Antifibrinolytikum, Lysinanalogon

Tranexamsäure

Cyklokapron · Tranexamsäure Accord · Tranexamsäure Stragen

Blockiert die Lysinbindungsstellen von Plasminogen und verhindert damit die Auflösung des Koagulums — es stabilisiert einen bereits gebildeten Thrombus, schafft keinen neuen. Günstig, breit verfügbar und eine der wenigen Blutungsbehandlungen mit dokumentiertem Mortalitätsvorteil, aber nur wenn früh gegeben: nach drei Stunden nach Verletzung oder Entbindung verschwindet der Vorteil und kann sich in Schaden umkehren. Die Dosen sind einfach zu merken, der Punkt ist, sie schnell zu merken.

WARNHINWEIS

Unbeabsichtigte intrathekale Verabreichung verursacht Krämpfe und ist oft tödlich — die Ampulle vor jeder Injektion kontrollieren. Nicht bei laufender arterieller oder venöser Thrombose und nicht bei Hämaturie aus den oberen Harnwegen geben.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Traumatische Blutung1 g i.v. über 10 Minuten, danach 1 g als Infusion über 8 Stundenmuss innerhalb von 3 Stunden nach der Verletzung begonnen werden (CRASH-2)
Postpartum-Blutung1 g i.v. über 10 Minuten, kann bei fortgesetzter Blutung nach 30 Minuten mit 1 g wiederholt werdeninnerhalb von 3 Stunden nach der Entbindung (WOMAN)
Allgemeine Fibrinolyse, chirurgische Blutung1 g i.v. langsam (höchstens 1 ml/Minute) alle 6–8 Stunden, entspricht ca. 15 mg/kgdie Injektionsgeschwindigkeit steuert den Blutdruckabfall
Menorrhagie und Schleimhautblutung1–1,5 g p.o. 3–4-mal täglich für 3–4 Tagebei Nasenbluten kann die Lösung auch lokal aufgetragen werden
Traumatisches Schädel-Hirn-Trauma1 g i.v. über 10 Minuten, danach 1 g über 8 Stundeninnerhalb von 3 Stunden, größter Nutzen bei leichtem bis mäßigem Trauma (CRASH-3)
Niereninsuffizienz

Dosisreduktion nach Serumkreatinin: 120–249 μmol/l ergibt 10 mg/kg alle 12 Stunden, 250–500 μmol/l ergibt 10 mg/kg alle 24 Stunden und über 500 μmol/l ergibt 5 mg/kg alle 24 Stunden. Schwere Niereninsuffizienz ist wegen Akkumulation eine Kontraindikation.

Leberfunktionsstörung

Keine Dosisanpassung — der Metabolismus ist vernachlässigbar und die Ausscheidung renal.

Kinder

Ab 1 Jahr ca. 20 mg/kg und Tag aufgeteilt auf 2–3 Dosen für zugelassene Indikationen. Bei Trauma werden in der Praxis 15 mg/kg i.v. (höchstens 1 g) über 10 Minuten gegeben, gefolgt von Infusion nach lokalem Kindertraumaprogramm.

Fallstrick

Tranexamsäure nicht bei makroskopischer Hämaturie mit vermutetem Ursprung in Niere oder Harnleiter geben. Das Koagulum stabilisiert sich dann im Nierenbecken und Harnleiter, was Harnabflusshindernis mit Hydronephrose, Anurie und Nierenversagen verursachen kann. Auch bei laufender DIC ohne dominierende Fibrinolyse vermeiden, und auf sie verzichten wenn mehr als drei Stunden seit Trauma oder Entbindung vergangen sind — der Vorteil ist dann weg.

Pharmakokinetik

WIRKUNGSEINTRITT
Minuten i.v.
BIOVERFÜGB.
ca. 34 % oral
ca. 3 Stunden
PROTEINBINDUNG
ca. 3 %
METABOLISMUS
Vernachlässigbar
AUSSCHEIDUNG
Renal, ca. 90 % innerhalb 24 Stunden
RENALE CLEARANCE
110–116 ml/min
WIRKUNGSMECHANISMUS
Blockiert die Lysinbindungsstellen von Plasminogen

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö — dosisabhängig und am häufigsten bei oraler Behandlung
1–10 %
Blutdruckabfall bei zu schneller Injektion, Schwindel, Hautausschlag
< 1 %
Krampfanfälle, arterielle und venöse Thrombose, Sehstörung und Farbsinnstörung, Anaphylaxie