Noradrenerges und spezifisch serotonerges Antidepressivum (NaSSA)

Mirtazapin

Remeron · Mirtazapin Accord · Mirtazapin ratiopharm

Antidepressivum mit rascher schlaffördernder und appetitsteigernder Wirkung — Eigenschaften, die es bei Patienten mit Schlaflosigkeit, Gewichtsverlust oder Anorexie besonders geeignet machen. Die paradox größere Sedierung bei 15 mg als bei 30 mg ist dadurch erklärt, dass die Histaminblockade bei niedriger Dosis dominiert, während bei höherer Dosis noradrenerge Stimulierung die sedierende Wirkung abschwächt.

WARNHINWEIS

Reversible Knochenmarksdepression mit Agranulozytose ist selten aber möglich — Fieber, Halsschmerzen oder anderes Infektionszeichen erfordern sofort Blutbild. Suizidales Verhalten kann besonders zu Beginn der Behandlung auftreten — enge Nachsorge in den ersten Wochen.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Depression15–30 mg zur Nacht als Start, Zieldosis 30–45 mgdie gesamte Tagesdosis zur Nacht geben
Depression mit ausgeprägter Schlafstörung15 mg zur Nachtsedierende Wirkung am stärksten, Erhöhung mindert Müdigkeit
Unzureichende Wirkung nach 2–4 Wochenauf 45 mg täglich erhöhen45 mg ist Maximaldosis, nach 4–6 Wochen bewerten
Ältere15 mg zur Nacht, langsame Auftitrationerhöhtes Risiko für Stürze, Sedierung und Hyponatriämie
Zusatz bei SSRI-induzierter Schlaflosigkeit15 mg zur Nacht als Zusatzdie Kombination erhöht das Risiko für Serotonin-Syndrom
Niereninsuffizienz

Clearance sinkt um ca. 30 % bei mäßig und ca. 50 % bei schwer eingeschränkter Nierenfunktion. Mit 15 mg beginnen und langsam titrieren.

Leberfunktionsstörung

Halbierte Startdosis und langsame Titrierung bei eingeschränkter Leberfunktion; der Metabolismus ist vollständig hepatisch.

Kinder

Nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zugelassen.

Fallstrick

Beim Patienten mit metabolischem Syndrom, bedeutendem Übergewicht oder neu diagnostiziertem Diabetes vermeiden — die Gewichtszunahme beträgt oft mehrere Kilogramm im ersten Jahr und verschlechtert die Stoffwechselsituation. Bei Älteren immer niedrig beginnen und das Sturzrisiko durch Sedierung beachten.

Pharmakokinetik

BIOVERFÜGB.
50 %
20–40 Stunden
STEADY STATE
5 Tage
PROTEINBINDUNG
85 %
METABOLISMUS
CYP1A2, CYP2D6 und CYP3A4
AUSSCHEIDUNG
Renal 75 %, fäkal 15 % als Metaboliten
WIRKUNGSEINTRITT
Schlafeffekt nach 1–2 Nächten; antidepressive Wirkung nach 2–4 Wochen

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Sedierung und Tagesmüdigkeit, gesteigerte Appetit, Gewichtszunahme, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen
1–10 %
Orthostatische Hypotonie, Schwindel, periphere Ödeme, Albträume, Restless Legs, Transaminaseerhöhung
< 1 %
Agranulozytose und Knochenmarksdepression, Serotonin-Syndrom, Hyponatriämie, Krampfanfälle