Nicht-Dihydropyridin-Kalziumantagonist (Phenylalkylamin)MONITORING ERFORDERLICHHOHES INTERAKTIONSRISIKO

Verapamil

Isoptin · Isoptin Retard · Verapamil Mylan

Der am stärksten kardiodepressive Kalziumantagonist — wirkt auf den AV-Knoten und das Myokard statt auf das Gefäßbett, und wird daher zur Frequenzkontrolle und bei nodalen Tachyarrhythmien eingesetzt. Die negative Inotropie macht das Präparat ungeeignet bei eingeschränkter linksventrikulärer Funktion, und die ausgeprägte CYP3A4-Hemmung macht die Medikamentenliste zum Teil der Dosisentscheidung.

WARNHINWEIS

Kontraindiziert bei Herzinsuffizienz mit EF ≤ 35 % oder symptomatischer systolischer Insuffizienz, bei AV-Block II–III und bei Vorhofflimmern mit Präexzitation (WPW) — AV-nodale Blockade kann dann zu akzelerierter Überleitung über eine akzessorische Bahn und Kammerflimmern führen. Intravenöses Verapamil bei einem Patienten unter Betablockade kann Asystolie verursachen.

Dosierung bei Erwachsenen

Nach Indikationuppdaterad 2026-08-22
IndikationDosierungHinweis
Nodale Tachykardie (AVNRT/AVRT)5 mg i.v. langsam über 2–3 Minuten, kann nach 5–10 Minuten wiederholt werdennur bei schmaler QRS-Tachykardie und bekanntem Rhythmus
Akute Frequenzkontrolle bei Vorhofflimmern5 mg i.v. über 2–3 Minuten, wiederholt bis höchstens 10–15 mgniemals bei Präexzitation oder EF-Einschränkung
Frequenzkontrolle, orale Erhaltung120–360 mg täglich aufgeteilt auf 3 Dosen, oder Retardtablette 120–240 mg × 1–2nach Ruhepuls titrieren, nicht nach Symptomen
Hypertonie240–480 mg täglich aufgeteilt auf 2–3 Dosenhöchstens 160 mg pro Gabe
Angina pectoris240–480 mg täglich aufgeteilt auf 3–4 DosenAlternative wenn Betablocker nicht toleriert wird
Niereninsuffizienz

Die Nierenfunktion beeinflusst die Kinetik nicht wesentlich — nur 3–4 % werden unverändert ausgeschieden. Keine routinemäßige Dosisanpassung, aber i.v.-Dosierung unter Überwachung bei ausgeprägter Niereninsuffizienz. Nicht durch Hämodialyse entfernbar.

Leberfunktionsstörung

Die Halbwertszeit verlängert sich deutlich bei Leberzirrhose. Mit etwa einem Drittel der Normaldosis beginnen und langsam titrieren.

Kinder

Bei Arrhythmie oral: Säuglinge 4–10 mg/kg/Tag aufgeteilt auf 2–3 Dosen, größere Kinder 3–6 mg/kg/Tag. Intravenöses Verapamil soll bei Säuglingen vermieden werden — Risiko für schwere Hypotonie und Asystolie.

Fallstrick

Kein Verapamil intravenös bei breiter Tachykardie unklarer Genese. Ist der Rhythmus eine Kammertachykardie oder ein präexzitiertes Vorhofflimmern, kann das Ergebnis hämodynamischer Kollaps bzw. Kammerflimmern sein — bei Unsicherheit gilt Elektrokonversion oder Amiodaron, nicht AV-nodale Blockade. Auch beim Patienten unter laufender Betablockade vermeiden: die Kombination intravenöses Verapamil und bestehende Betablockade hat Asystolie verursacht.

Pharmakokinetik

BIOVERFÜGB.
22 % (Retard 33 %)
3–7 h
PROTEINBINDUNG
ca. 90 %
METABOLISMUS
CYP3A4 (auch 1A2, 2C8/9)
AKTIVER METABOLIT
Norverapamil, ca. 20 % Aktivität
AUSSCHEIDUNG
Renal ca. 70 %, 3–4 % unverändert
HEMMT
CYP3A4 und P-gp (stark)
WIRKUNGSEINTRITT
1–2 h p.o. · 1–5 min i.v.

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

≥ 10 %
Obstipation, Kopfschmerzen, Schwindel, Gesichtsrötung
1–10 %
Bradykardie, Hypotonie, periphere Ödeme, Müdigkeit, Übelkeit
< 1 %
AV-Block III, Asystolie, verschlechterte Herzinsuffizienz und Lungenödem, Transaminasenanstieg, gingivale Hyperplasie