Muskarinrezeptorantagonist (Vagolytikum)MONITORING ERFORDERLICH

Atropin

Atropin Viatris · Atropin Abboxia · Atropine Accord

Erstlinienbehandlung bei symptomatischer Bradykardie, aber nur wenn die Bradykardie vagal vermittelt ist oder im Sinusknoten oder AV-Knoten sitzt. Atropin blockiert Muskarinrezeptoren und hebt damit die parasympathische Hemmung auf — gibt es keine solche Hemmung aufzuheben, geschieht nichts, was die gesamte Erklärung dafür ist, dass das Präparat bei infranodalem Block wirkungslos ist. Die Wirkung tritt innerhalb einer Minute ein und klingt über eine Stunde ab, was es eher zu einer Überbrückung bis zum Pacing als zu einer Behandlung macht.

WARNHINWEIS

Bei AV-Block II Typ 2 und totalem AV-Block mit breitem QRS sitzt der Block unterhalb des AV-Knotens und Atropin ist wirkungslos — keine Zeit verlieren, sondern direkt zum externen Pacing oder Isoprenalin übergehen. Dosen unter 0,5 mg können durch zentralen vagalen Stimulus eine paradoxe Bradykardie auslösen.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Symptomatische Bradykardie0,5 mg i.v., alle 3–5 min wiederholen bis max. 3 mg gesamtnie weniger als 0,5 mg pro Dosis geben
Vagale Reflexbradykardie bei Narkose oder Intubation0,5–1 mg i.v.kann prophylaktisch bei wiederholter Laryngoskopie bei Kindern gegeben werden
Organophosphat- oder Nervengasvergiftung2 mg i.v., Dosis alle 5 min verdoppeln bis die Atemwege trocken sindkeine Maximaldosis; nach Sekretion titrieren, nicht nach Puls
Antagonisierung neuromuskulärer Blockade0,5–1 mg i.v. pro 2,5 mg Neostigmingleichzeitig geben, um die Bradykardie zu kupieren
Kinder mit Bradykardie0,02 mg/kg i.v., Mindestdosis 0,1 mg, Maximaldosis 0,5 mgHypoxie muss zuerst ausgeschlossen und behandelt werden
Niereninsuffizienz

Keine etablierte Dosisanpassung bei Einzeldosen. Etwa die Hälfte wird unverändert renal ausgeschieden, weshalb wiederholte Dosierung bei schwerer Niereninsuffizienz zu verlängerter anticholinerger Wirkung führen kann.

Leberfunktionsstörung

Keine etablierte Dosisanpassung.

Kinder

0,02 mg/kg i.v. (mindestens 0,1 mg, höchstens 0,5 mg pro Dosis); darf einmal wiederholt werden.

Fallstrick

Nicht weiter Atropin geben bei AV-Block II Typ 2 oder totalem AV-Block mit breitem QRS sowie bei herztransplantierten Patienten, bei denen das Herz denerviert ist — in beiden Fällen gibt es keinen Vagotonus zu blockieren, und Atropin kann die Situation durch Erhöhung der Sinusfrequenz ohne entsprechende Überleitung sogar verschlechtern. Pacing einleiten.

Pharmakokinetik

WIRKUNGSEINTRITT
unter 1 min i.v., maximale Wirkung 2–4 min
WIRKUNGSDAUER
1–2 Stunden auf die Herzfrequenz
2–4 Stunden (länger bei Kindern und Älteren)
Vd
2 l/kg
PROTEINBINDUNG
ca. 20 %
METABOLISMUS
Hepatische Hydrolyse und Konjugation
AUSSCHEIDUNG
Renal, ca. 50 % unverändert
PASSIERT
Blut-Hirn-Schranke und Plazenta

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Mundtrockenheit, Akkommodationsstörung und Verschwommensehen, Tachykardie, Gesichtsrötung
1–10 %
Harnverhalt, Obstipation, Hypohidrose mit Wärmestau, Verwirrtheit bei Älteren
< 1 %
Anticholinerges Delirium, akutes Engwinkelglaukom, Tachyarrhythmie mit Myokardischämie