Nipruss
Der stärkste und am schnellsten steuerbare Vasodilatator in der intravenösen Hypertoniebehandlung — mit minütlichem Wirkungseintritt und Abklingen gleich nach Infusionsende. Das Problem ist Cyanidtoxizität bei Dosen über 2–3 µg/kg/min, bei Niereninsuffizienz und bei Langzeitinfusion, weil Nitroprussid zu Cyanid gespalten wird. An Nikardipin oder Clevipin gebunden als erste Wahl, da diese bei vergleichbarer Steuerbarkeit ohne das Cyanidrisiko kommen.
Metabolisiert zu Cyanid. Dosen über 2 µg/kg/min, Niereninsuffizienz und Behandlung länger als 2–3 Tage geben reales Cyanidvergiftungsrisiko mit Laktatazidose, Verwirrtheit und Herzstillstand. Laktat und Blutgas alle 4 Stunden kontrollieren.
| Indikation | Dosierung | Hinweis |
|---|---|---|
| Hypertensive Krise | Startdosis 0,25–0,5 µg/kg/min i.v. | in Schritten von 0,5 µg/kg/min erhöhen |
| Übliche Maximaldosis | 3 µg/kg/min i.v. | über dieser Dosis steigt das Cyanidrisiko erheblich |
| Absolute Maximaldosis | 8–10 µg/kg/min i.v., höchstens 10 Minuten | abbrechen wenn Zieldruck nicht erreicht wird |
| Bei vermuteter Cyanidtoxizität | Infusion abbrechen und Natriumthiosulfat i.v. geben | Thiosulfat wandelt Cyanid zu Thiocyanat um |
Thiocyanat akkumuliert. Bei eGFR < 30 ml/min vermeiden oder niedrigste Dosis für kürzeste Zeit.
Keine Dosisanpassung; Thiocyanat wird renal ausgeschieden.
0,25–0,5 µg/kg/min i.v. nach invasiver Blutdruckmessung; sonst alternativere Präparate bevorzugen.
Bei Schwangerschaft, Leber'scher hereditärer Optikusneuropathie, erhöhtem Hirndruck und ausgeprägter Niereninsuffizienz vermeiden. Cyanidrisiko ist bei Kindern proportional höher — Nicardipin oder Labetalol bevorzugen.