Acetylcystein Fresenius · ACC injekt · Fluimucil Antidote
Das wirksamste Antidot das die Medizin kennt — bei rechtzeitiger Gabe (innerhalb von 8 Stunden) wird schweres Leberversagen nach Paracetamolintoxikation nahezu vollständig verhindert. Die Grundlage ist die Wiederauffüllung der hepatischen Glutathionspeicher, die durch NAPQI erschöpft werden. Die häufigste anaphylaktoide Reaktion in der ersten Stunde ist keine Kontraindikation für Weitergabe — Infusion verlangsamen und mit Antihistaminikum und Steroid behandeln, dann fortsetzen.
Ohne rechtzeitige Behandlung entwickelt sich fulminantes Leberversagen erst 24–72 Stunden nach Ingestion, wenn der Patient sich scheinbar erholt hat — zu diesem Zeitpunkt ist Acetylcystein zu spät. Die Behandlungsindikation liegt im Paracetamolspiegel, nicht im klinischen Bild.
| Indikation | Dosierung | Hinweis |
|---|---|---|
| Paracetamolvergiftung, aktuelles Regime | Stufe 1: 200 mg/kg i.v. über 4 Stunden (50 mg/kg/h); Stufe 2: 6,25 mg/kg/h für mindestens 16 Stunden; Stufe 3: 6,25 mg/kg/h weiter bis Leberwerte und Paracetamol Abbruch erlauben | Acetylcystein 200 mg/ml in Glukose 50 mg/ml verdünnen |
| Älteres Dreistufenregime (in lokalen Leitlinien noch vorhanden) | 150 mg/kg über 15–60 min, danach 50 mg/kg über 4 Stunden, danach 100 mg/kg über 16 Stunden | gleiche Gesamtdosis am ersten Tag — Regime nicht mischen |
| Behandlungsgrenze nach Rumack-Matthew | Paracetamol > 1 000 µmol/l bei 4 h, 700 bei 6 h, 500 bei 8 h oder 350 bei 10 h; beim Risikopatienten 650, 450, 325 bzw. 230 µmol/l | Risikopatient: Mangelernährung, Lebererkrankung, Alkoholabhängigkeit, Enzyminduktoren |
| Unbekannte Einnahmezeit, chronische Überdosierung oder Retardformulierung | Acetylcystein ohne Warten auf Laborergebnisse starten bei vermutetem Einnahmen ≥ 10 g oder ≥ 200 mg/kg; bei Alvedon 665 mg verdoppelte Erhaltungsdosis und neue Proben nach 12 und 18 Stunden | Nomogramm gilt nicht bei Retardformulierung oder wiederholter Ingestion |
| Akutes Leberversagen anderer Ursache | 6,25 mg/kg/h als kontinuierliche Infusion bis Enzephalopathie sich bessert oder Transplantationsentscheidung gefällt | am besten dokumentiert bei nicht-Paracetamol-Leberversagen ohne Enzephalopathie |
Keine Dosisanpassung. Bei laufender Dialyse wird Acetylcystein teilweise eliminiert und die Infusion soll fortgesetzt werden.
Keine Dosisanpassung — Leberversagen ist die Behandlungsindikation.
Gleiche gewichtsbasierte Dosierung wie beim Erwachsenen. Flüssigkeitsvolumen genau berechnen — Kinder haben überproportioniert großes Risiko für Hyponatriämie durch Infusionsvolumen.
Infusion nicht bei anaphylaktoider Reaktion abbrechen oder dauerhaft absetzen — sie ist Histaminfreisetzung und hängt von der Infusionsrate ab. Infusion verlangsamen auf 50 ml/h, Antihistaminikum und Prednisolon i.v. geben, nach 30 Minuten Wiederaufnahme mit voller Rate. Die Vergiftungsbehandlung ist wichtiger als die Reaktion.