Synthetisches Vasopressin-Analogon (V2-Agonist)MONITORING ERFORDERLICHENGE THERAPEUTISCHE BREITE

Desmopressin

Minirin · Nocutil · Octostim · Desmopressin Ferring

Dieselbe Substanz wird bei vier völlig verschiedenen Indikationen mit Dosen eingesetzt, die sich um bis zu das Hundertfache unterscheiden — antidiuretische Substitution bei zentralem Diabetes insipidus, Symptomlinderung bei Nykturie und nächtlicher Enuresis sowie hämostatatische Freisetzung von von-Willebrand-Faktor und Faktor VIII. Die Selektivität für den V2-Rezeptor bewirkt, dass der vasokonstriktorische Effekt des Vasopressins fehlt. Das Gefährliche ist nicht das Präparat an sich, sondern das Wasser, das der Patient dazu trinkt.

WARNHINWEIS

Hyponatriämie mit Krämpfen und Bewusstseinstrübung ist das dominierende schwerwiegende Risiko und tritt auf, wenn der Patient unter laufender Antidiurese unbeschränkt trinkt. Flüssigkeitsrestriktion von einer Stunde vor bis acht Stunden nach der Dosis ist Voraussetzung, und Natrium sollte bei Älteren kontrolliert werden.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Zentraler Diabetes insipidus0,1–0,2 mg p.o. 2–3-mal täglich, oder 10–20 µg intranasal 1–2-mal täglichnach Urinmenge und Natrium titrieren
Nykturie beim Erwachsenen25 µg (Frau) oder 50 µg (Mann) sublingual zur Nachtkontraindiziert bei Natrium unter Referenzbereich und über 65 Jahren ohne Kontrolle
Primäre nächtliche Enuresis, Kinder ≥ 5 Jahre120–240 µg sublingual (0,2–0,4 mg p.o.) zur Nachtkein Trinken 1 Stunde vor bis 8 Stunden nach Einnahme
Leichte Hämophilie A und Von-Willebrand-Syndrom Typ 10,3 µg/kg i.v. in 50 ml NaCl über 20–30 Minuten, oder 300 µg intranasalFaktorspiegel steigen auf das 2–4-Fache, Tachyphylaxie nach 2–3 Dosen
Urämische Thrombozytendysfunktion mit Blutung0,3 µg/kg i.v. als EinzeldosisWirkung innerhalb von 1 Stunde, hält 4–8 Stunden an
Niereninsuffizienz

Kontraindiziert bei eGFR < 50 ml/min bei den Indikationen Nykturie und Enuresis. Bei zentralem Diabetes insipidus wird das Präparat gegeben, aber mit engmaschigerer Natriumkontrolle. Bei urämischer Blutung wird es trotz der Niereninsuffizienz als Hämostastikum eingesetzt.

Leberfunktionsstörung

Keine etablierte Dosisanpassung; Vorsicht bei Zirrhose mit Aszites und bestehender Flüssigkeitsretention.

Kinder

Nächtliche Enuresis ab 5 Jahren, 120–240 µg sublingual zur Nacht. Die Flüssigkeitsrestriktion ist bei Kindern besonders wichtig, und die Dosierung sollte bei Gastroenteritis oder Fiebererkrankung pausiert werden.

Fallstrick

Die Darreichungsformen nicht verwechseln. Die Injektionslösung für die Hämostase ist fast viermal so konzentriert wie die für Diabetes insipidus, und die sublinguale Tablette für Nykturie wird in Mikrogramm dosiert, während die Tablette für Diabetes insipidus in Milligramm dosiert wird — ein Faktor tausend Unterschied.

Pharmakokinetik

BIOVERFÜGB.
0,1–0,2 % peroral, 3–5 % intranasal
3–4 Stunden
WIRKUNGSEINTRITT ANTIDIURESE
30–60 Minuten peroral
WIRKUNGSDAUER ANTIDIURESE
6–14 Stunden
WIRKUNGSEINTRITT HÄMOSTASE
30–60 Minuten i.v., maximale Faktorwirkung nach ca. 90 Minuten
METABOLISMUS
Peptidabbau, kein CYP-Metabolismus
AUSSCHEIDUNG
Renal
TACHYPHYLAXIE
Hämostatatische Wirkung nimmt nach 2–3 Dosen innerhalb von 48 Stunden ab

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Kopfschmerzen, Gesichtsrötung und Tachykardie bei intravenöser Dosis, Übelkeit, Bauchschmerzen
1–10 %
Schwindel, Nasenverstopfung bei nasaler Darreichungsform, Ödeme, Gewichtszunahme, Blutdruckabfall bei schneller Infusion
< 1 %
Symptomatische Hyponatriämie mit Krämpfen und Bewusstseinstrübung, Hirnödem, thrombotische Ereignisse beim kardiovaskulär vorerkrankten Patienten