Glutathionvorstufe und Antidot bei ParacetamolvergiftungMONITORING ERFORDERLICH

N-Acetylcystein

Acetylcystein Fresenius · ACC injekt · Fluimucil Antidote

Das wirksamste Antidot das die Medizin kennt — bei rechtzeitiger Gabe (innerhalb von 8 Stunden) wird schweres Leberversagen nach Paracetamolintoxikation nahezu vollständig verhindert. Die Grundlage ist die Wiederauffüllung der hepatischen Glutathionspeicher, die durch NAPQI erschöpft werden. Die häufigste anaphylaktoide Reaktion in der ersten Stunde ist keine Kontraindikation für Weitergabe — Infusion verlangsamen und mit Antihistaminikum und Steroid behandeln, dann fortsetzen.

WARNHINWEIS

Ohne rechtzeitige Behandlung entwickelt sich fulminantes Leberversagen erst 24–72 Stunden nach Ingestion, wenn der Patient sich scheinbar erholt hat — zu diesem Zeitpunkt ist Acetylcystein zu spät. Die Behandlungsindikation liegt im Paracetamolspiegel, nicht im klinischen Bild.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Paracetamolvergiftung, aktuelles RegimeStufe 1: 200 mg/kg i.v. über 4 Stunden (50 mg/kg/h); Stufe 2: 6,25 mg/kg/h für mindestens 16 Stunden; Stufe 3: 6,25 mg/kg/h weiter bis Leberwerte und Paracetamol Abbruch erlaubenAcetylcystein 200 mg/ml in Glukose 50 mg/ml verdünnen
Älteres Dreistufenregime (in lokalen Leitlinien noch vorhanden)150 mg/kg über 15–60 min, danach 50 mg/kg über 4 Stunden, danach 100 mg/kg über 16 Stundengleiche Gesamtdosis am ersten Tag — Regime nicht mischen
Behandlungsgrenze nach Rumack-MatthewParacetamol > 1 000 µmol/l bei 4 h, 700 bei 6 h, 500 bei 8 h oder 350 bei 10 h; beim Risikopatienten 650, 450, 325 bzw. 230 µmol/lRisikopatient: Mangelernährung, Lebererkrankung, Alkoholabhängigkeit, Enzyminduktoren
Unbekannte Einnahmezeit, chronische Überdosierung oder RetardformulierungAcetylcystein ohne Warten auf Laborergebnisse starten bei vermutetem Einnahmen ≥ 10 g oder ≥ 200 mg/kg; bei Alvedon 665 mg verdoppelte Erhaltungsdosis und neue Proben nach 12 und 18 StundenNomogramm gilt nicht bei Retardformulierung oder wiederholter Ingestion
Akutes Leberversagen anderer Ursache6,25 mg/kg/h als kontinuierliche Infusion bis Enzephalopathie sich bessert oder Transplantationsentscheidung gefälltam besten dokumentiert bei nicht-Paracetamol-Leberversagen ohne Enzephalopathie
Niereninsuffizienz

Keine Dosisanpassung. Bei laufender Dialyse wird Acetylcystein teilweise eliminiert und die Infusion soll fortgesetzt werden.

Leberfunktionsstörung

Keine Dosisanpassung — Leberversagen ist die Behandlungsindikation.

Kinder

Gleiche gewichtsbasierte Dosierung wie beim Erwachsenen. Flüssigkeitsvolumen genau berechnen — Kinder haben überproportioniert großes Risiko für Hyponatriämie durch Infusionsvolumen.

Fallstrick

Infusion nicht bei anaphylaktoider Reaktion abbrechen oder dauerhaft absetzen — sie ist Histaminfreisetzung und hängt von der Infusionsrate ab. Infusion verlangsamen auf 50 ml/h, Antihistaminikum und Prednisolon i.v. geben, nach 30 Minuten Wiederaufnahme mit voller Rate. Die Vergiftungsbehandlung ist wichtiger als die Reaktion.

Pharmakokinetik

WIRKUNGSEINTRITT
Sofortig i.v.
MAXIMALER SCHUTZ
innerhalb von 8 Stunden nach Ingestion
WIRKUNGSMECHANISMUS
Glutathionvorstufe; hemmt direkt NAPQI; vasodilativ in der Mikrozirkulation
BIOVERFÜGB.
10 % peroral (nur i.v. bei Intoxikation)
2–3 Stunden
METABOLISMUS
Hepatisch, zu Cystein und weiteren Thiolen
AUSSCHEIDUNG
Renal
FORMULIERUNG
200 mg/ml Injektionslösung — immer verdünnen

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Anaphylaktoide Reaktion in der ersten Stunde mit Flush, Pruritus und Urtikaria — durch Histaminfreisetzung, keine echte Allergie
1–10 %
Angioödem, Bronchospasmus, Tachykardie, Blutdruckabfall, Fieber, Kopfschmerzen
< 1 %
Ausgeprägter Bronchospasmus bei Asthmatikern, Hypotonie die Infusionsabbruch erfordert, Hyponatriämie durch Infusionsvolumen bei kleinen Kindern