (siehe Herzstillstand bei Elektrolytstörungen).

Arrhythmien beim akuten Myokardinfarkt

Bestehen ventrikuläre Arrhythmien (VF, VT) nach ROSC fort, ist Amiodaron zu erwägen, z. B. 300 mg über 10 bis 20 Minuten, gefolgt von 900 mg über 24 Stunden. Lidocain ist eine wirksame Alternative bei ischämisch bedingten ventrikulären Arrhythmien (Erhaltungsinfusion 2 bis 4 mg/min). Nach 24 bis 48 Stunden ohne ventrikuläre Arrhythmien können Antiarrhythmika abgesetzt werden.

Eine monomorphe oder polymorphe VT in der Akutphase ist nur ein schwacher Prädiktor für das spätere Risiko ventrikulärer Arrhythmien. Beim akuten Myokardinfarkt ist die monomorphe VT allerdings ein ungünstigerer prognostischer Faktor als die polymorphe VT (Hai et al.). Der Grund dafür ist unbekannt.

Bradykardien verhalten sich je nach Infarktlokalisation unterschiedlich:

Hinterwandinfarkt Vorderwandinfarkt
Verlauf Meist vorübergehend Meist permanent
Ansprechen In der Regel auf Atropin und Isoprenalin (Isoproterenol) Medikamentös oft unzureichend
Schrittmacher Permanenter Schrittmacher meist nicht erforderlich In der Regel erforderlich

Polymorphe VT mit QT-Verlängerung (Torsade de pointes)

Die Torsade-de-pointes-Tachykardie ist eine polymorphe VT bei erworbenem oder kongenitalem Long-QT-Syndrom (LQTS). Sie tritt definitionsgemäß nur bei verlängerter QT-Zeit auf. Charakteristisch ist die Drehung der QRS-Achse um die Grundlinie mit spiralförmigem Bild im EKG. Die Behandlung (siehe auch Torsade-de-pointes-Tachykardie):

  • Magnesiumsulfat 2 g i. v., unabhängig vom Serum-Magnesiumspiegel. Die Gabe kann wiederholt und durch eine Infusion fortgesetzt werden.
  • Kalium i. v. bis zu einem Serumspiegel von 4,5 bis 5,0 mmol/l.
  • Anhebung der Herzfrequenz (>70/min), wenn die Torsade bei Bradykardie oder nach langen Pausen auftritt. Bei Schrittmacherträgern wird die Stimulationsfrequenz erhöht, sonst eine Isoprenalin-Infusion begonnen. Bis dahin kann ein transkutanes Pacing nötig sein.
  • Lidocain hat bei Torsade de pointes keinen gesicherten Stellenwert.

Die Ursache der QT-Verlängerung muss gesucht und, wenn möglich, beseitigt werden. Häufig sind es Medikamente oder Elektrolytstörungen (siehe Erworbenes Long-QT-Syndrom und medikamenteninduzierte Arrhythmien).

Polymorphe VT ohne QT-Verlängerung

Eine polymorphe VT bei normaler QT-Zeit spricht in erster Linie für eine akute Myokardischämie, kann aber auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Behandlungsoptionen sind Betablocker, Amiodaron, Lidocain, Mexiletin oder Chinidin. Eine tiefe Sedierung dämpft den Sympathikotonus und ist eine wirksame Maßnahme. Ist eine Ischämie die Ursache, beendet oft erst die Revaskularisation die Rhythmusstörung.

Referenzen

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Aktualisiert 18. Oktober 2026