Vasopressinanalog mit V₁-SelektivitätMONITORING ERFORDERLICHENGE THERAPEUTISCHE BREITE

Terlipressin

Glypressin

Prodrug, das zu Lysin-Vasopressin gespalten wird und eine langsame, anhaltende V₁-vermittelte splanchnische Vasokonstriktion ergibt — der Pfortaderdruck sinkt und die Blutung aus den Varizen sistiert bei der Mehrheit. Derselbe Mechanismus erhöht den effektiven Blutvolumendruck in den Nieren und ist die Grundlage für die Anwendung beim hepatorenalen Syndrom. Die Vasokonstriktion ist jedoch nicht selektiv für das Splanchnikusgebiet, und das ist das ischämische Nebenwirkungsprofil, das darüber entscheidet wie lange die Behandlung dauern kann.

WARNHINWEIS

Generalisierte Vasokonstriktion ergibt Risiko für digitale und kutane Nekrose, Darmischämie und Myokardischämie. Periphere Durchblutung bei jeder Gabe kontrollieren und bei Brustschmerz, Bauchschmerz mit veränderten Charakter oder Marmorierung der Haut abbrechen. Kontraindiziert in der Schwangerschaft.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Blutende Ösophagusvarizen2 mg i.v. alle 4 Stunden bis die Blutung 24 Stunden kontrolliert warhöchstens 48 Stunden auf dieser Dosisstufe
Fortsetzung nach Blutstillung1 mg i.v. alle 4 Stunden für bis zu 5 Tagegleiche Dosis von Anfang bei Gewicht unter 50 kg oder bei Nebenwirkungen
Hepatorenales Syndrom, Bolusregime1 mg i.v. alle 12 Stunden, 2 mg alle 12 Stunden bei Kreatinin um 200 μmol/limmer mit Albumin kombiniert
Hepatorenales Syndrom, Infusion2–4 mg pro Tag als kontinuierliche Infusion, auf 6–12 mg pro Tag bei ausbleibendem Effekt erhöhenInfusion besser toleriert als Bolus, maximal 14 Tage
AbsetzenAbbrechen bei ausbleibender Kreatininsenkung nach 3–4 Tagen auf Maximaldosisoder bei ischämischer Nebenwirkung unabhängig vom Zeitpunkt
Niereninsuffizienz

Keine formale Dosisanpassung — die Behandlung wird gerade bei Niereninsuffizienz gegeben. Diurese und Kreatinin täglich verfolgen und bei ausbleibendem Effekt abbrechen statt die Dosis weiter zu erhöhen.

Leberfunktionsstörung

Keine Dosisanpassung bei Zirrhose; die Halbwertszeit ist unverändert. Bei akut-auf-chronischer Leberinsuffizienz Grad 3 und bei ausgeprägtem Aszites mit Atemsymptomen ist das Risiko für Atemversagen deutlich erhöht — Verzicht.

Kinder

Unzureichende Dokumentation bei Kindern. Nur auf Spezialistenindikation bei kinderhepatologischer Einheit.

Fallstrick

Terlipressin bei bekannter ischämischer Herzerkrankung, peripherer arterieller Verschlusskrankheit und bei akut-auf-chronischer Leberinsuffizienz Grad 3 vermeiden — der Gewinn im Pfortaderdruck wird dann selten durch das Risiko für Myokardischämie bzw. Atemversagen aufgewogen. Auch bei hepatorenalem Syndrom nicht über drei bis vier Tage ohne Kreatininantwort weiterbehandeln; der Effekt kommt früh wenn er kommt, und weitere Tage geben nur ischämisches Risiko.

Pharmakokinetik

WIRKUNGSEINTRITT
Aktiver Metabolit steigt nach ca. 30 Minuten
ca. 40 Minuten bei Zirrhose
WIRKUNGSDAUER
4–6 Stunden nach 2 mg
AKTIVER METABOLIT
Lysin-Vasopressin
METABOLISMUS
Enzymatische Spaltung durch Endopeptidasen
REZEPTOR
V₁ ≫ V₂, minimaler antidiuretischer Effekt verglichen mit Vasopressin
VERABREICHUNG
Nur intravenös
SCHWANGERSCHAFT
Kontraindiziert

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Bauchschmerzen, Blässe, Kopfschmerzen, Blutdruckanstieg, Bradykardie
1–10 %
Hyponatriämie, Diarrhö, Übelkeit, periphere Zyanose, Brustschmerz, Lymphangitis an der Infusionsstelle
< 1 %
Digitale und kutane Nekrose, Darmischämie und Darmnekrose, Herzinfarkt, Atemversagen und Lungenödem, Torsades de pointes