Selektiver β₁-Blocker

Metoprolol

Seloken · Metoprolol ratiopharm · Metoprolol Sandoz

Der am häufigsten eingesetzte Betablocker in Deutschland, mit dokumentiertem Mortalitätsvorteil bei Herzinsuffizienz (MERIT-HF) und unverzichtbarer Rolle bei der Frequenzregelung in der gesamten Kardiologie. Die Depotzubereitung ermöglicht Einmaldosierung und gleichmäßige Blutspiegel. CYP2D6-Varianten erklären den breiten interindividuellen Unterschied in der benötigten Dosis.

WARNHINWEIS

Abruptes Absetzen kann Angina, Arrhythmie und Herzinfarkt auslösen. Über mindestens 2 Wochen ausschleichen. Bei Herzinsuffizienz niemals während einer Dekompensation neu ansetzen oder erhöhen.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Herzinsuffizienz (HFrEF)12,5–25 mg Depot × 1, alle 2 Wochen verdoppeln auf 200 mgZieldosis, nicht Symptomdosis
Frequenzregelung bei Vorhofflimmern50–100 mg Depot × 1, bis zu 200 mggegen Ruhepuls 60–100 titrieren
Akute Frequenzregelung2,5–5 mg i.v. langsam, bis max. 15 mg wiederholenunter EKG-Überwachung
Hypertonie und Angina50–100 mg Depot × 1selten effektivstes Monoterapeutikum bei Hypertonie
Perioperative Hypertonie und hypertensive Krise1,25–5 mg i.v., danach 2,5–15 mg i.v. alle 3–6 Stundenschwächerer Druckeffekt als Esmolol und Labetalol
Niereninsuffizienz

Keine Dosisanpassung.

Leberfunktionsstörung

Dosis halbieren bei schwerer Leberinsuffizienz; die Clearance ist vollständig hepatisch über CYP2D6.

Kinder

Herzinsuffizienz: 0,1–1 mg/kg/Tag Depot, auf kardiologische Verordnung. Keine Zulassung für andere Indikationen unter 18 Jahren.

Fallstrick

Nicht während aktiver Dekompensation neu ansetzen oder erhöhen — Betablockade titriert sich wenn der Patient stabil und euvolämisch ist, nicht während er auf der Notaufnahme dekompensiert sitzt. Abruptes Absetzen nach langer Behandlung ist ebenfalls gefährlich.

Pharmakokinetik

BIOVERFÜGB.
30–40 % (schneller Erstpassagestoffwechsel)
Vd
5,5 l/kg
3–7 Stunden
PROTEINBINDUNG
12 %
METABOLISMUS
CYP2D6, stark genetisch variabel
AUSSCHEIDUNG
Renal als Metaboliten
HEMMT
CYP2D6 schwach
WIRKUNGSEINTRITT
Minuten i.v., Stunden p.o.

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Müdigkeit, Bradykardie, kalte Extremitäten, Schwindel
1–10 %
Albträume, erektile Dysfunktion, Bronchospasmus, Depression
< 1 %
AV-Block, Herzinsuffizienz-Verschlechterung bei zu schneller Auftitration