Glypressin
Prodrug, das zu Lysin-Vasopressin gespalten wird und eine langsame, anhaltende V₁-vermittelte splanchnische Vasokonstriktion ergibt — der Pfortaderdruck sinkt und die Blutung aus den Varizen sistiert bei der Mehrheit. Derselbe Mechanismus erhöht den effektiven Blutvolumendruck in den Nieren und ist die Grundlage für die Anwendung beim hepatorenalen Syndrom. Die Vasokonstriktion ist jedoch nicht selektiv für das Splanchnikusgebiet, und das ist das ischämische Nebenwirkungsprofil, das darüber entscheidet wie lange die Behandlung dauern kann.
Generalisierte Vasokonstriktion ergibt Risiko für digitale und kutane Nekrose, Darmischämie und Myokardischämie. Periphere Durchblutung bei jeder Gabe kontrollieren und bei Brustschmerz, Bauchschmerz mit veränderten Charakter oder Marmorierung der Haut abbrechen. Kontraindiziert in der Schwangerschaft.
| Indikation | Dosierung | Hinweis |
|---|---|---|
| Blutende Ösophagusvarizen | 2 mg i.v. alle 4 Stunden bis die Blutung 24 Stunden kontrolliert war | höchstens 48 Stunden auf dieser Dosisstufe |
| Fortsetzung nach Blutstillung | 1 mg i.v. alle 4 Stunden für bis zu 5 Tage | gleiche Dosis von Anfang bei Gewicht unter 50 kg oder bei Nebenwirkungen |
| Hepatorenales Syndrom, Bolusregime | 1 mg i.v. alle 12 Stunden, 2 mg alle 12 Stunden bei Kreatinin um 200 μmol/l | immer mit Albumin kombiniert |
| Hepatorenales Syndrom, Infusion | 2–4 mg pro Tag als kontinuierliche Infusion, auf 6–12 mg pro Tag bei ausbleibendem Effekt erhöhen | Infusion besser toleriert als Bolus, maximal 14 Tage |
| Absetzen | Abbrechen bei ausbleibender Kreatininsenkung nach 3–4 Tagen auf Maximaldosis | oder bei ischämischer Nebenwirkung unabhängig vom Zeitpunkt |
Keine formale Dosisanpassung — die Behandlung wird gerade bei Niereninsuffizienz gegeben. Diurese und Kreatinin täglich verfolgen und bei ausbleibendem Effekt abbrechen statt die Dosis weiter zu erhöhen.
Keine Dosisanpassung bei Zirrhose; die Halbwertszeit ist unverändert. Bei akut-auf-chronischer Leberinsuffizienz Grad 3 und bei ausgeprägtem Aszites mit Atemsymptomen ist das Risiko für Atemversagen deutlich erhöht — Verzicht.
Unzureichende Dokumentation bei Kindern. Nur auf Spezialistenindikation bei kinderhepatologischer Einheit.
Terlipressin bei bekannter ischämischer Herzerkrankung, peripherer arterieller Verschlusskrankheit und bei akut-auf-chronischer Leberinsuffizienz Grad 3 vermeiden — der Gewinn im Pfortaderdruck wird dann selten durch das Risiko für Myokardischämie bzw. Atemversagen aufgewogen. Auch bei hepatorenalem Syndrom nicht über drei bis vier Tage ohne Kreatininantwort weiterbehandeln; der Effekt kommt früh wenn er kommt, und weitere Tage geben nur ischämisches Risiko.