Selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)

Sertralin

Zoloft · Sertralin Teva · Sertraline Accord

Der SSRI, der in Leitlinien sowohl bei Depression als auch bei Angststörungen an erster Stelle steht, und der am besten dokumentierte bei gleichzeitiger Herzerkrankung — schwache CYP-Hemmung, keine klinisch relevante QT-Verlängerung in Normaldosis und Sicherheitsdaten nach Herzinfarkt. Bei Angststörungen ist das entscheidende Detail nicht die Zieldosis sondern der Start: halbe Dosis in der ersten Woche, sonst treibt die anfängliche Angstverstärkung den Patienten von der Behandlung weg.

WARNHINWEIS

Erhöhtes Risiko für Suizidgedanken und suizidales Verhalten bei Patienten unter 25 Jahren in den ersten Behandlungswochen — engmaschige Nachverfolgung erforderlich. Kombination mit MAO-Hemmern ist kontraindiziert und kann lebensbedrohliches Serotoninsyndrom verursachen.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Depression50 mg täglich ab Beginn, Erhöhung um 50 mg pro Schritt bei BedarfZieldosis üblicherweise 50–100 mg, max. 200 mg
Panikstörung, soziale Phobie, PTBS25 mg täglich für eine Woche, dann 50 mg täglichniedrigere Startdosis vermindert anfängliche Angstverstärkung
Zwangsstörung (OCD)50 mg täglich, Titrierung bis 200 mgerfordert oft höhere Dosis und längere Zeit als Depression
Depression bei ischämischer Herzerkrankung50 mg täglich, selten über 100 mgErstlinie, beste kardiale Dokumentation
Ältere25 mg täglich als Start, vorsichtige TitrierungNatrium nach 1–2 Wochen kontrollieren
Niereninsuffizienz

Keine Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion — wird hauptsächlich als inaktive Metaboliten ausgeschieden und nicht unverändert über die Nieren eliminiert.

Leberfunktionsstörung

Halbierte Dosis oder verlängertes Dosierungsintervall bei leichter bis mäßiger Leberinsuffizienz. Vermeiden bei schwerer Leberfunktionsstörung, wo die Dokumentation fehlt.

Kinder

Ab 6 Jahren bei Zwangsstörung zugelassen: 6–12 Jahre 25 mg täglich als Start, 13–17 Jahre 50 mg täglich, Titrierung mit mindestens einwöchigem Abstand bis höchstens 200 mg. Keine zugelassene Indikation für Depression bei Kindern.

Fallstrick

Sertralin nach mehr als einigen Wochen Behandlung niemals abrupt absetzen; über mindestens 2–4 Wochen ausschleichen. Auch nicht routinemäßig bei Panikstörung mit voller Dosis starten — die anfängliche Angstverstärkung wird dann als Therapieversagen gedeutet und der Patient hört nach einigen Tagen auf.

Pharmakokinetik

BIOVERFÜGB.
ca. 44 %
26 Stunden
AKTIVER METABOLIT
N-Desmethylsertralin, t½ 62–104 Stunden
PROTEINBINDUNG
98 %
METABOLISMUS
CYP2B6 hauptsächlich, auch 2C19, 2C9, 3A4
HEMMT
CYP2D6 schwach, dosisabhängig
AUSSCHEIDUNG
Fäkal und renal, als Metaboliten
WIRKUNGSEINTRITT
2–4 Wochen für antidepressiven Effekt

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Übelkeit, Diarrhö, Kopfschmerzen, Schlafstörung, Mundtrockenheit, sexuelle Dysfunktion
1–10 %
Anfängliche Unruhe und Rastlosigkeit, Tremor, Schwitzen, Appetitveränderung, Gewichtsveränderung, Hyponatriämie
< 1 %
Serotoninsyndrom, gastrointestinale Blutung, ausgeprägte Hyponatriämie mit SIADH, Krampfanfälle, Hypomanie