Nicht-Dihydropyridin-Kalziumantagonist (Benzothiazepin)SONDERZULASSUNGMONITORING ERFORDERLICH

Diltiazem

Cardizem Retard · Cardizem Unotard · Coramil

Die Zwischenform unter den Kalziumantagonisten: bremst den AV-Knoten wie Verapamil, aber mit weniger negativer Inotropie und mehr Vasodilatation, und verursacht weniger Obstipation. In Deutschland ist Diltiazem für die Frequenzkontrolle zugelassen; Verapamil oder Betablocker bleiben die häufigsten Optionen als Erste Wahl.

WARNHINWEIS

Kontraindiziert bei Herzinsuffizienz mit eingeschränkter Ejektionsfraktion, bei AV-Block II–III ohne Schrittmacher, bei Sick-Sinus-Syndrom und bei Vorhofflimmern mit Präexzitation (WPW) — AV-nodale Blockade kann eine beschleunigte Überleitung in der akzessorischen Bahn und Kammerflimmern verursachen. Kombination mit Betablockern, besonders intravenös, kann schwere Bradykardie und Asystolie hervorrufen.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Akute Frequenzregelung bei Vorhofflimmern0,25 mg/kg i.v. über 2 Minuten, kann mit 0,35 mg/kg nach 15 Minuten wiederholt werdennur bei schmalem QRS ohne Präexzitation und erhaltener EF
Weitere FrequenzregelungInfusion 5–15 mg/Stunde i.v., titriert gegen Kammerfrequenzi.v.-Darreichungsform gemäß Fachinformation wählen
Frequenzregelung, perorale Erhaltung180–360 mg täglich als Retardformulierunggegen Ruhepuls titrieren
Angina pectoris, einschließlich vasospastisch180–360 mg täglich als Retardformulierungdie am stärksten dokumentierte Indikation für Diltiazem
Hypertonie180–360 mg täglich als Retardformulierungselten erste Wahl
Niereninsuffizienz

Keine etablierte Dosisanpassung — nur wenige Prozent werden unverändert renal ausgeschieden. Puls und Blutdruck bei ausgeprägter Niereninsuffizienz verfolgen. Nicht durch Hämodialyse entfernt.

Leberfunktionsstörung

Dosis reduzieren und langsam titrieren — hoher First-Pass-Effekt bewirkt, dass die Exposition bei Zirrhose erheblich steigt.

Kinder

Unzureichende Dokumentation bei Kindern. Frequenzregelung bei Kindern wird durch Kinderkardiologen mit anderen Präparaten durchgeführt.

Fallstrick

Diltiazem nicht zur Frequenzregelung bei eingeschränkter Linksventrikelfunktion einsetzen — die negative Inotropie kann eine Dekompensation auslösen, und Betablocker oder Digoxin sind dann die richtige Wahl. Auch nicht bei verbreiterter Tachykardie unklarer Genese: Bei präexzitiertem Vorhofflimmern kann AV-nodale Blockade Kammerflimmern auslösen.

Pharmakokinetik

BIOVERFÜGB.
ca. 40 % (First-Pass)
3–6 h
PROTEINBINDUNG
ca. 80 %
METABOLISMUS
CYP3A4, Deacetylierung
AKTIVER METABOLIT
Desacetyldiltiazem
AUSSCHEIDUNG
Biliär und renal, 2–4 % unverändert
HEMMT
CYP3A4 und P-gp (mäßig)
WIRKUNGSEINTRITT
3 Minuten i.v. · 4–6 h bis Cmax bei Retardformulierung

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Periphere Ödeme, Kopfschmerzen, Schwindel, Gesichtsrötung
1–10 %
Bradykardie, Hypotonie, Müdigkeit, Obstipation, Palpitationen
< 1 %
AV-Block III, verschlechterte Herzinsuffizienz, Hepatitis, exfoliative Dermatitis und DRESS