Antiepileptikum mit SV2A-BindungMONITORING ERFORDERLICH

Levetiracetam

Keppra · Levetiracetam Accord · Desitrend

Erstlinienpräparat nach Benzodiazepin bei Status epilepticus und eines der am häufigsten eingesetzten Antiepileptika in der Langzeitbehandlung — dank fehlender CYP-Metabolisierung, weniger Arzneimittelinteraktionen als bei fast jedem anderen Antiepileptikum. Der Nachteil ist die ausgeprägte Renal-Abhängigkeit: bei Niereninsuffizienz muss die Dosis obligatorisch angepasst werden.

WARNHINWEIS

Reizbarkeit, Aggressivität, Angst und Depression betreffen bis zu jeden zehnten Patienten und sind die häufigste Ursache für Therapieabbruch. Suizidgedanken treten seltener auf — Patienten und Angehörige müssen aufgeklärt werden und aufgetretene psychiatrische Symptome müssen an den nächsten Kontrolltermin adressiert werden.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Status epilepticus, Ladedosis60 mg/kg i.v., höchstens 4 500 mg, über 10 Minutennach Benzodiazepin gegeben, keine Nierenanpassung der Ladedosis
Erhaltung nach Ladedosis500–1 000 mg × 2 i.v. oder p.o.bei Schluckfähigkeit auf perorale Formulierung wechseln
Epilepsie, Einleitung beim Erwachsenen500 mg × 2 p.o. ab Tag 1keine Auftitration nötig, Wirkung innerhalb eines Tages
Epilepsie, Erhaltung500–1 500 mg × 2 p.o.höchstens 3 000 mg pro Tag
Wechsel zwischen i.v. und p.o.Gleiche Tagesdosis, 1:1Bioverfügbarkeit nahezu 100 %
Niereninsuffizienz

Dosierung wird durch Kreatinin-Clearance gesteuert und ist obligatorisch anzupassen. ≥ 80 ml/min: 500–1 500 mg × 2. 50–79 ml/min: 500–1 000 mg × 2. 30–49 ml/min: 250–750 mg × 2. < 30 ml/min: 250–500 mg × 2. Dialyse: 500–1 000 mg × 1, mit 750 mg am ersten Tag und 250–500 mg extra nach jeder Dialyse.

Leberfunktionsstörung

Keine Anpassung bei leicht bis mäßig eingeschränkter Leberfunktion. Bei schwerem Leberversagen ist Kreatinin-Clearance oft überschätzt — Erhaltungsdosis halbieren wenn berechnete Clearance unter 60 ml/min/1,73 m² liegt.

Kinder

Ab 1 Monat: 10 mg/kg × 2 p.o. als Startdosis, Auftitrierung auf 30 mg/kg × 2. Kinder unter 50 kg werden pro Kilo dosiert. Status epilepticus: 60 mg/kg i.v., höchstens 4 500 mg.

Fallstrick

Beim Patienten mit bekannter Depression, Aggressivitätsproblematik oder neuropsychiatrischer Komorbidität vermeiden wenn eine Alternative wie Lacosamid oder Valproat verfügbar ist. Der neuropsychiatrische Effekt tritt oft in den ersten Wochen auf und rechtfertigt ein enges Monitoring — Patienten und Angehörige sollen wissen, worauf zu achten ist.

Pharmakokinetik

BIOVERFÜGB.
nahezu 100 % oral
WIRKUNGSEINTRITT
Minuten i.v., Maxkonzentration nach 1 Stunde p.o.
7 ± 1 Stunden beim Erwachsenen
PROTEINBINDUNG
< 10 %
METABOLISMUS
Enzymatische Hydrolyse ca. 24 %, inaktiver Metabolit, keine CYP450-Beteiligung
AUSSCHEIDUNG
Renal, ca. 95 % davon überwiegend unverändert
DIALYSE
Entfernbar — ca. 50 % in 4 Stunden
STEADY STATE
nach 2 Tagen

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Müdigkeit und Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Nasopharyngitis
1–10 %
Reizbarkeit, Aggressivität, Angst, Depression, Schwindel, Tremor, Übelkeit, Gewichtsänderung
< 1 %
Suizidgedanken und Suizidverhalten, Psychose und Halluzinationen, Agranulozytose, Lebertoxizität