Synthetisches Schilddrüsenhormon (T4)ENGE THERAPEUTISCHE BREITE

Levothyroxin

L-Thyroxin · Euthyrox · Levaxin · Eferox

Substitutionstherapie bei Hypothyreose, bei der die gesamte Kunst in der Startdosis und darin liegt, dass der Patient das Präparat korrekt einnimmt. Die Halbwertszeit von 6–7 Tagen bedeutet, dass jede Dosisänderung 4–6 Wochen benötigt um Steady State zu erreichen — Kontrollmessungen früher als nach 6 Wochen sind nicht aussagekräftig. Das Einnahmeregime ist entscheidend: nüchtern, 30–60 Minuten vor dem Frühstück, ohne Kalzium, Eisen oder Protonenpumpenhemmer.

WARNHINWEIS

Zu schnelle Auftitration beim Patienten mit koronarer Herzerkrankung kann Angina, Vorhofflimmern oder Herzinfarkt auslösen. Levothyroxin ist kein Gewichtsreduktionsmittel und darf bei Euthyreose weder verschrieben noch eingenommen werden.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Hypothyreose, Erwachsener < 60 Jahre ohne Herzerkrankung1,6 µg/kg p.o. täglich als Startdosis, oft 100–150 µgkann in voller Dosis gestartet werden
Hypothyreose, Ältere oder ischämische Herzerkrankung12,5–25 µg p.o. täglich, alle 4–6 Wochen um 12,5–25 µg erhöhenAngina steuert das Tempo
Subklinische Hypothyreose25–50 µg p.o. täglich, Wirkung auf Symptome auswertenvor allem bei TSH > 10 mE/l behandeln
Schwangerschaft bei bekannter HypothyreoseDosis um ca. 25–30 % erhöhen sobald Schwangerschaft bekanntTSH-Ziel < 2,5 mE/l
Nach Thyreoidektomie bei Schilddrüsenkarzinomvollständige Substitution mit TSH-Suppression nach onkologischem PlanZielwert durch Endokrinologen festgelegt
Niereninsuffizienz

Keine Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz.

Leberfunktionsstörung

Keine formelle Dosisanpassung; nach TSH wie üblich titrieren.

Kinder

Neugeborene mit kongenitaler Hypothyreose benötigen 10–15 µg/kg täglich, die Dosis pro Kilo sinkt mit zunehmendem Alter. Durch Kinderendokrinologen betreut.

Fallstrick

Ein erhöhtes TSH einige Wochen nach Einleitung nicht als unzureichende Dosis interpretieren. Zuerst die Einnahme prüfen: die Tablette soll nüchtern mit Wasser, 30–60 Minuten vor dem Frühstück und ohne andere Präparate eingenommen werden. Die häufigste Ursache für schlecht kontrollierte Hypothyreose ist inkorrekte Einnahme, nicht falsche Dosis.

Pharmakokinetik

BIOVERFÜGB.
60–80 % (nüchtern)
6–7 Tage
PROTEINBINDUNG
> 99 % (TBG, Transthyretin, Albumin)
METABOLISMUS
Periphere Dejodierung zu T3
AUSSCHEIDUNG
Biliär und renal nach Konjugierung
STEADY STATE
4–6 Wochen
WIRKUNGSEINTRITT
Klinischer Effekt nach 2–3 Wochen
INTERAKTION RESORPTION
Kalzium, Eisen, PPI, Sucralfat, Cholestyramin

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Überdosierungssymptome: Palpitationen, Schwitzen, Tremor, Schlafstörung, Gewichtsabnahme
1–10 %
Kopfschmerzen, Unruhe, Wärmeintoleranz, Diarrhö, Muskelschwäche
< 1 %
Vorhofflimmern, Angina oder Herzinfarkt bei zu schneller Titrierung, Osteoporose bei dauerhafter Überdosierung